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Wirtschaftsprüfer : Nach dem Studium ist vor dem Examen

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Katrin Fischer ist geschäftsführende Gesellschafterin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Visus in Berlin. Bild: Gregor Anthes

Ein abgeschlossenes Studium und praktische Erfahrung sind Voraussetzung für die Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer. Wer das Examen bestanden hat, kann Finanzabschlüsse prüfen, aber auch in der Projektsteuerung oder Beratung tätig sein.

          Für den Beruf des Wirtschaftsprüfers interessierte sich Katrin Fischer zunächst nicht. Vom BWL-Studium an der TU Berlin hatte sie es in Rekordzeit zur Steuerberaterin geschafft. Trotzdem packte sie kurz danach weiterer Ehrgeiz. Parallel zum Wirtschaftsprüferexamen machte sie sich 1999 mit ihrer eigenen Gesellschaft selbständig, die heute 15 Mitarbeiter beschäftigt. Damals war sie 28 Jahre alt. Zur gleichen Zeit bekam sie ein Kind und kaufte ein Haus. „In dem Jahr wurde es zeitlich und finanziell schon ein wenig eng bei uns“, gesteht die Powerfrau, die fast durchgehend in Vollzeit arbeitete. Begonnen hatte die Jungunternehmerin mit elf Mandanten: einem Immobilienkonzern, der ihr Grundeinkommen sicherte, und zehn Kleinstmandaten für Steuererklärungen, die ihr 30.000 D-Mark im Jahr einbrachten. „Ich kam damit finanziell zwar hin, aber viel blieb nicht übrig“, blickt die geschäftsführende Gesellschafterin zurück.

          Wie viele kleine Gesellschaften ist ihr Unternehmen Visus sowohl steuerberatend als auch im Bereich Wirtschaftsprüfung tätig. „Die Tätigkeit abseits vom Steuerrecht, wo wir viel beraten und einen tieferen Einblick in die Strukturen von Firmen bekommen, war dann doch spannender als anfangs angenommen“, sagt die 46-Jährige heute.

          Vier von fünf Wirtschaftsprüfern sind BWLer

          Im vergangenen Jahr waren rund 14.000 Wirtschaftsprüfer (WPs) in Deutschland tätig. Eine stabile Entwicklung. Die Zahlen der vergangenen Jahre weisen einen ähnlichen Stand auf. „Das Examen ist zu Recht sehr anspruchsvoll. Anders als früher ist die Durchfallquote heute allerdings moderat. Gleichwohl lassen sich viele davon abschrecken“, sagt Melanie Sack, Wirtschaftsprüferin und Leiterin Markets & Kommunikation beim Institut der Wirtschaftsprüfer e.V. (IDW).

          Der Frauenanteil unter den Wirtschaftsprüfern ist mit 16,4 Prozent relativ gering. Die Gehälter für werdende Wirtschaftsprüfer sind mit 35.000 bis 45.000 Euro jährlich passabel. Vier von fünf Wirtschaftsprüfern haben ein BWL-Studium hinter sich. Das ist aber kein Muss. Auch wer Jura oder einen anderen Management-Studiengang abgeschlossen hat, hat gute Voraussetzungen. Nach dem Studium ist eine Praxiszeit von bis zu vier Jahren vorgeschrieben, bevor Anwärter zur Prüfung zugelassen werden. Nach der abgelegten Prüfung und einer zweijährigen Berufserfahrung liegt das Jahressalär angestellter Prüfer schon bei etwa 55.000 Euro. In großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften werden langjährigen Mitarbeitern Gehälter im sechsstelligen Bereich bezahlt. Viele Wirtschaftsprüfer machen sich nach einigen Jahren selbständig oder werden Partner.

          Auf Augenhöhe mit der Geschäftsleitung

          „Gemessen an den Arbeitszeiten und der geforderten Flexibilität, sind die Anfangsgehälter zwar nicht sehr hoch. Allerdings muss man die ersten Jahre mit steiler Lernkurve als Teil der Ausbildung und als Investment in die Zukunft sehen“, sagt Thorsten Preisegger. Er ist seit zwölf Jahren bei der Gesellschaft PKF Fasselt Schlage angestellt. Zudem werde die Prüfung vom Arbeitgeber meist finanziell gefördert. Der Hamburger betont die zahlreichen Karrieremöglichkeiten: „Die Wirtschaftsprüfung ist ein vielseitiges und spannendes Tätigkeitsumfeld und bietet langfristige Perspektiven. Zudem sind für Wirtschaftsprüfer auch gute Positionen in der Industrie attraktiv.“ Wer den Titel eines WP trägt, bewegt sich auf Augenhöhe mit der Geschäftsleitung. „Fachlich und vor allem persönlich lerne ich jeden Tag dazu. Die Tätigkeit bietet die Möglichkeit, sich ständig weiterzuentwickeln“, sagt der 38-Jährige.

          „Ein Wirtschaftsprüfer macht nicht nur Abschlüsse. Auch unterjährige Finanzanalysen, Soll-Ist-Vergleiche und Reviews fallen in das Aufgabengebiet der Finanz- und Steuerspezialisten“, so Sack. Bei Transaktionsberatungen etwa, wenn Zukäufe oder Übernahmen anstehen, sind Wirtschaftsprüfer mit ihrem Fachwissen gefragt. Mergers & Acquisitions heißt der Bereich im Fachjargon. Hier beraten Wirtschaftsprüfer häufig im Team mit Spezialisten eine geplante Transaktion. „Kernaufgabe sind hier beispielsweise Unternehmensbewertungen“, sagt die Sprecherin des IDW.

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