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Wiwi-Check : Klartext reden und analytisch denken

  • -Aktualisiert am

Stempel Bild: F.A.Z

Drei Praktiker erklären, wie BWLer erfolgreiche Steuerberater, Consultants oder Wirtschaftsprüfer werden.

          Steuerberater müssen Klartext reden können. Dafür braucht es Transparenz und gesunden Menschenverstand.

          Wir sind als Steuerberaterkanzlei auf kleine und mittelständische Unternehmen spezialisiert. Das heißt auch, dass meine drei Mitarbeiter und ich es oft mit Laien in Sachen Steuerrecht und Buchhaltung zu tun haben. Ich betrachte es als wichtigen Erfolgsfaktor für mein Unternehmen, dass wir unseren Mandanten gegenüber transparent arbeiten, also beispielsweise im direkten Gespräch auf Fachchinesisch verzichten und Abläufe verständlich erklären. Das muss ein angehender Steuerberater unbedingt können. Denn dass wir unseren Kunden auf Augenhöhe gegenübertreten, ist der Hauptgrund, warum sie uns auch dann vertrauen, wenn es einmal kompliziert wird. Wir stellen ausschließlich Absolventen ein, die teamfähig und kommunikativ sind. Mitarbeiter, die sich nur hinter ihren Zahlen verstecken, können wir nicht brauchen.

          Dazu kommt der gesunde Menschenverstand. Wir arbeiten nach hohen Qualitätsansprüchen, bei uns gilt das Vier- oder Sechs-Augen-Prinzip. Bei Diskrepanzen oder wenn ungewöhnliche Posten in der Buchhaltung auftauchen, muss ein guter Berater sofort nachhaken. Denn schnell passieren Fehler, und das private Boot taucht dann als Posten bei den Geschäftskosten auf. Spätestens bei der nächsten Betriebsprüfung durch das Finanzamt fällt das aber auf, und der Kunde wie auch sein Steuerberater stehen dann mit einem Fuß im Gefängnis. Dann wiederum sind gute Nerven gefragt. Anderseits ist eine gelungene Betriebsprüfung der beste Erfolg, den wir haben können. Ohne Wachsamkeit kommt ein Steuerberater nicht voran.

          Kai Becker, selbständiger Steuerberater bei Stuttgart

          Consultants müssen in komplexen Zusammenhängen denken. Sie brauchen Seniorität sowie Berufserfahrung.

          Menschen überzeugen, Kunden beraten, Kritiker mitreißen – im Beratergeschäft geht es um Kommunikation. Wer in einer fremden Firma ein Projekt voranbringen möchte, ist mit Menschen konfrontiert, denen gegenüber er formal nicht weisungsbefugt ist. Trotzdem sollen aber alle an einem Strang ziehen. Dafür muss ein guter Consultant Menschen von sich überzeugen können, insbesondere die Kritiker. Zwar ist ein tiefes BWL-Wissen für Consultants Pflicht. Wer dieses aber nicht abstrahieren und auf den konkreten Fall übertragen kann, genügt den Anforderungen des Beraterberufs nicht.

          Wir begleiten als Beratungsunternehmen Kunden in Projekten, die von wenigen Tagen bis zu vielen Jahren andauern. Zusätzlich zu unseren 35 Mitarbeitern arbeiten wir mit 10 bis 15 selbständigen Beraterkollegen zusammen, die uns mit ihren Spezialkenntnissen unterstützen.

          Um transparent zu agieren und alle Projektpartner auf dem gleichen Wissenstand zu halten, dürfen Wirtschaftswissenschaftler nicht einsilbig sein. Klassische Präsentationstechniken gehören zum Job.

          Gerade in großen Projekten stecken viele Arbeitsstunden. Bei dieser Arbeit sind Reisen und Überstunden programmiert. Da muss man stressresistent sein und in Ruhezeiten gut abschalten können. Gleiches gilt für die Arbeit mit dem Kunden: Bei aller Begeisterungsfähigkeit für die Branche und die Arbeit des Partners, muss ein Berater immer eine professionelle Distanz wahren. Der Blick von außen auf das Geschehen ist es, was einen von den dortigen Mitarbeitern unterscheidet.

          Jürgen Kurz, Partner und Geschäftsführer, Tempus Consulting

          Wirtschaftsprüfer brauchen Diskretion und analytische Fähigkeiten. Ihnen kann man kein X für ein U vormachen.

          Wirtschaftsprüfer arbeiten am Puls der Wirtschaft. Als Kanzlei, die vor allem Mittelständler prüft und berät, sind wir an den verschiedensten Branchen ganz nah dran. Auch an ihren Problemen oder konjunkturellen Schwankungen. 22 unserer 80 Mitarbeiter und Partner sind entweder Steuerberater, Rechtsanwälte oder Wirtschaftsprüfer. Zwar sehen wir bei Bewerbungen gern gute Noten in Mathe, und wir schätzen es, wenn jemand hinter die Zahlen einer Bilanz schauen kann. Wichtig ist es aber, dass der Prüfer zusätzlich eine hohe Sozialkompetenz mitbringt. Er muss immer alle Steakholder informieren und dem Mandanten erklären, welche Zahlen wir brauchen und was wir damit tun.

          Gleichzeitig muss klar sein, dass der Prüfer sensible Daten diskret behandelt. Nur so kann unser Mitarbeiter das Vertrauen des Mandanten gewinnen und behalten.

          Der Wirtschaftsprüfer arbeitet ähnlich wie ein Mediziner: nah am Menschen, vertrauensvoll und sehr analytisch. Und wenn die Diagnose gestellt ist, behandeln wir die Symptome, weil wir auch Berater sind. Wir brauchen Menschen, die sich schnell einen Überblick verschaffen. Solche Schnelldenker müssen rasch erfassen, wie das Geschäftsmodell des zu prüfenden Unternehmens funktioniert. Wie verdient der Kunde sein Geld, und wo sind die Schwachstellen? Und: Wir müssen sofort sehen, was uns die Bilanz nicht sagt. Weil die meisten Firmen heute international arbeiten, sind gute Englischkenntnisse und die Bereitschaft zu reisen, nicht nur in unserer Kanzlei Einstellungsvoraussetzung.

          Andreas Beuttler, Partner und Geschäftsführer, Binder, Hillebrecht & Partner (BHP)

          Quelle: F.A.Z

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