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Karriere ohne zweites Examen : Attraktive Alternativen

  • -Aktualisiert am

Johannes Pogoda ist Jurist ohne zweites Staatsexamen. Das schränkt seine Aufstiegschancen bei Roland Berger jedoch nicht ein. Bild: Thorsten Jochim

Immer häufiger entscheiden sich Jurastudenten gegen eine klassische Juristenlaufbahn. Viele von ihnen brechen das Studium sogar nach dem ersten Staatsexamen ab. Denn: Auch ohne Qualifikation als Volljurist gibt es viele Möglichkeiten, Karriere zu machen.

          Johannes Pogoda war einer der besten Juraabsolventen seines Jahrgangs: Dennoch hat sich der 27-Jährige entschieden, nach dem ersten Staatsexamen nicht weiterzumachen. Kein Rechtsreferendariat, kein zweites Examen. Stattdessen bewarb er sich bei der Unternehmensberatung Roland Berger für ein Praktikum im Consulting. Seit Januar 2015 ist er nun Berater im Bereich Civil Economics und kümmert sich unter anderem um Projekte für staatliche Behörden und Stiftungen. „Für mich war schon immer klar, dass ich nicht rein juristisch arbeiten will“, sagt Pogoda. Dennoch war das Jurastudium die richtige Entscheidung. Hier hat er gelernt, wie das deutsche Rechtssystem funktioniert. Das hilft ihm jetzt im Berufsalltag: „Gerade der öffentliche Bereich ist von juristischen Regeln durchdrungen. Mir war es immer wichtig, an der Schnittstelle von Recht, Politik und Wirtschaft zu arbeiten. Das macht meinen Berufsalltag spannend und ist eine Bereicherung.“

          Nach dem Examen hat sich Pogoda mit einem LL.M. im Bereich „Staat und Verwaltung in Europa“ weiterqualifiziert. Dass er kein zweites Staatsexamen besitzt, stört ihn nicht. „Meine Aufstiegschancen im Unternehmen wären mit einem höheren Abschluss ähnlich“, sagt er.

          Wenn sich Juristen mit nur einem Staatsexamen bewerben, zählt für die Beratungsfirma Roland Berger vor allem Praxiserfahrung. „Wir wollen sehen, dass die Bewerber nicht nur rein juristische Aufgaben bearbeitet haben, sondern auch Erfahrungen in Feldern mit konkretem Wirtschaftsbezug aufweisen“, sagt Kathrin Kammer, Recruiterin bei Roland Berger. Dazu kommt internationale Erfahrung. „Viele unserer Projekte sind international angelegt. Bewerber sollten im Ausland studiert oder ein Praktikum absolviert haben.“ Auch die Soft Skills sind für Kammer unverzichtbar. „Berater müssen sich schnell in neue Themen und Strukturen einarbeiten und Lösungen präsentieren. Das können Juraabsolventen in der Regel sehr gut.“

          Oft ist nach dem ersten Staatsexamen die Luft raus

          Dass bei Jurastudenten die Luft nach dem ersten Staatsexamen raus ist, kommt häufig vor. „Gerade in der Examensvorbereitung herrscht ein wahnsinniger Druck“, sagt Annette Barkey-Heine, Leiterin des Prüfungsamts der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Münster. „Viele Studierende empfinden die Prüfung als traumatisch.“

          37 Prozent der Jurastudenten haben erhebliche Angst vor den Prüfungen. Ebenso viele sorgen sich, das Studium gar nicht zu schaffen. Das ergab eine Befragung des Bundesbildungsministeriums im Wintersemester 2012/13. Die Erhebung wird seit den 80er Jahren im Abstand von zwei bis drei Jahren durchgeführt. In der Umfrage beklagten Jurastudenten vor allem überfüllte Räume und einen hohen Konkurrenzdruck. 53 Prozent der Befragten fühlten sich isoliert, 50 Prozent nicht integriert und 59 Prozent entpersonalisiert – Rekordwerte im Vergleich zu den anderen Studienfächern.

          Rund 500 Jurastudenten der Uni Münster bestehen jedes Jahr das erste Staatsexamen. Knapp 20 Prozent fallen beim ersten Versuch durch. Die Zahl derer, die endgültig scheitern, schätzt Prüfungsleiterin Barkey-Heine auf unter zehn Prozent. Trotz aller Widrigkeiten rät sie, das Jurastudium bis zum Ende durchzuziehen, denn: „Nach dem ersten Examen liegt das Schlimmste hinter den Studenten.“ Dennoch brechen viele Studenten die Juristenkarriere an diesem Punkt ab. Damit sie auf dem Arbeitsmarkt nach dem ersten Examen dennoch ein Zeugnis vorweisen können, vergibt die Uni Münster, wie viele andere juristische Fakultäten auch, ein Diplom-Zertifikat. Dafür genügt ein Antrag bei der Prüfungsverwaltung.

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