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Biologie studiert und dann? : Jobmotor Biotechnologie

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Ein Job mit viel Verantwortung: James Franco als Biologe Will Rodman in „Planet der Affen: Prevolution“ Bild: Fox

Nicht nur die Gesundheitswirtschaft boomt, auch in der Industrie entstehen ganz neue Tätigkeitsfelder für Biologen. Denn Stoffe aus der Natur werden bei der Entwicklung umweltschonender Produktionsprozesse immer wichtiger. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Biologen sollten sich frühzeitig orientieren und Schwerpunkte setzen.

          Andrea Krämer arbeitet mit Proben von Krebspatienten. Die Tumorzellen werden dem Gewebe entnommen, in Zellkulturen gezogen und anschließend auf verschiedene Arzneimittel getestet. Bei der Münchner Spherotec GmbH betreut die Biologin eine Studie zur Anwendung von Krebstherapien. „Wir untersuchen, welche Therapie am besten anschlägt“, erklärt die Doktorandin. Die Verantwortung ist groß. „Jede Probe ist einmalig und wäre unwiederbringlich verloren, wenn sie zum Beispiel bei der Bearbeitung mit Bakterien verunreinigt würde.“ An ihrem ersten Arbeitstag im August kamen gleich vier Patientenproben an, jede von ihnen muss schnell bearbeitet werden. „Die theoretischen Grundlagen lernt man im Studium, aber der Praxisalltag sieht dann doch ganz anders aus“, stellt die 24-Jährige fest. Nach zwei Wochen bearbeitete Andrea Krämer zum ersten Mal selbständig eine Probe. „In dem Moment ist man natürlich nervös, aber ich hatte viel zugeschaut und an Kontrollproben geübt.“

          Die 2006 gegründete Spherotec GmbH ist ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen akademischer Forschung und industrieller Anwendung. Das kleine Biotech-Unternehmen ist ein Spin-off des Klinikums Großhadern und bis heute in enger Nachbarschaft zum Campus Martinsried angesiedelt. Die Biologin Barbara Mayer und die Medizinerin Ilona Funke haben klein angefangen. Inzwischen hat sich ihre mehrfach ausgezeichnete Sphäroid-Mikrotumor-Technologie zur Testung von Krebsmedikamenten erfolgreich am Markt etabliert, das Unternehmen expandiert. Neun Mitarbeiter arbeiten heute bei Spherotec, bis Ende des Jahres sollen es mehr als ein Dutzend sein. „Nicht nur wir machen einen Wachstumsschub, der Branche insgesamt geht es wieder besser“, stellt Gründerin Barbara Mayer fest. „Es wird wieder mehr investiert.“ In Bewerbungsgesprächen legt die habilitierte Biologin Wert auf praktische Erfahrungen in der Zellforschung. „Eine gewisse Spezialisierung ist für uns ein Auswahlkriterium.“ Ebenso wie ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. „Studien sind Teamarbeit“, betont die Geschäftsführerin. „Jeder muss sich auf jeden verlassen können.“

          Die deutsche Biotechnologie-Branche wächst rasant. Eine aktuelle Firmenumfrage, die von der Informationsplattform biotechnologie.de im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt worden ist, verzeichnet eine Rekordfinanzierung von 700 Millionen Euro im Jahr 2010 und eine um rund 32  500 gestiegene Zahl von Mitarbeitern in der kommerziellen Biotechnologie. Das hat Folgen für Absolventen aus der Biologie. „Traditionell hatten und haben es Biologen immer etwas schwerer auf dem Arbeitsmarkt als andere Naturwissenschaftler, weil ihre Berufe nicht so stark auf die Privatwirtschaft ausgerichtet waren“, erklärt Kolja Briedis, Arbeitsmarktforscher vom Hochschul-Informations-System. Das ändert sich. „Durch die Technologisierung des Faches tun sich ganz neue Tätigkeitsfelder auf.“ Bei der Gewinnung regenerativer Energien zum Beispiel, in der Biomedizin oder in den Forschungsabteilungen der Industrie. Von der „Biologisierung der Wirtschaft“ spricht Carsten Roller, Ausbildungsexperte beim Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. (VBIO). „An allen Stellen der Produktionskette wird versucht, Erdöl zu ersetzen“, stellt der promovierte Biologe fest. „Sogar die Lufthansa macht Versuche mit Biosprit.“ Vom Volkswagen über Waschmittel bis hin zur Kartoffel: Die industrielle Biotechnologie nutzt zunehmend Stoffe aus der Natur für die Entwicklung umweltschonender Produktionsprozesse.

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