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Auslandspraktikum : Planen – und doch mit Unerwartetem rechnen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Drei Dinge, auf die man bei der Vorbereitung eines Auslandspraktikums achten sollte.

          Rechtzeitig mit der Planung beginnen

          Das International Placement Center (IPC) empfiehlt Studenten, sich mindestens zwölf Monate vor dem gewünschten Start eines Auslandspraktikums mit den ersten Recherchen zu befassen. Welches Land reizt mich? In welcher Art von Unternehmen möchte ich arbeiten? Wie finanziere ich den Auslandsaufenthalt? Diese und viele andere Fragen gilt es, frühzeitig zu klären. Für Wirtschaftsingenieure, -informatiker und -mathematiker ist das IPC dabei ein guter Ansprechpartner. Die Hochschulgruppe kooperiert weltweit mit zahlreichen Unternehmen und vermittelt bezahlte Auslandspraktika an Studenten ab dem vierten Semester. Die Verantwortlichen betonen aber auch, dass das perfekte Praktikum nur derjenige findet, der Flexibilität zeigt und sich über möglichst viele Kanäle auf unterschiedliche Stellen bewirbt. Eine ergiebige Quelle hierfür ist die Website des Karlsruher Instituts für Technologie KIT.

          Bezahlte und betreute Praktika in allen technischen und naturwissenschaftlichen Fachrichtungen vermittelt die IAESTE (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience) als Teil des Deutschen Akademischen Austauschdienstes DAAD. Sie übernimmt beispielsweise die Wohnungssuche und erledigt alle notwendigen Formalitäten. Gerade die Beantragung eines Visums für praktikumsübliche zwei bis sechs Monate kann recht kompliziert sein und muss vor allem rechtzeitig erfolgen. Generell gilt: Die beste Vorbereitung ist der Austausch mit Kommilitonen und Alumni, die bereits ein Praktikum im Ausland absolviert haben – entweder direkt an der Uni oder in Expat-Gruppen auf Facebook und Xing. Eine inspirierende Sammlung an Berichten gibt es auf www.iaeste.de/outgoing.

          Sich für fremde Kulturen öffnen

          Den eigenen Horizont maximal erweitern und ein großes Abenteuer erleben – das versprach sich Johannes Lippert von seinem Aufenthalt in Indien. Der 25-Jährige studiert Luft- und Raumfahrttechnik im Master und war im Sommer 2017 für vier Monate IAESTE-Praktikant am Institut für Automotive Development der Uni Manipal. Über seine Kollegen, aber auch über indische IAESTE-Studenten lernte er viel über den Alltag in einem Land, das so gar nicht mit Deutschland vergleichbar ist. „Es war viel wert, einheimische Ansprechpartner zu haben“, meint Lippert. „Nicht nur, weil sie die Landessprache sprechen. Sie wissen vor allem, wie man die Dinge in Indien einfach angehen kann: wie man mit Rikscha-Fahrern verhandelt oder einen Zug bucht. Das kann dort nämlich echt schwer sein.“

          Vorbereitet hat der Stuttgarter sich in einem Kulturschock-Seminar der IAESTE, in dem es darum ging, wie sich Körper und Geist bei einem Auslandsaufenthalt in einem ganz anderen Kulturkreis verhalten. Allgemein, findet Johannes Lippert, solle man aber nicht zwanghaft versuchen, alles schon zu Hause zu lernen, sondern sich der fremden Kultur vor Ort öffnen.

          Sinnvoll ist es dabei, einige Zeit vor dem Beginn des Praktikums anzureisen, so dass man sich an das Klima und das Umfeld gewöhnen kann. Grundkenntnisse in der jeweiligen Landessprache sind ebenfalls empfehlenswert, auch wenn am Arbeitsplatz Englisch gesprochen wird. „Es war gut, ein wenig Chinesisch zu sprechen, um das Interesse an der Kultur und den Menschen zu zeigen“, meint Wirtschaftsingenieurstudent Julian Marstaller, der fünf Monate bei Voith Paper in Schanghai war.

          Gegen Unvorhergesehenes gewappnet sein

          Egal, wie gewissenhaft man sich vorbereitet – ein Auslandsaufenthalt bleibt ein Abenteuer mit vielen Unbekannten. „Deshalb ist es extrem wichtig, Vorsorge für unvorhergesehene Zwischenfälle zu treffen“, sagt Karin Pankau, Teamleiterin für das IAESTE-Programm beim DAAD. Sie empfiehlt, die Kontaktdaten in der Liste des Auswärtigen Amts, „Elefand“ (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland), zu hinterlegen, damit im Notfall die zuständigen Botschaften und Konsulate Kontakt aufnehmen und Sicherheitshinweise geben können. Empfehlenswert sei auch die „Sicher reisen“-App des Auswärtigen Amts. Hier finden sich beispielsweise Hinweise zu notwendigen Impfungen. IAESTE-Praktikanten helfen die jeweiligen Lokalkomitees, falls Probleme auftreten. Eine kostengünstige Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung kann über den DAAD abgeschlossen werden.

          Insgesamt ist es hilfreich, einen finanziellen Puffer zu haben. Über das IPC und die IAESTEvermittelte Praktika werden vergütet, dazu kommen in einigen Fällen Zuschüsse für Flüge, Unterkunft, Visa oder den örtlichen Nahverkehr. Finanzielle Förderung bieten der KfW-Bildungskredit und das Auslands-Bafög. Unabhängig davon sollte man für die Zeit des Auslandsaufenthalts versuchen, zu Hause zu sparen, und etwa die Wohnung untervermieten, den Handyvertrag kündigen und Streamingdienste nur weiterlaufen lassen, wenn diese im Zielland verfügbar sind. „Deutschland ist reich, viele Länder sind für uns günstig zu bereisen. Das gilt allerdings nur, wenn man sich den lokalen Gegebenheiten anpasst, zum Beispiel bereit ist, wie ein Einheimischer zu essen“, erklärt IAESTE-Praktikant Lippert.

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