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Der Nawi-Check : Wie wird man Qualitätsmanager?

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Drei Praktiker erklären, welche Kompetenzen beim Berufseinstieg im Qualitätsmanagement gefragt sind.

          Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Lösungsorientierung sind unerlässlich.

          Die Hauptaufgaben eines Qualitätsmanagers bei Bahlsen sind die Sicherung der Produktqualität, die Konzeption und stetige Weiterentwicklung des Prüfsystems und zu gewährleisten, dass die jeweiligen Vorgaben eingehalten werden. Wesentliche Kontaktstellen bestehen zu den Bereichen Einkauf, Produktentwicklung und Produktion. Aufgrund der hohen Verantwortung, die Bahlsen im Rahmen der Lebensmittelsicherheit trägt, ist das Qualitätsmanagement (QM) auf der ersten Führungsebene in der Geschäftsleitung der produzierenden Ländergesellschaften aufgehängt. Direkt darunter befinden sich die Spezialisten rund um Rohwaren und Lebensmittelrecht. Daneben gibt es in den Werken eigene Abteilungen, die entsprechend die Produkte kontrollieren. Zudem gibt es bei Bahlsen eine beratende und koordinierende QM-Einheit, die die strategische Ausrichtung des QM-Systems steuert.

          Besonders wichtige Soft Skills für den Job sind Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsfähigkeit und Lösungsorientierung. Für Studenten, die über einen beruflichen Einstieg im Qualitätsmanagement nachdenken, sind spezielle Kurse oder Praxiserfahrung hilfreich, die zur Entwicklung von QM-Fachkenntnissen und zu Branchenkenntnissen beitragen und die das Bewusstsein für die speziellen Anforderungen des jeweiligen Unternehmens oder der Branche schulen.

          Grundsätzlich ist es möglich, sich als Berufseinsteiger „on the Job“ zum Qualitätsmanager weiterzubilden oder auch ein Aufbaustudium im Bereich Qualitätsmanagement zu absolvieren. Ersteres hat den wesentlichen Vorteil, dass man die konkreten Anforderungen aus der Praxis im Unternehmen schon kennt und so direkt Spezialwissen zu den Produkten und spezifische Branchenkenntnisse erwirbt.

          Dr. Heinrich Heims ist Direktor Qualitätsmanagement bei der Bahlsen Business Unit D-A-CH.

          Qualitätsmanager, die in ihrer Rolle akzeptiert werden wollen, brauchen Berufserfahrung.

          Eine wichtige Unterscheidung zu Beginn: Die Deutsche Gesellschaft für Qualität differenziert zwischen Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung (QS). QM bedeutet: Arbeiten an der Organisation, um sie systemisch qualitätsfähig zu machen, also eine Form von Organisationsentwicklung. Typisch dafür ist die Rolle eines internen Beraters, der eng mit der Leitung und weiteren Führungskräften zusammenarbeitet. Im Unterschied dazu bedeutet QS die Arbeit an Produkten und Prozessen. In kleinen und mittelgroßen Organisationen ist die Rollenspreizung sehr groß: Qualitätsmanager leisten sowohl QM- als auch QS-Aufgaben. Das erfordert große Vielseitigkeit. Es ist manchmal aber auch belastend, weil diese Rollen sehr unterschiedlich und sogar widersprüchlich sein können.

          Es gibt nur wenige Möglichkeiten, Qualitätsmanagement zu studieren. Häufig qualifizieren sich Mitarbeiter deshalb berufsbegleitend. Wer hier schon im Studium einen Schwerpunkt setzen kann, hat für eine Karriere in dem Bereich gute Aussichten, weil es nur wenige Absolventen gibt. Allerdings erfordert es Berufserfahrung, wenn man als Qualitätsmanager weitreichende Verantwortung übernehmen und in dieser Rolle akzeptiert werden will. Denn Produktqualität entsteht aus dem systemischen Zusammenspiel vieler fachlicher und menschlicher Einflussfaktoren. Und es ist ein Thema, das oft unter Zielkonflikten steht. Dann ist Erfahrung im Umgang mit Führungskräften und Mitarbeitern ausschlaggebend für Problemlösungen.

          Grundsätzlich könnte man sagen: Ausgeprägte sozial-kommunikative Kompetenzen sind ebenso erforderlich wie die Beherrschung verschiedener Methoden zur Fehler- und Fehlerursachenanalyse sowie zur Verbesserung und Lösung von Problemen.

          Dr. Benedikt Sommerhoff ist Leiter Innovation & Transformation bei der Deutschen Gesellschaft für Qualität.

          Ein guter Qualitätsmanager ist kundenorientiert und scheut sich nicht vor kritischen Diskussionen.

          Die Aufgaben unserer Qualitätsmanager sind sehr unterschiedlich: Ein Qualitätsmanager in einem Produktionsbetrieb stellt zum Beispiel sicher, dass nur Waren in die Produkte einfließen und am Ende nur die Produkte das Werk verlassen, die unseren hohen Qualitätsstandards entsprechen. Der Qualitätsmanager in einer Ländergesellschaft sorgt dafür, dass wir nur mit Lieferanten zusammenarbeiten, die unseren Good-Manufacturing-Practice-Anforderungen entsprechen. Ein Qualitätsmanager in der Zentrale entwickelt die Vorgaben für die operativen Einheiten. Er unterstützt die Länder auch bei der Umsetzung dieser Vorgaben.

          Berufseinsteiger sollten neugierig auf die Herausforderungen sein, die unsere heutige Zeit bereithält. Die Digitalisierung unserer Geschäftsprozesse, zum Beispiel der Kundenkontakte über soziale Medien und Industrie 4.0, wird uns in Zukunft stark beschäftigen. Daher sind während des Studiums absolvierte Zusatzkurse zu diesen Themen hilfreich. Wir wissen noch nicht genau, wie diese Herausforderungen unsere Arbeit beeinflussen werden. Allerdings ist absehbar, dass Verbraucher immer mehr Möglichkeiten haben, unsere Produkte mit denen des Wettbewerbs zu vergleichen. Unsere Verbraucher mit unserer Qualität immer wieder zu begeistern erfordert hohe Flexibilität und ständige Anpassung an unbekannte Situationen. Besonders wichtig sind Kundenorientierung, mutiges und initiatives Handeln: Ein guter Qualitätsmanager verfolgt die Anforderungen unserer Verbraucher konsequent und schafft damit das Vertrauen in die Marken. Er spricht kritische Angelegenheiten offen an und scheut keine Diskussionen. Außerdem kann er Chancen und Risiken voraussehen und sucht bei beeinträchtigter Produktqualität mit seinen Geschäftspartnern nach Lösungen.

          Dr. Thorsten Berg ist Corporate Director Quality Management bei der Beiersdorf AG

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