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Arbeiten bei der Bundeswehr : Ausgebildet, um nationale Cyberangriffe abzuwehren

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Berufswunsch Cyberverteidigung: Janosch Klein würde nach dem Studium gern im neugegründeten Kommando CIR arbeiten. Derzeit absolviert er ein IT-Studium an der Bundeswehruniversität in München. Bild: Bundeswehr

Die Bundeswehr soll Deutschland in Zukunft nicht nur mit Waffengewalt verteidigen, sondern auch im Internet. Dafür braucht die Truppe viele neue IT-Mitarbeiter.

          Ein moderner Arbeitgeber für junge Menschen mit einem Talent für Informationstechnologien (IT) – an die Bundeswehr würden dabei wohl nur wenige denken. Doch für Yannic Reidel ist die deutsche Armee genau das: modern und attraktiv. „Sie ist nicht festgefahren, wie es viele von außen wahrnehmen“, sagt er. Der 23-Jährige ist Soldat und studiert an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg (HSU) Informatik-Ingenieurwesen. Im Sommer 2017 ist er mit seinem Masterstudium fertig – nach gerade einmal vier Jahren an der Uni. „Knackig“ nennt er den straffen Zeitplan der Bundeswehr. Sein Antrieb: Nach seinem Studium wird Reidel als IT-Experte für die Bundeswehr arbeiten.

          Nach Mitarbeitern wie Reidel sucht die Bundeswehr verstärkt, seit die Regierung beschlossen hat, die IT-Truppe der Streitkräfte auszubauen. Denn für eine effektive Landesverteidigung sind inzwischen nicht mehr nur Soldaten und moderne Waffen notwendig. Für IT-Fachleute und Studienanfänger mit Interesse an Technik bedeutet das: Sie haben einen zusätzlichen potentiellen Arbeitgeber.

          Cybersicherheit bekommt hohe Priorität

          Um IT-Mitarbeiter zu gewinnen, geht die Bundeswehr seit März 2016 mit einer neuen Kampagne in die Offensive. Ein Schwerpunkt liegt auf der Sicherheit: Denn nicht nur Ministerien und Bundesbehörden werden über das Netz attackiert, sondern auch die Bundeswehr. Informations- und Computersysteme oder auch komplexe Waffensysteme wie der Eurofighter sind zur Zielscheibe für Hacker geworden. Mit dem Projekt „Digitale Kräfte“ will die Bundeswehr in den Fokus möglicher Bewerber rücken und zukunftsorientierte Bereiche wie die Cyberverteidigung weiter ausbauen. Dazu zählt zum Beispiel das neugegründete Kommando CIR, die Abkürzung steht für „Cyber- und Informationsraum“. Dessen Mitarbeiter sollen die Bundeswehr und Deutschland besser vor Cyberangriffen schützen: Sie sollen frühzeitig erkennen, wenn eine Gefahr aus dem Internet droht, und sie bekämpfen. Außerdem sollen sie dafür sorgen, dass geheime Informationen nicht in die falschen Hände geraten.

          IT-Experten sucht die Bundeswehr aber auch für Aufgaben, die weniger nach Science-Fiction klingen. Gebraucht werden Fachinformatiker, Softwareentwickler, Systemelektroniker und IT-Administratoren – also Mitarbeiter, die in vielen anderen Unternehmen beschäftigt sein könnten. Denn auch die Bundeswehr ist auf einen störungsfreien Betrieb ihrer Computersysteme angewiesen. Das gilt nicht nur für das Verteidigungsministerium und die Kasernen, sondern darüber hinaus für IT-Systeme, die an den Orten gebraucht werden, an denen die Bundeswehr im Zuge von Auslandseinsätzen stationiert ist.

          Einen Großteil der benötigten IT-Fachkräfte versucht die Bundeswehr an ihren eigenen Universitäten heranzuziehen. Inhaltlich unterscheidet sich das Studium dort nicht von dem an anderen Universitäten. Der Umfang ist an den Bundeswehruniversitäten in Hamburg (UniBw H) und München (UniBw M) der gleiche wie an herkömmlichen Hochschulen. Doch es gibt auch allerlei Unterschiede: So müssen sich Studenten verpflichten, mindestens 13 Jahre bei der Bundeswehr zu bleiben. Das Studium, das zur Offiziersausbildung gehört, zählt dazu. Außerdem müssen sie eine 15-monatige militärische Ausbildung absolvieren.

          Master und militärische Ausbildung laufen parallel

          Yannic Reidel hat im Jahr 2013 mit dem Studium bei der Bundeswehr begonnen. Auch heute, während des Studiums, muss er einmal in der Woche zur militärischen Ausbildung antreten. Ansonsten sitzt er wie alle Studenten die meiste Zeit am Schreibtisch oder im Hörsaal. Dass Reidel im Zuge seiner Verpflichtung mindestens 13 Jahre bei der Bundeswehr arbeiten muss, hat ihn nicht abgeschreckt. Wichtiger sind ihm andere Faktoren: „Ich wollte einen Beruf, in dem ich meine Fähigkeiten als Führungskraft zeigen und mich sozial engagieren kann.“ Bei der Bundeswehr sei das besser möglich als in einem herkömmlichen IT-Job in einem Unternehmen. Die Vergütung, die er bei der Bundeswehr bereits während des Studiums bekommt, wird ihm die Entscheidung zusätzlich erleichtert haben. Während sich andere Studenten während des Studiums mit Minijobs über Wasser halten müssen, bekommt Reidel wie jeder Bundeswehrstudent jeden Monat rund 1.700 Euro netto. Sein Zimmer auf dem Unicampus kostet monatlich gerade einmal 100 Euro.

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