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Jura-Check : Eigenschaften, die gefragt sind

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Drei Praktiker erklären, mit welchen Kompetenzen junge Juristen den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere legen.

          Für eine Unternehmenskarriere abseits klassischer Juristen-Berufe müssen Studenten lernen, verständlich zu kommunizieren.

          Wer als Volljurist Karriere in der Wirtschaft machen will, muss lernen, wie man anderen Menschen komplexe Sachverhalte verständlich macht. Alle müssen einen verstehen können, und zwar vom Bandarbeiter bis zum Vorstand. Das gilt auch für Juristen, die in der Rechtsabteilung eines Unternehmens arbeiten wollen. Noch wichtiger ist es für Kollegen, die in anderen Bereichen wie im Einkauf, in der Compliance-Abteilung oder im Personalwesen beschäftigt sind. Man ist dann nicht mehr Jurist unter Juristen, sondern man ist der Kollege von Betriebswirten, Marketingfachleuten, Ingenieuren, Psychologen. Sie alle kennen die Sprache der Juristen nicht.

          Juristen lernen im Studium eine ganz bestimmte, sehr abstrakte und gleichzeitig präzise Ausdrucksweise. Diese ist gut und richtig, um Fälle zu lösen, weil sie dabei hilft, jeden Sachverhalt in seine Einzelteile zu zerlegen. Aber man kann Vorlagen für den Personalleiter, Unterlagen für Gespräche mit Gewerkschaften oder dem Betriebsrat nun einmal nicht im Gutachtenstil schreiben.

          Deshalb müssen Juristen lernen, ihr Wissen zu kommunizieren. Es gibt viele Rhetorikkurse an Universitäten, die ich Juristen ans Herz legen möchte. Manche Hochschulen bieten Veranstaltungen an, in denen Juristen lernen können, mit Mandanten verständlich zu kommunizieren. Auch solche Kurse kann ich nur empfehlen – selbst wenn man später nicht in einer Anwaltskanzlei arbeiten möchte, sondern seine berufliche Zukunft in der Wirtschaft sieht.

          David Gattermann, Assistent der Personalleitung bei Audi am Standort Ingolstadt und zugelassener Rechtsanwalt

           

          Wollen Juristen im Start-up-Business arbeiten, sollten sie sich bereits im Studium unternehmerischen Sachverstand aneignen.

          Seit einigen Jahren beobachte ich einen überraschenden Trend bei unseren Alumni: Sie arbeiten in der Start-up-Szene oder gründen ein eigenes Unternehmen. Der Gründer des Gutscheinportals Daily Deal zum Beispiel, Fabian Heilemann, ist ein Absolvent der Bucerius Law School. Ein Start-up-Bereich, der sich für Juristen besonders anbietet, ist Legal Tech – ich denke da etwa an softwarebasierte Unternehmen, die Massenverfahren wie zum Beispiel Kreditwiderrufsfälle ermöglichen.

          Und ich bin überzeugt: Juristen bringen viel mit, das in Start-ups gefragt ist. Sie sollten diese Fähigkeiten gezielt ausbauen, vor allem Problemlösungs- und Analysefähigkeiten. Ein Jurist hat gelernt, auch vor großen, erst einmal schwer fassbaren Problemen nicht zu kapitulieren, sondern Schlussfolgerungen zu ziehen und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Das ist hilfreich für jede Art der Analyse – auch für Marktanalysen.

          Juristen müssen bis zum zweiten Staatsexamen mehrmals Wartezeiten überbrücken. Diese Wartezeiten können sie nutzen, um mehr über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu lernen oder ihre Geschäftsideen direkt in Start-ups zu erproben. Auch fast fertige Juristen sind bereits gefragte Mitarbeiter. Ein anderer Weg kann es sein, bei einem Inkubator einzusteigen. Dort wird man in verschiedene Start-ups hineingeschickt, bringt sein juristisches Wissen ein und lernt nebenbei solche Dinge wie Marketing, Vertriebsstrategien und Finanzierung. Danach sind auch Juristen fit für die eigene Gründung.

          Annette Bärwinkel, Leiterin Alumni Relations, Bucerius Law School Hamburg

           

          Juristen in einer Großkanzlei brauchen mehr Teamfähigkeit und Selbstorganisation als früher.

          Einer unserer Anwälte, Guido Kleve, ist Schiedsrichter-Assistent in der Bundesliga. Jeder seiner Kollegen weiß: Freitagnachmittags ist er häufig unterwegs zu einem Fußballspiel. Aber er ist so gut organisiert, dass seine Arbeit bis dahin erledigt ist oder andere Mitarbeiter bei Bedarf einspringen und Termine übernehmen können. An die Stelle eines Rund-um-die-Uhr-präsent-Denkens setzen wir heute die Aufgabenerfüllung im Team. Damit diese neue Arbeitsweise funktioniert, brauchen die Anwälte entsprechende Fähigkeiten. Und genau diese fragen wir mittlerweile verstärkt bei den Jungjuristen nach, die sich bei uns bewerben.

          So brauchen unsere Juristen zum Beispiel ein Talent zur Selbstorganisation. Außerdem müssen sie teamfähig sein und gern Verantwortung übernehmen. Wer später in einer Großkanzlei arbeiten will, sollte sich solche Fähigkeiten schon während des Studiums aneignen. Wenn dann auch noch die Examensnoten passen, dann sind Bewerber bei uns richtig.

          Wir bieten flexible Arbeitszeiten, Teilzeit und Arbeiten in der Cloud, weil wir bemwerkt haben, dass immer mehr Bewerber und Mitarbeiter danach verlangen – auch Prädikatsjuristen. Die können sich ihre Arbeitgeber natürlich aussuchen. Und deshalb müssen auch Großkanzleien darauf reagieren, wenn sich die Wünsche der Mitarbeiter verändern. Topleistungen für Mandanten können wir auch mit der neuen Arbeitsweise garantieren.

          Astrid Schiffner, Personalleiterin Deutschland, DLA Piper

          Quelle: F.A.Z.

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