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Juristen in der EU : Kollegen aus 28 Nationen

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Eva Ulbrich arbeitet am Europäischen Parlament: Die Juristin wusste schon nach dem Abitur, dass sie einmal in einem internationalen Umfeld durchstarten will. Bild: Jan van der Vel/Europäisches Parlament

Auf Juristen warten in der EU vielfältige Aufgaben. Zum Beispiel am Parlament, am Gerichtshof der Europäischen Union oder in der Kontrollbehörde des Datenschutzbeauftragten.

          Eva Ulbrich spricht Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, etwas Katalanisch und ein bisschen Norwegisch. Noch in diesem Jahr will sie anfangen, Portugiesisch zu lernen. Ein Kurs, der in der Mittagspause stattfinden soll, ist bereits gebucht. „Ich war schon immer sprachaffin“, sagt die 32-jährige Juristin. Ein absoluter Pluspunkt in ihrem heutigen Job. Schließlich hat sie es nahezu täglich mit Menschen 28 verschiedener Nationalitäten zu tun. Ulbrich arbeitet seit April als Rechts- und Sprachsachverständige am Europäischen Parlament in Brüssel. Als Mitarbeiterin der Direktion Rechtsakte verfolgt sie Gesetzgebungsprozesse, überprüft Rechtstexte wie Beschlüsse, Entschließungen und Standpunkte des Europäischen Parlaments auf formale Anforderungen und stellt sicher, dass Übersetzungen sprachlich und juristisch übereinstimmen. Ganz selten übersetze sie auch selbst, normalerweise liege diese Aufgabe bei speziell dafür eingestellten Kollegen, so Ulbrich.

          Was sich für manche nach schnöder Schreibtischarbeit anhören könnte, ist für die gebürtige Memmingerin ein Lebenstraum. Ihr gefallen der Austausch mit den Kollegen aus dem Rat der Europäischen Union, die Sitzungen und allgemein das Gefühl, Europa mitgestalten zu können. Schon nach dem Abitur war ihr klar, dass sie einmal in einem internationalen Umfeld arbeiten will. Entsprechend baute sie ihre Ausbildung auf: Deutsch-französisches Doppelstudium in Jura mit dem Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht in München und Paris, Magister in Germanistischer Linguistik in München, LL.M. in Dublin, European Master in Comparative, International and European Law in Barcelona. Ihr Referendariat absolvierte sie unter anderem in einer deutsch-französischen Rechtsanwaltskanzlei, am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München sowie in der Generaldirektion SANCO der Europäischen Kommission. „Es war mir wichtig, eine konkrete Vorstellung von der Arbeit in einer Institution der EU zu haben, bevor ich mich gezielt dort bewerbe“, meint Ulbrich. Geholfen hat ihr dabei auch die EU-Simulation „Model European Union“, in der Studenten für mehrere Tage in die Rollen von Parlamentariern und Ministern schlüpfen, um mehr über die Strukturen und Besonderheiten der EU zu lernen. Mit zwei Seminaren des Auswärtigen Amts bereitete sich die Beamtin in spe schließlich auf das Auswahlverfahren des Europäischen Amts für Personalauswahl, kurz EPSO, vor und schaffte es auf die Reserveliste (siehe Kasten).

          Einstieg als Reservist gängig

          Erst wer hier steht, hat die Chance auf einen unbefristeten Job in der EU. Angestellte auf Zeit, die über die sogenannten CAST-Verfahren ins Parlament kommen, seien unter den Juristen eher die Ausnahme, weiß Benjamín Alberola Mulet, ebenfalls Jurist und Verwaltungsrat in der Generaldirektion Personal, die im vergangenen Jahr zehn Juristen, darunter einen Deutschen, eingestellt hat. Um die passenden Kollegen für einen offenen Posten zu finden, werden Kandidaten von den Reservelisten zu klassischen Bewerbungsgesprächen eingeladen. Neben einem Personaler sind dann oftmals auch der künftige Vorgesetzte und jemand aus dem Team dabei. Da die Anwärter bereits bewiesen haben, dass sie die von der EU geforderten Kompetenzen wie Analyse und Problemlösung, Organisationsfähigkeit, Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Führungsqualitäten beherrschen, ist die Erfolgsquote recht hoch: Etwa 80 Prozent der Reservisten treten eine Karriere in einer Institution an.

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