http://www.faz.net/-i7g-8nflz

Wirtschaftswissenschaftler EU : Europa mitgestalten

  • -Aktualisiert am

Die Europäische Kommission, das Exekutivorgan der EU, hat seinen Sitz in Brüssel: Hier werden unter anderem Vorlagen für die Kommission erarbeitet. Bild: Picture alliance Westend61

Amt statt Konzern. In den Institutionen der EU sind talentierte Wirtschaftswissenschaftler gefragt.

          Entwickelt sich eine Gesellschaft so, wie die Politiker es versprechen? Steigen die Arbeitslosenzahlen, oder sinken sie? Wie viele Frauen sind berufstätig? Wie steht die Wirtschaft eines bestimmten Landes da, verglichen mit anderen EU-Staaten? Mit all diesen und vielen anderen Fragen könnte sich Cristina Lopez Vilaplana im Laufe ihrer Karriere beschäftigen. Die 30-Jährige ist seit 2012 als Statistical Officer bei Eurostat in Luxemburg tätig, der Generaldirektion der Europäischen Kommission, die für die Erstellung amtlicher europäischer Statistiken verantwortlich ist. Aktuell arbeitet Lopez Vilaplana im Bereich Einkommensungleichheiten und Armut. „Dank eines speziellen Programms für Young Professionals bei Eurostat hatte ich in den ersten Jahren hier die Chance, sehr verschiedene Themengebiete kennenzulernen“, so die gebürtige Spanierin, die in Valencia und Oxford Wirtschaft studierte und vor ihrem Umzug nach Luxemburg an einem technologischen Forschungsinstitut arbeitete. Es gefalle ihr, dass sie ihre Fähigkeiten bei Eurostat ständig weiterentwickeln könne und noch dazu einen Beitrag zum Projekt Europa leiste.

          Fünf bis zehn Wirtschaftswissenschaftler stellt Eurostat jährlich ein, die Grundkompetenzen werden im Auswahlverfahren des Europäischen Amts für Personalauswahl EPSO geprüft. Ist ein konkreter Posten zu besetzen, sucht die entsprechende Abteilung auf der sogenannten Reserveliste nach geeigneten Kandidaten und lädt zum Bewerbungsgespräch ein. „Wir möchten mit Menschen zusammenarbeiten, die anpassungsfähig sind und unser dynamisches, internationales Umfeld genießen“, so Matthias Lipps aus der Personalabteilung von Eurostat. „Sogar in einem recht kleinen Team mit einem Dutzend Mitarbeiter können schnell acht, neun Nationen repräsentiert sein“, so Lipps. Inhaltlich, so versichert der für Staffing & Recruitment zuständige Teamleiter, tragen junge Wirtschaftswissenschaftler von Anfang an zur Mission von Eurostat bei. Mit Hilfe diverser IT-Tools erstellen sie Statistiken und statistische Publikationen mit, gehen in Meetings und kooperieren mit den Vertretern der EU-Staaten sowie anderer Länder.

          Am großen Ganzen dran sein

          Bei der Europäischen Kommission – Eurostats Mutter, wenn man so will – sind talentierte Ökonomen ebenfalls gefragt. Tim Joris Kaiser ist einer von ihnen. Der 36-Jährige studierte internationale Volkswirtschaft in Maastricht und arbeitete nach seinem Abschluss mehrere Jahre als Finanzanalyst und Account-Manager. 2011 bestand er einen EPSO-Spezialisten-Concours für Wirtschaftswissenschaftler und trat bald darauf seinen jetzigen Job als Referent für Beziehungen mit europäischen und internationalen Finanzinstitutionen an. Sein Arbeitsalltag besteht im Wesentlichen aus Lesen und Aufbereiten wirtschaftlicher und finanzieller Informationen zu neuen Daten und deren Auswirkungen auf Europa. „Die Art und die Beweggründe, wie hier Entscheidungen getroffen werden, unterscheiden sich von denen in Konzernen“, vergleicht Kaiser. Für ihn bedeute das, dass er konzeptioneller und analytischer denken und schreiben müsse, als er das aus seinem Job in der Privatwirtschaft kannte. Gewechselt habe er, weil er an etwas Bedeutenderem mitarbeiten wollte, so der gebürtige Niedersachse.

          Den Glauben an Europa betonen auch Personalverantwortliche der EU immer wieder, wenn es um die Besonderheiten der Arbeit in ihren Institutionen geht. „Wenn Sie hier arbeiten, haben Sie die Möglichkeit, direkt an den Entscheidungen teilzuhaben, die die Zukunft der EU formen und einen positiven Einfluss auf das Leben von 500 Millionen Bürgern haben“, sagt Christian Levasseur, Direktor an der Generaldirektion Human Resources der Europäischen Kommission. Auch mit dem Einkommen von zum Beispiel rund 5.800 Euro im Monat für Akademiker mit sechs Jahren Berufserfahrung seien die meisten Beamten der Kommission zufrieden.

          Topmeldungen

          Suche nach U-Boot : Flugzeug entdeckt Objekt auf Meeresgrund

          Bei der Suche nach dem vermissten argentinischen U-Boot sind die Retter laut Medienberichten auf eine Wärmequelle in 70 Metern Tiefe gestoßen. Wegen des Sauerstoffmangels spricht die Marine von einer „kritischen Phase“.

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Der Jeep des Überläufers bleibt stecken.

          Korea-Konflikt : Video zeigt Jagd auf nordkoreanischen Soldaten

          Das Kommando der Vereinten Nationen in Südkorea wirft dem Norden vor, bei der Jagd auf einen Überläufer den Waffenstillstand gebrochen zu haben. Zum Beweis veröffentlicht es Videoaufnahmen, die an einen Actionfilm erinnern.
          Die Runde von Sandra Maischberger

          Talk-Kritiken : Im Beichtstuhl des Bundespräsidenten

          Nach dem vorläufigen Scheitern von Jamaika ist der Bundespräsident Herr des Verfahrens. Die Debatten in Talkshows zeigen: Auf das Staatsoberhaupt wartet keine leichte Aufgabe.