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Juristen in HR : Verhandeln und prüfen mit Weitblick

  • -Aktualisiert am

Christoph Arndt arbeitet als Legal Counsel bei Pro Sieben Sat1. Den Juristen führte eine Wahlstation im Referendariat in die HR-Abteilung des Fernsehsenders. Bild: Thorsten Jochim

Juristen in Personalabteilungen kümmern sich vor allem um arbeitsrechtliche Themen. Die Schwerpunkte dafür schon im Studium zu setzen ist sinnvoll, aber kein Muss.

          „Zur Unterstützung unserer Abteilung ‚Legal & Human Resources‘ suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/-n Referenten/-in für Recht und Personal“, inserierte die Hertie School of Governance in diesem Sommer. Die Liebherr-International Deutschland GmbH mit Sitz in Biberach war zeitgleich auf der Suche nach einem „Jurist[en] (m/w) als Personalreferent für den Zentralbereich Personal Deutschland“. Das Unternehmen nimmt für die Firmengruppe Liebherr, die weltweit rund 41 000 Mitarbeiter in über 130 Gesellschaften beschäftigt, vielfältige Funktionen unter anderem in den Bereichen Recht und Personal wahr. Gerade große Unternehmen und international aufgestellte Konzerne suchen für ihre Personalabteilung immer wieder nach Juristen. Kein ganz klassischer Weg für Rechtswissenschaftler, weniger vorgezeichnet, aber durchaus verbreitet.

          „Juristen in HR-Abteilungen sind primär mit juristischen Aufgaben beschäftigt“, so Christian Vetter, Präsidiumsmitglied und Fachgruppenleiter Arbeitsrecht beim Bundesverband der Personalmanager (BPM). „Nur rund 25 Prozent der Juristen in HR finden sich in anderen Aufgaben wieder. Das liegt vor allem daran, dass Volljuristen mit ihrem Studium prädestiniert sind für rechtliche Fragestellungen und ihnen für andere Bereiche das personalwirtschaftliche und personalpsychologische Wissen fehlt.“ Wer dennoch an reinen Personalmanagementthemen interessiert ist, kann als Personalreferent oder über entsprechende Zusatzqualifikationen einsteigen (siehe das Interview mit Debora Satta). Hierzu braucht es nicht unbedingt ein zweites Staatsexamen.

          Praktika als Türöffner

          Christoph Arndt ist Volljurist und arbeitet im Bereich Arbeitsrecht. Der 27-Jährige ist seit über eineinhalb Jahren Legal Counsel bei der Pro Sieben Sat1 Media SE und mit seiner Stelle sehr zufrieden: „Die juristische Arbeit mit direktem Bezug zu Menschen finde ich sehr spannend. Und dann faszinierte mich vor allem das Unternehmen. Pro Sieben Sat1 ist gerade in den Dax aufgestiegen. Wir wachsen und verändern uns dynamisch.“ Der Medienkonzern beschäftigt aktuell rund 4 800 Mitarbeiter. Im HR-Bereich arbeiten über 100 Mitarbeiter, und in Arndts Abteilung Arbeitsrecht und Freelance-Management sind von 12 Mitarbeitern sieben Volljuristen tätig.

          Arndt ist über seine Referendariatsstation bei der Pro Sieben Sat1 Media SE an seine heutige Stelle gekommen. Im Studium sei er voll fokussiert gewesen auf seine Examensnoten, um sich alle Optionen offenzuhalten. Um HR nicht auszuschließen, habe er seine Schwerpunkte auf Arbeits- und Sozialrecht gelegt. Die Wahlstation in seiner Referendariatszeit hat er dann genutzt, um das Medienunternehmen kennenzulernen. Und überzeugte: Nach seinem Abschluss wurde er direkt übernommen.

          Wer sich als angehender Jurist für das Personalwesen interessiert, dem empfiehlt Arndt, einen Teil des Referendariats im HR-Bereich zu machen. „Aber auch Praktika können ein guter Türöffner sein“, fügt er hinzu. Auch Vetter vom BPM hält eine Referendariatsstation oder Praktika in HR nach dem Studium für den richtigen Weg.

          Über die Rechtsabteilung zu HR

          Der Jurist Jean-Jean Johannes Kim hat demnach alles richtig gemacht. Der heutige Head of Human Resources & Development bei Thyssenkrupp Elevator wusste schon im Studium, dass er beruflich einmal gestaltend tätig sein wolle, und Verhandlungen hätten ihn auch schon immer interessiert. „Ich wollte nicht den klassischen Weg einschlagen, das war klar.“ Und daher absolvierte er noch im Studium ein Praktikum in einer Rechtsabteilung eines Unternehmens.

          An Kims beruflichem Einstieg lässt sich aber auch ablesen, wie unkonventionell zugleich der Weg in den Personalbereich sein kann. Darauf angesprochen, muss er schmunzeln: „Mit der Vorliebe für Verhandlungen und gestalterische Tätigkeiten habe ich mich im Studium auf Kartellrecht und Fusionskontrolle spezialisiert und die gesellschafts- und arbeitsrechtlichen Themen außen vor gelassen. Ich hatte also keinen HR- oder arbeitsrechtlichen Hintergrund.“ Als sein Abteilungschef aus dem Praktikum in den HR-Bereich wechselte, erinnerte er sich an Kim. „Er wollte mich gern in seinem neuen Bereich Grundsatzfragen für das Thema Arbeitsrecht einstellen. Das war eine komische Situation im Bewerbungsgespräch. Denn dort musste ich natürlich sagen, dass ich kein Arbeitsrechtler bin“, so Kim. Trotz alledem hat der Berufsstart reibungslos geklappt – als Mitarbeiter Arbeitsrecht und Grundsatzfragen.

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