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Kind und Karriere : Gut beraten mit Familie

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Monica Schulte Strathaus im Konferenzraum am Düsseldorfer Sitz von EY: Auch als Mutter zweier Kinder ist sie weiterhin flexibel. Bild: Bernd Vogel

Kind und Karriere zu vereinbaren ist für viele Frauen eine große Herausforderung. In der Beraterbranche galt das lange als nahezu unmöglich. Aber auch hier hat sich in den vergangenen Jahren vieles getan.

          Monica Schulte Strathaus ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme: Als Partnerin in der Transaktionsberatung bei EY (Ernst & Young) gehört sie ohnehin einer Minderheit an. Die 45-jährige Architektin hat in den vergangenen 15 Jahren aber nicht nur Karriere in einem herausfordernden Berufsfeld gemacht, sondern nebenbei noch zwei Kinder bekommen. „Für mich war nie die Frage, ob es geht, Familie und Beruf zu verbinden, sondern wie“, sagt Schulte Strathaus, die bei EY im Bereich Real-Estate- und Transaktionsberatung tätig ist. Gemeinsam mit ihrem Mann und mit Hilfe aus der Familie hat sie einen Weg gefunden, trotz Kindern Karriere zu machen – und sie hat anderen Beraterinnen den Weg geebnet, es ihr nachzutun.

          In Deutschland sind Frauen, die sich entscheiden, Kinder großzuziehen, noch immer beruflich im Nachteil. Allein ihre Arbeitszeit reduziert sich im Schnitt um 20 Prozent, wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung kürzlich herausgefunden hat. Um der Doppelrolle als Arbeitskraft und Mutter gerecht zu werden, wechseln viele Frauen dann in eine Teilzeitstelle – was oft weitreichende Folgen für ihre berufliche Zukunft hat. In der Beraterbranche war dieser Effekt lange Zeit noch stärker. Die Branche wird noch immer von Männern dominiert, vor allem in den höheren Führungsebenen sucht man oft vergebens nach weiblichen Vorbildern. Die hohe Belastung durch die Reisetätigkeit zum Kunden und lange Arbeitstage war für Mütter oft nicht zu schaffen. Die Folge: Spätestens mit der Schwangerschaft wechselten viele Frauen den Job. Seit einigen Jahren versucht die Branche, dem entgegenzuwirken, und hat Mechanismen entwickelt, den weiblichen Nachwuchs zu unterstützen und damit zu halten. Dafür sind auch Vorbilder wie Schulte Strathaus verantwortlich.

          Typisch für die Arbeit in der Management­beratung: intensive 
Reisetätigkeit. Frauen mit Kindern können diese nach Absprache mit dem Arbeitgeber heute meist etwas einschränken.

          Vereinbarkeit als wahre Managementaufgabe

          „Natürlich hatte ich anfangs die Sorge, Familie und Beruf nicht koordiniert zu bekommen“, sagt Schulte Strathaus. Aber sie wusste, dass sie eine Familie gründen will und deshalb auch einen Weg finden würde, das mit ihrem Job zu verbinden. Als ihre Tochter vor elf Jahren zur Welt kam, war sie noch keine Partnerin, sondern Senior Managerin. „Damals war es weitaus schwieriger, bestimmte Dinge umzusetzen, auch der Widerstand bei den Kollegen war stärker als heute“, erinnert sich Schulte Strathaus. Sie habe das Thema Vereinbarkeit aber als Managementaufgabe gesehen, die sie gemeinsam mit ihrem Mann bewältigen musste, und dementsprechend eine Lösung gefunden, die für alle passte: Beim ersten Kind hat sie zunächst in Teilzeit gearbeitet, bevor sie wieder voll eingestiegen ist. Nach der Geburt ihres Sohnes vor sieben Jahren übernahm ihr Mann die Teilzeitarbeit. „Ich bin nach wenigen Monaten Elternzeit wieder voll arbeiten gegangen, da haben wir das umgedreht“, sagt sie. Unterstützung bekommt die Familie zudem von den Eltern und Schwiegereltern. Damit ist die Last auf sechs Schultern verteilt statt auf zwei, im Notfall können auch die Großeltern ein krankes Kind aus der Schule oder dem Kindergarten abholen. „Wir haben von vornherein viel Pragmatismus an den Tag gelegt und einfach geschaut, wie es funktioniert. Manchmal muss man dann auch unkonventionelle Wege gehen“, sagt die 45-Jährige. Auf Unterstützung durch ein Au-pair oder eine Nanny konnten sie verzichten. Schulte Strathaus glaubt aber fest daran, dass fast alle Modelle funktionieren können – auch im Managementumfeld und auch in der Beratung.

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