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Debora Satta im Interview : „Das Arbeitsrecht ist in verschiedene Themen involviert“

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Debora Satta, Personalberaterin bei Schollmeyer & Steidl im Gespräch über mögliche Einsatzbereiche. Bild: privat

Wider den klassischen Weg? Gerade in mittelständischen oder großen Unternehmen sind Juristen auch in den HR-Abteilungen zu finden. Debora Satta, Personalberaterin bei Schollmeyer & Steidl im Gespräch über mögliche Einsatzbereiche.

          Wie groß sind HR-Abteilungen in mittelständischen und großen Unternehmen?

          Da gibt es eine große Bandbreite: Typischerweise liegt die Besetzung in mittelständischen Unternehmen bei wenigen Mitarbeitern und geht bis hin zu über 1.000 Mitarbeitern in Konzernen. Doch das kann selbst in mittelständischen Unternehmen variieren, von wenigen Allroundern bis hin zu hochkomplexen Personalabteilungen. Der Großteil der Mitarbeiter arbeitet im operativen Geschäft. Je größer das Unternehmen ist, desto mehr Ressourcen gibt es auch für strategische Themen.

          Welche Tätigkeitsbereiche gibt es in der HR-Abteilung?

          Unter dem Personalwesen subsumieren sich die typischen Bereiche wie beispielsweise Personalplanung, -entwicklung, -beschaffung und -einsatz oder unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. Darüber hinaus gibt es noch die Unterteilung in operative und strategische Bereiche. Die strategischen Bereiche sind auf die Zukunft gerichtet und beschäftigen sich mit Fragen zur Personen- und Organisationsentwicklung. Außerdem zählen dazu Personalbedarfsanalysen, Themen wie Führungskräfteentwicklung, Personalmarketing oder auch allgemein Personal- und Controllingkonzepte.

          Welche dieser genannten Bereiche können für Juristen attraktiv sein?

          In erster Linie kommen für Juristen Bereiche mit rechtlichem Bezug in Betracht. Themen, die im Zusammenhang mit Arbeitsrecht, Lohnsteuer und Sozialversicherungsrecht stehen. Auch die übrigen operativen und strategischen Aufgaben können von Juristen übernommen werden, doch dann sind entsprechende Weiterbildungen in EDV, BWL, Controlling, Psychologie, Marketing, Coaching oder zum Beispiel Changemanagement erforderlich.

          Wo ist das Thema Arbeitsrecht einzuordnen?

          Das Arbeitsrecht ist eher Teil der operativen Bereiche und ist in verschiedene Themen involviert. Hierbei ist das Individualarbeitsrecht vom kollektiven Arbeitsrecht zu unterscheiden. Das individuelle Arbeitsrecht regelt die Rechtsbeziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, also zum Beispiel den Arbeitsvertrag, die Abmahnung, die Kündigung oder den Urlaubsanspruch. Das kollektive Arbeitsrecht regelt hingegen die Beziehung zwischen dem Arbeitgeber und der gesamten Belegschaft oder den Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften. Rechtliche Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Personalwesen und müssen berücksichtigt werden. Angefangen beim Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, über die Personalauswahl bis hin zu eventuellen Verschwiegenheitspflichten, auch nach Austritt aus einem Arbeitsverhältnis.

          Operativ oder strategisch: Wie arbeiten junge Juristen in HR nach dem Berufseinstieg?

          Junge Juristen arbeiten am Anfang eher operativ, da auch die rechtlichen Themen eher im Operativen liegen. Je größer das Unternehmen, desto spezialisierter ist die Tätigkeit, in großen Unternehmen wird man Experte im Individual- und Kollektivarbeitsrecht oder zum Thema Vergütung. In kleineren Unternehmen sind die Juristen breiter ausgerichtet. Von der arbeitsrechtlichen Beratung über Themen der Personalbeschaffung und der Arbeit mit dem Betriebsrat bis hin zur strategischen Unterstützung ist vieles möglich. Die strategischen Themen spielen in der Anfangszeit eine geringere Rolle, mit mehr Berufserfahrung steigt dann auch die Verantwortung dafür.

          Das Interview führte Julia Hoscislawski.

          Quelle: F.A.Z

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