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Konzern vs. Start-up : Macher von morgen

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Von der Start-up-Branche halten sich Ingenieure eher fern. Doch dass sich Gründen für diese durchaus lohnen kann, zeigt das Start-up Simscale mit Sitz in München. Gründer David Heiny und seine vier Mitgründer sind mit ihren webbasierten, ingenieurtechnischen Simulationen sehr erfolgreich. Bild: Simscale/Alex Förderer

Angehende Ingenieure müssen sich entscheiden: große Freiheit für kleines Geld oder großes Geld für weniger Freiheit. Einen Königsweg gibt es nicht. Ob Start-up oder Konzern, beide Karrieren haben ihre Vor- und Nachteile.

          Lars Boolzen studiert an der Universität in Nürnberg Elektrotechnik, es ist sein letztes Semester. Als Ingenieur hat er hervorragende Karrierechancen: Schon im ersten Semester fingen kleinere und größere Unternehmen aus der Region an, um ihn zu werben. Sie alle sind auf der Suche nach vielversprechendem Nachwuchs, nach gut ausgebildeten Fachkräften. Bei Lars Boolzen werden sie allerdings kein Glück haben: „Ich möchte auf jeden Fall nach dem Studium gerne gründen, wenn mir bis dahin eine gute Idee kommt.“

          Boolzen wollte sich von Anfang an selbständig machen. Vor zwei Jahren hat er gemeinsam mit zwei Kommilitonen das studentische Ingenieurbüro FutureING gegründet. Etwa zehn Studenten sind regelmäßig für das Unternehmen tätig. Auftraggeber sind Firmen aus der Region, die sich von den Studenten Produktkonzepte oder Marktstudien entwickeln lassen. „Wir sammeln hier die Praxiserfahrung, die wir im Studium vermisst haben, und knüpfen gleichzeitig Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern oder Kunden aus der Region“, sagt Boolzen. Es geht nicht darum, Gewinn zu erwirtschaften, sondern eher darum, in Sachen Unternehmertum erste praktische Erfahrungen zu sammeln.

          Der Student gehört einer Minderheit an. Gründungen sind bei Ingenieuren nicht gerade beliebt: Von 1,72 Millionen Ingenieuren arbeiten gerade einmal 150.000 selbständig, meist in Ein-Mann-Büros, beispielsweise als selbständige Gutachter. Und auch diese Ingenieure entscheiden sich in vielen Fällen erst nach einigen Jahren Berufserfahrung für eine Karriere im eigenen Unternehmen, sagt Markus Finck vom Verein Deutscher Ingenieure: „Auf dem Arbeitsmarkt haben wir eine Konkurrenz um die besten Köpfe und derzeit annähernd Vollbeschäftigung“, sagt Finck. „Eine Tendenz zur Gründung beobachten wir eigentlich immer dann, wenn der Arbeitsmarkt gerade schwächelt.“ Das ist aktuell nicht der Fall und auch in Zukunft nicht absehbar. 600.000 deutsche Ingenieure sind bereits heute 50 Jahre alt oder älter, und es gibt nicht annähernd genug Nachwuchs, um sie zu beerben. Zukünftig dürfte die Suche nach neuen fähigen Fachkräften also eher noch schwieriger werden. Und wenn Jobs so leicht zu bekommen sind, ist die Selbständigkeit für viele wenig attraktiv.

          Risiko der Start-ups: Chance und Unsicherheit zugleich

          Das bekommen vor allem Start-ups zu spüren, bei denen noch nicht absehbar ist, ob sie einmal erfolgreich sein werden oder nicht. Auch sie konkurrieren mit Konzernen wie Eon, Linde oder VW, die Einstiegsjahresgehälter von 45.000 Euro brutto und mehr bieten können. „Um bei einem kleinen, innovativen Start-up anzufangen, muss man schon für die Sache brennen und die Welt verändern wollen“, sagt Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin und selbst Start-up-Gründer. „Neun von zehn Start-ups scheitern in den ersten Jahren, und selbst die zehn Prozent, bei denen es gut läuft, können erst einmal keine hohen Gehälter zahlen.“ Stattdessen gibt es Unternehmensanteile, die mit etwas Glück irgendwann hohe Erlöse abwerfen – sicher ist das aber nicht. Viele angehende Ingenieure lassen sich von diesem Risiko abschrecken und wählen lieber die sichere Karriere im Großunternehmen. Die Folge: Ein Großteil aller Start-ups arbeitet mit Ingenieuren und Technikern aus Osteuropa zusammen. „Im Moment haben wir sehr wenige wirklich nachhaltige Gründungen und hinken im internationalen Vergleich hinterher“, sagt Zimmer. „Das liegt vor allem daran, dass sich viele angehende Ingenieure nicht für das innovative Start-up, sondern für den Konzern entscheiden. Und dort versickern ihre Innovationen dann.“

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