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Weltverbesserer : „Gute Ingenieure sind Überzeugungstäter“

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Ein Gespräch mit Lars Funk, Bereichsleiter Beruf und Gesellschaft vom Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI), über den Idealismus von Ingenieuren.

          Herr Funk, inwieweit können Ingenieure die Welt verbessern?

          Ingenieure haben die Aufgabe, technische Lösungen zum Wohle der Menschen zu erarbeiten. Technik allein ist kein Selbstzweck! Es geht immer darum, etwas zu schaffen oder zu verbessern, was das Leben besser oder angenehmer macht. Insofern tragen Ingenieure tatsächlich dazu bei, die Welt besser zu machen. Dafür gibt es unzählige Beispiele: Zu Beginn der Industrialisierung war es die Erfindung der Dampfmaschine oder der Glühlampe. Beides war mit einem enormen Zuwachs an Lebensqualität für die Menschenverbunden. Gleiches gilt natürlich auch für Erfindungen wie den Computer oder das Telefon. Und heute werden in der Medizintechnik beispielsweise Prothesen entwickelt, die Menschen mit Handicap ein normales Leben ermöglichen. In den Entwicklungsländern installierten Ingenieure unter anderem Trinkwassersysteme, die Millionen von Menschen mit sauberem Wasser versorgen und diesen damit überhaupt erst die Lebensbasis schaffen.

          Welche Rolle spielen Idealismus und der Wunsch, Gutes zu tun, bei der 
          Berufswahl von jungen Ingenieuren?

          Beides spielt eine große Rolle. Gute Ingenieure sind „Überzeugungstäter“, die mit Leidenschaft an technischen Lösungen arbeiten, um die Welt ein Stückchen besser zu machen. Das geschieht natürlich nicht rein altruistisch, aber eine gute Portion Idealismus ist schon dabei.

          Wie interessant sind Hilfsorganisationen oder Social Start-ups als Arbeitgeber für junge Absolventen?

          Auch Hilfsorganisationen brauchen Ingenieure. Allerdings gibt es hier nur wenige Stellen. Außerdem werden in der Regel erfahrene Ingenieure gesucht. Somit spielen diese Arbeitgeber für Absolventen faktisch keine Rolle – Ausnahmen mag es geben. Die meisten Stellen in diesem Bereich bieten die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit oder der Senior Experten Service.

          Das Interview führte Birk Grüling.

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