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Arbeitswelten für Ingenieure : Ingenieursinformatiker dringend gesucht

Informationstechnologien werden für Ingenieure immer wichtiger - die Disziplinen verschmelzen zunehmend. Bild: Ferchau

Industrie 4.0 ist in aller Munde. Doch was bedeutet die Verschmelzung von Produktion und Informationstechnik für Ingenieure und Informatiker? Antworten von Rolf Schultheis, Leiter Geschäftsfeld IT beim Ingenieursdienstleister Ferchau.

          Herr Schultheis, welche Folgen hat die Digitalisierung für Arbeitsabläufe in Unternehmen?

          Ich sehe hier eine Analogie zu den Entwicklungen im kaufmännischen Bereich Ende der neunziger Jahre: Damals hat bei Dienstleistern bereits jene Digitalisierung der Prozesse stattgefunden, die sich nun innerhalb der Produktion vollzieht. Damals entstand das Berufsbild des Wirtschaftsinformatikers. Nun wird das Berufsbild des Ingenieursinformatikers[JS1]  entstehen. Diese Welle überrollt nun die Produktion. Natürlich gab es auch bisher bereits eine Informatisierung der Produktion. Allerdings handelte es sich dabei um vorwiegend proprietäre Systeme, die in sich geschlossener und damit nur unzureichend geeignet waren, mit anderen Standorten vernetzt zu werden. Mit dem Einzug der Industrie 4.0 und ihren Standards werden die eigenen Ökosysteme nun nach außen hin offener. Das eröffnet neue Potentiale, bringt aber auch jede Menge Risiken und Nebenwirkungen mit sich, die sich vor allem auf Sicherheitsaspekte beziehen.

          Als Ingenieursdienstleister hat Ferchau keine eigene Produktion, aber als Berater einen guten Einblick in andere Unternehmen. Welche Stimmung spüren Sie mit Blick auf die Informatisierung der Produktion?

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wir spüren am Markt derzeit eine gewisse Investitionsunsicherheit, weil in den Firmen keiner genau weiß, welche Standards sich für Industrie 4.0 durchsetzen werden. Wir kennen die Komponenten von Industrie 4.0 und wissen, welche Paradigmen sich ändern werden. Aber das Zielkonstrukt ist noch nicht wirklich greifbar. Dementsprechend sind die Dinge, die jetzt in Unternehmen passieren, geprägt von hoher Unsicherheit. Es gibt einzelne Projekte, aber keiner arbeitet konsequent auf ein „Big Picture“, auf eine große Vision hin, weil diese noch nicht umfassend existiert.

          Wie reagieren Sie konkret darauf?

          Als größter Personalanbieter für Industriekunden aus Maschinenbau, Anlagenbau, Fahrzeugbau, Chemie und vielen weiteren sehr technologiefokussierten Branchen bedienen wir genau jene Branchen, in denen die Digitalisierung von Produktionsprozessen und Industrie 4.0 Einzug halten. In diesem Kontext sehen wir uns aktuell wie auch künftig einer gesteigerten Nachfrage entsprechender Projekte gegenüber, die die Einführung von Industrie 4.0 adressieren. Obwohl wir bereits 7.500 Ingenieure und IT-Experten an Bord haben, werden wir unseren Personalstamm weiter ausbauen. Unsere Aufgabe wird es sein, die wachsende Nachfrage nach übergreifenden Kompetenzen im Kontext Industrie 4.0 zu decken.

          Rolf Schultheis, Leiter Geschäftsfeld IT beim Ingenieursdienstleister Ferchau.
          Rolf Schultheis, Leiter Geschäftsfeld IT beim Ingenieursdienstleister Ferchau. : Bild: Ferchau.

          Und gibt es diese Leute bereits?

          Der Markt für solche vernetzten Kompetenzen ist aktuell noch überschaubar. Junge Disziplinen und Ausbildungsangebote wie Ingenieursinformatik nehmen die angesprochenen Themen wie die Digitalisierung von Prozessen in dieser neuen Form gerade erst auf, zum Beispiel an den Hochschulen. Mangelware sind zum Beispiel nach wie vor Experten an der Schnittstelle zwischen Maschinenbau und IT oder auch zwischen Produktentwicklung und IT. Wir kennen die Fähigkeiten, die zukünftig im Zuge der Digitalisierung der Produktion benötigt werden. Aber es fehlt noch die konkrete Vorstellung, welche neuen Berufsbilder insgesamt entstehen werden. Dies hängt nicht nur von Skills, sondern auch von den mit Industrie 4.0 einhergehenden neuen Geschäftsmodellen und daraus entstehenden Berufen ab.

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