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Köpfe in Finance : Ohne Moos nix los

  • -Aktualisiert am

Jan-Philipp Weitz ist seit 2007 CFO bei der Rohstoff AG in Mannheim. Besonders gefällt ihm an seiner Funktion, dass er eng in das Tagesgeschäft eingebunden ist und seine Zahlenaffinität in der Praxis ausleben kann. Bild: Rohstoff AG

Geldmanager findet man in der Wirtschaft in unterschiedlichen Bereichen. Wir fragen junge Finance-Köpfe, was sie tun, wie sie dahin gekommen sind und wie ihnen der Job gefällt.

          Der gute Ruf der Universität Mannheim, die regelmäßig Rankinglisten als eine der besten Unis für Betriebswirtschaftslehre anführt, überzeugt Jan-Philipp Weitz 2005 bei der Entscheidung, seine Heimatstadt Hamburg zu verlassen. Neben studienbegleitenden Stationen bei „klassischen, glitzernden Adressen“ der Investmentbank- und Beraterwelt wie Morgan Stanley oder der Citigroup beginnt Weitz als Werkstudent bei der ebenfalls in Mannheim ansässigen Deutschen Rohstoff AG. Gegründet 2006 und seit 2010 börsennotiert, identifiziert, entwickelt und veräußert das Unternehmen Rohstoffvorkommen in Nordamerika, Australien und Europa. Der Schwerpunkt liegt in der Erschließung von Öl- und Gaslagerstätten in den USA.

          Erste berufliche Erfahrung als Werkstudent

          „Aufgrund der überschaubaren Anzahl an Mitarbeitern war ich eng eingebunden, konnte täglich mein unternehmerisches Denken unter Beweis stellen“, erinnert sich Weitz an seine Zeit als Werkstudent. So liegt es nahe, dass der di­plomierte Betriebswirt nach dem Studium seine Karriere bei der Deutschen Rohstoff AG als Vorstandsassistent startet. Erfahrung im Finanzieren und Bewerten von Tochterfirmen sammelt der Zahlenbegeisterte, als er ein Jahr später in die Unternehmensentwicklung wechselt. Als Leiter Business-Development verantwortet er unter anderem die Öl- und Gasaktivitäten in den USA mit und wirkt bei allen Kapitalmarkttransaktionen mit. Der bisherige Höhepunkt seines Berufslebens folgt schließlich Anfang 2017: Mit 31 Jahren übernimmt Weitz das Amt des Finanzvorstands.  Neben der Verantwortung für klassische Bereiche wie Finanzen, Controlling, Rechnungswesen oder Steuern schätzt der junge CFO an seiner Position, dass er auch unternehmerisch nah am Tagegeschäft ist und so seine Zahlenaffinität in der Praxis ausleben kann: „Die Arbeit mit Zahlen strukturiert mich; sie sind wichtige Werkzeuge, von denen fast alle Entscheidungen abhängen: Hinter jedem Umsatz oder Kostenblock steht operative Entwicklung, so lassen sich klare Handlungsalternativen oder Ziele ableiten“, beschreibt der heute 32-Jährige, was ihn an seinem Job fasziniert. Für Abwechslung sorge, dass er zum einen am Kapitalmarkt jeden Tag Rohstoffpreise, Wechselkurse und das Zinsumfeld beobachte. Zum anderen arbeite er, ähnlich wie in einem Privat-Equity-Umfeld, an der Gründung und Entwicklung neuer Portfolio-Gesellschaften mit.

          Ohne Skype oder Videokonferenzen kann sich Weitz sein Businessleben kaum vorstellen: „Digitale Technologien sorgen dafür, dass Geschäftsreisen nicht überhandnehmen“, betont der Familienvater. Vier- bis fünfmal fliegt er jährlich noch zu Tochtergesellschaften in die USA. Seine Tage im Mannheimer Büro sind meistens lang: „Gegen 16 Uhr, wenn sich unsere Büros in Übersee langsam füllen, beginnt quasi mein zweiter Arbeitstag.“

          Weniger branchentypisch unterwegs: Christopher Grätz, Mitbegründer und CEO von Kapilendo, will die Finanzindustrie „von ihrem verstaubten Image befreien.“

          Fusionen und Verkäufe im Blick

          Lange Arbeitstage kennt auch Michael Klar: Er arbeitet für eine der vier umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, beschäftigt sich mit Unternehmensfusionen und Unternehmenskäufen – kurz M&A für „Mergers and Acquisitions“. „Ursprünglich wollte ich in die klassische Steuerberatung, doch ich bin froh, bei M&A gelandet zu sein, möchte momentan nichts anderes machen“, so der 27-Jährige.

          Klar führt komplexe Analysen zu Fusionen oder Umstrukturierungen durch. Der gesamte Prozess besteht aus mehreren Phasen, angefangen mit der Preisermittlung über die Vertragsverhandlungen bis hin zur Ausarbeitung einheitlicher Compliance-Regeln. Seine Kunden reichen vom multinationalen Konzern bis hin zur Private-Equity-Gesellschaft. Bis zu 15 Mandate betreut er gleichzeitig. „Das ist in der Regel gut zu managen, da die Projekte sich in unterschiedlichen Stadien befinden.“ Ein Due-Diligence-Report, wie sich die Sichtung von Unterlagen nennt, um steuerliche Risiken zu identifizieren und zu berechnen, könne sich über mehrere Monate hinziehen.

          „Innerhalb dieser Phase ruhen Projekte auch mal für Wochen oder gar Monate“, erklärt der Assistant-Manager seine „wellenförmige Arbeitsbelastung“.

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