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Jura-Check : Kultur des Wohlfühlens wird wichtiger

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Drei Praktiker erklären, was große Wirtschaftskanzleien Berufseinsteigern heute bieten.

          Wir wollen Selbständigkeit fördern und Vertrauen aufbauen.

          Die junge Generation zwischen 20 und 35 Jahren ist sicherlich anspruchsvoller als so manche Generation vor ihr. Wir von Gleiss Lutz wollen nur die besten Juristen eines Jahrgangs haben. Diese gilt es, erst mal von unserem Angebot zu überzeugen. Eine unserer Mitarbeiterumfragen ergab ganz eindeutig, dass junge Anwälte gern mehr Zeit für besondere private Anlässe hätten. Sei es eine Weltreise, die Fußball-WM oder auch die Geburt eines Kindes – die Schwerpunkte sind dabei völlig unterschiedlich. Deswegen hat Gleiss Lutz das Sabbatical für junge Mitarbeiter eingeführt: Im dritten und sechsten Berufsjahr dürfen Anwälte jeweils ein einmonatiges, voll bezahltes Sabbatical nehmen. Das ist in unserer Branche nicht selbstverständlich. Diesen Monat können unsere Mitarbeiter mit ihrem regulären Urlaub kombinieren. Wir wollen gleichzeitig unternehmerisches Denken fördern und Vertrauen aufbauen. Deshalb gibt es bei uns auch keine Urlaubskartei oder eine vorgeschriebene Anzahl von abrechenbaren Stunden. Mitarbeiter sollen nicht mal eine Vorgabe erfüllen, sondern lernen, ihre tatsächliche Arbeitsbelastung richtig einzuschätzen. Wenn Junganwälte ihre Arbeit gut machen, kommt es letzten Endes nicht darauf an, ob sie einen oder zwei Tage mehr Urlaub nehmen. Wir haben außerdem als erste Großkanzlei die Teilzeitpartnerschaft eingeführt. Diese Option soll vor allem weibliche Juristen unterstützen.

          Alexander Schwarz ist Co-Managing Partner bei Gleiss Lutz und verantwortlich für Human Resources.

          Es ist uns wichtig, eine Kultur des Wohlfühlens zu etablieren.

          Heutzutage muss man als Großkanzlei mit einem modernen Angebot aufwarten, um überhaupt attraktiv zu sein. Ein zentraler Punkt ist die Work-Life-Balance. Wir haben deshalb ein passendes Arbeitszeitmodell namens „Your Link“ entwickelt: zugeschnitten auf die Berufseinsteiger zwischen 20 und 35 Jahren, die zwar in einem hochprofessionellen Umfeld arbeiten möchten, aber auf die oft vielen Wochenstunden gern verzichten. Wer sich für dieses Modell entscheidet, kommt in den Genuss von verlässlicher, fest vereinbarter Arbeitszeit. Nach Feierabend müssen keine Mails gecheckt oder Anrufe beantwortet werden. Somit bleibt mehr Zeit für Freunde und Hobbys. Am Nachwuchsmarkt kommt unser Arbeitszeitmodell gut an – wir erhalten vermehrt Bewerbungen erstklassiger Absolventen. Das zeigt uns, dass wir genau den Zeitgeist treffen. Um allerdings Partner werden zu können, müssen Mitarbeiter das konventionelle Arbeitszeitmodell wählen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist Mobilität: An unseren Arbeitsplätzen gibt es keine Desktop-Computer mehr. Dank unserer Remote-Working-Initiative können wir das Intranet überall rasch und unkompliziert nutzen: sei es via Tablet im Homeoffice, unterwegs am Smart­phone oder am Laptop im Büro. Junganwälte sollen hochwertige Arbeit leisten, die den Ansprüchen der Mandanten gerecht wird, und sich dabei wohl fühlen können.

          Nicola-Elisabeth von Tschirnhaus ist Senior Manager und verantwortlich für das Recruiting bei Linklaters.

          Wir wollen mit Topabsolventen möglichst früh eine Bindung eingehen.

          Junge Menschen legen heute besonders großen Wert auf ein breites Weiterbildungsangebot, um möglichst selbständig handeln zu können. Mit „Noerr Campus Jump“ und „Noerr Campus Professional“ haben wir zwei Programme, die genau solchen Ansprüchen gerecht werden. „Noerr Campus Jump“ richtet sich an Praktikanten und Referendare, die in den Anwaltsberuf reinschnuppern wollen. Training-on-the-Job gehört genauso dazu wie Workshops, examensvorbereitende Repetitorien und Social Events. Mehr als die Hälfte der neu eingestellten Volljuristen hat an „Campus Jump“ teilgenommen. Für unsere festen Mitarbeiter gibt es „Noerr Campus Professional“. Damit fördern wir persönliche, soziale und unternehmerische Fähigkeiten. Die Teilnehmer des Programms werden von externen sowie von unseren eigenen Experten in Beratungskompetenzen geschult.

          Neben Weiterbildung ist vielen Kandidaten Flexibilität wichtig. Auch hier hat sich unsere Kultur verändert: Wir hatten kürzlich eine Bewerbung eines erstklassigen Absolventen, der Familienvater ist. Für ihn war es sehr wichtig, den Beruf als Rechtsanwalt mit seinen familiären Verpflichtungen vereinbaren zu können. Daraufhin haben wir ihn mit 35 Stunden pro Woche und entsprechendem Teilzeitgehalt eingestellt. Noerr versucht also, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und möglichst flexibel zu sein. Wenn sich Kollegen später dazu entscheiden sollten, ihre Stunden aufzustocken, passen wir Verträge entsprechend an.

          Karl Rauser ist Partner bei Noerr.

          Quelle: F.A.Z

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