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Unternehmensjuristin bei dm : „Vertrauen in die Selbstführungsfähigkeiten entspricht der Unternehmensphilosophie“

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Bild: dm

Bettina Bauer, 33, arbeitet als Juristin in der Unternehmenszentrale der dm-drogerie markt GmbH + Co. KG, und berät zu allen arbeitsrechtlichen Themen.

          Frau Bauer, welche Rolle spielt Ihr rechtswissenschaftliches Studium für Ihre heutige Tätigkeit?

          Im Berufsalltag helfen mir gerade die Erfahrungen aus dem Studium und dem Referendariat, um mich innerhalb kurzer Zeit in die Systematik verschiedener Gesetze und richterlicher Argumentationslinien hineinzudenken und diese auf neue Fälle zu übertragen – oder eben auch, um zu bemerken, dass sich der konkrete Fall an einer relevanten Stelle vom Normalfall unterscheidet.

          Welchen Berufseinstieg haben Sie gewählt und warum?

          Ich bin bei dm als juristische Generalistin und Schnittstelle zwischen den Fachabteilungen und den externen Rechtsberatern für das Ressort „Marketing und Beschaffung“ eingestiegen. Trotz meines arbeitsrechtlichen Schwerpunkts hat mich die Aussicht auf eine abwechslungsreiche und interdisziplinäre Tätigkeit als einzige Juristin unter Kaufleuten sehr gereizt. Die Besonderheit war für mich, dass ich mir meinen Aufgabenbereich zu großen Teilen selbst gestalten durfte. Das lag auch daran, dass die Abteilung mit meiner Einstellung neu gegründet wurde. Ein großer Handlungsspielraum, viel Eigenverantwortung und Vertrauen in die Selbstführungsfähigkeiten der Mitarbeiter entsprechen auch der Unternehmensphilosophie, die mich von Beginn an angesprochen hat. Nach knapp zwei abwechslungsreichen Jahren wollte ich mich wieder mehr spezialisieren. Da kam mir die Stellenausschreibung für einen Juristen im Arbeitsrecht sehr gelegen. Nach einem Bewerbungsgespräch und einem Schnuppertag wurde ich ins Team aufgenommen.

          Wurde das Thema Weiterbildung schon im Bewerbungsgespräch angesprochen?

          Es wurde grundsätzlich über die Möglichkeit, sich weiterzubilden, informiert. Aber für mich war es damals kein zentrales Thema, denn ich war erst mal froh, nach der langen Examensvorbereitung das theoretische Lernen gegen die Praxis eintauschen zu können. Bestimmte Weiterbildungsbedürfnisse haben sich bei mir im Laufe der Zeit anhand konkreter Herausforderungen ergeben.

          Welche Art von Weiterbildung bietet Ihr Arbeitgeber an?

          Es gibt zunächst einmal zahlreiche interne Angebote zur persönlichen und fachlichen Weiterbildung. Bei Bedarf wird auch auf externe Anbieter zurückgegriffen – vor allem bei sehr fachspezifischen Themen. Ob, wann und wie oft man ein Weiterbildungsangebot wahrnimmt, richtet sich nach dem individuellen Bedarf des Einzelnen.

          Welche berufliche Förderung ließ und lässt Ihnen der Arbeitgeber zuteilwerden?

          Ich habe zum Beispiel vor einiger Zeit ein mehrtägiges externes Seminar zur Vertragsgestaltung besucht, als ich aufgrund einer konkreten Aufgabenstellung hierzu bei mir Handlungsbedarf gesehen habe. Aus meiner Sicht besteht jedoch die größte Förderung des Arbeitgebers darin, dass er mir von Anfang an viel zugetraut hat und ich die Freiheit habe, Verantwortung zu übernehmen und mich in vielen Gebieten auszuprobieren.

          Welche beruflichen Ziele haben Sie?

          Ich möchte mich zum einen arbeitsrechtlich weiter spezialisieren und zum anderen noch mehr Einblick in die Nachbardisziplinen des Personalwesens bekommen.

          Was würden Sie Jura-Studierenden für die Karriere raten?

          Ich würde empfehlen, möglichst früh mit der Jobsuche zu beginnen, da man so entspannter und kritischer sein kann, ob das Jobangebot wirklich zu den eigenen Vorstellungen passt. Ich habe schon einige Monate vor den Examensklausuren zum zweiten Staatsexamen begonnen, mich nach interessanten Einstiegsoptionen umzusehen. Ich empfand es als großen Vorteil, ohne akuten Zeitdruck mit der Jobsuche zu beginnen. Außerdem würde ich jedem raten, sich möglichst frühzeitig in die Praxis zu wagen. Meiner Erfahrung nach prägt sich kein Rechtsproblem besser ein als das, hinter dem echte Menschen mit echten Interessen stehen.

          Bettina Bauer, 33, arbeitet als Juristin im Arbeitsrecht in der Unternehmenszentrale der dm-drogerie markt GmbH + Co. KG. Sie berät zu allen arbeitsrechtlichen Themen – vom konkreten Einzelfall bis hin zu Grundsatzfragen mit unternehmensweiten Auswirkungen. Sie hat Rechtswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main studiert (Abschluss des ersten Staatsexamens 2011; Referendariat am OLG Frankfurt am Main und Abschluss des zweiten Staatsexamens 2014). 

          Quelle: F.A.Z

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