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Jura-Check : Auf dem Weg zur eigenen Anwaltskanzlei

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Drei Praktiker erklären, was Juristen mitbringen sollten, wenn sie sich selbständig machen wollen.

          Wagemut und unternehmerisches Geschick sind unerlässlich für Kanzleigründer.

          Wer eine Kanzlei gründet, muss auch unternehmerisch denken können. Schon vor der Gründung muss man sich über seine finanzielle Lage Gedanken machen. Wenn man kein eigenes Startkapital hat, muss man einen Geldgeber finden. Dabei ist ein Businessplan hilfreich und außerdem Grundkenntnisse in Buchhaltung. Man muss schließlich einen Überblick über Kosten und Einnahmen haben. Eine Anwaltskanzlei funktioniert in dieser Hinsicht wie jedes andere Unternehmen, und ein selbständiger Anwalt muss zwangsläufig auch kaufmännisch arbeiten.

          Außerdem ist es wichtig, sich zu fragen: Welches Personal benötige ich? Und wo finde ich die richtigen Leute? Ich bin der Meinung, dass vor allem erfahrene Mitarbeiter einer jungen Kanzlei helfen. Meine jetzige Büroleiterin zum Beispiel hat ein halbes Jahr nach der Kanzleieröffnung bei mir angefangen. Sie hatte damals schon viel Erfahrung mit Büroorganisation, davon konnte ich stark profitieren. Sie kannte sich mit Themen aus, die für mich noch Neuland waren.

          Selbständig zu sein bedeutet auch, dass man immer wieder Entscheidungen treffen muss, die einem angestellten Anwalt abgenommen werden. Momentan überlegen meine Frau, die mit mir gemeinsam als Rechtsanwältin in der Kanzlei arbeitet, und ich, ob wir uns vergrößern sollten, ob sich das finanziell tatsächlich lohnt, oder ob wir einfach nur mehr Arbeit hätten. Am Ende bleiben solche Entscheidungen immer mit einem gewissen Risiko verbunden, wie die Selbständigkeit grundsätzlich. Das muss jedem Gründer klar sein.

          Frank Rosenmüller ist selbständiger Rechtsanwalt in Helmstedt

          Kanzleigründer sind vor allem in Nischen erfolgreich. Ort und Fachgebiet können dabei entscheidend sein.

          Wer sich mit einer eigenen Kanzlei selbständig machen möchte, sollte sich zuvor gut informieren, in welchem Bereich es momentan einen Mangel an Fachanwälten gibt. Wenn sich ein Anwalt zum Beispiel auf Mietrecht spezialisiert hat und in einer Stadt anfangen möchte, in der es schon Hunderte Anwälte mit diesem Fachgebiet gibt, hat er wahrscheinlich schlechtere Karten, als wenn er in einem Ort seine Kanzlei eröffnet, wo der nächste Anwalt für Mietrecht im Nachbarort sitzt.

          Es geht natürlich auch anders. Ich kannte einen kunstinteressierten Jurastudenten, der dieses Interesse intensiv verfolgt hat. Er hat fotografiert, sich für Gemälde begeistert und war in der Szene gut vernetzt. Später hat er sich dann im Kunstrecht selbständig gemacht und eine kleine, exklusive Kunstrechtskanzlei in einer Großstadt eröffnet. Auch das mit Erfolg.

          Dass man zu Beginn seines Studiums noch nicht weiß, wo man hinmöchte und welche Nischen es auf dem Arbeitsmarkt gibt, ist ganz normal. Man sollte sich aber im Laufe des Studiums oder des Referendariats damit auseinandersetzen. Es gibt zum Beispiel Anwaltsstatistiken der Bundesrechtsanwaltskammer, die zeigen, wo es wie viele Anwälte gibt. Andere Trends lassen sich aus gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen ableiten. Aktuell dürften Asyl- und Ausländerrechtler Hochkonjunktur haben. Darauf zu setzen könnte sich derzeit für junge Selbständige lohnen.

          Silvia Povedano Peramato ist Leiterin des Studien- und Karriereberatungszentrums der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Universität zu Köln

          Praxiserfahrung ist unumgänglich, um seine Fähigkeiten zu erproben.

          Ich rate Jurastudenten, erst einmal als Angestellte Berufserfahrung in einer Kanzlei zu sammeln, bevor sie sich selbständig machen. Dadurch kann man sich zum Beispiel schon einen kleinen Mandantenstamm aufbauen, was den Schritt in die Selbständigkeit erleichtern kann. Wer direkt nach dem zweiten Staatsexamen eine Kanzlei eröffnet, kann sehr schwierige Jahre vor sich haben. Ein Studium allein reicht meist nicht aus, um erfolgreich zu sein. Es ist daher empfehlenswert, schon während des Studiums nicht nur die zwei Pflichtpraktika zu absolvieren, sondern auch über den Tellerrand zu schauen.

          Als Student könnte man sich zum Beispiel einen Nebenjob in einer Kanzlei suchen. Dort lernt man den Arbeitsalltag kennen und erfährt vielleicht auch schon, wie Buchhaltung oder Personalführung funktionieren. Diese Kenntnisse sind zwingend notwendig, wenn man eine eigene Kanzlei gründen will. Praktische Fähigkeiten kommen im Studium oft zu kurz.

          Auch Soft Skills sind wichtig für selbständige Anwälte. Man muss wissen, wie man sich verkauft und wie man mit Mandanten umgeht. Das kann man zu einem gewissen Teil lernen, entweder in der Praxis oder in Rhetorikseminaren. Die studentische Initiative European Law Students’ Association (ELSA) bietet zum Beispiel solche Seminare an. Allerdings muss eine grundlegende Fähigkeit vorhanden sein. Man sollte frühzeitig herausfinden, ob man solch anwaltliche Schlüsselqualifikationen besitzt. Denn diese spielen am Ende eine ebenso wichtige Rolle wie juristisches Fachwissen.

          Christoph Berndt ist Fachanwalt für Familienrecht und Mitglied des Ausschusses für Familien- und Erbrecht der Bundesrechtsanwaltskammer

          Quelle: F.A.Z.

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