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Recruitingevents : „Schon mal einen Fuß in der Tür“

  • Aktualisiert am

Bild: Marcel Salland

Karriereberaterin Ragnhild Struss von Struss und Partner erklärt im Interview, welche Eigenschaften junge Leute für die exklusiven Events der Consultingfirmen mitbringen sollten.

          Frau Struss, warum veranstalten gerade Consultingunternehmen so besondere Recruitingevents?

          Wer besondere Talente sucht, geht auch besondere Wege, um sie zu finden. Fallstudien unter freiem Himmel und Digitalisierungsprojekte am Pool bieten Consultingunternehmen die Möglichkeit, Teilnehmer ganzheitlich zu testen und zu erleben. Fernab von üblichen Interviewsituationen, die für High Potentials durch exzessives Training keine Hürden mehr darstellen, müssen sie zeigen, was sie schon wissen, wie analytisch sie vorgehen und wer sie wirklich sind. Denn über Tage unter Beobachtung kann sich niemand glaubhaft verstellen.

          Welche Typen sind konkret angesprochen?

          Die Events richten sich an leistungsorientierte Nachwuchskräfte, die Herausforderungen und Wettbewerb anspornen. Erfolge im Studium, Sprachkenntnisse und Auslandserfahrungen zählen zu den Grundvoraussetzungen; das Fach hingegen ist nicht primär entscheidend. Hinzu kommen Neugier, Offenheit und die Selbstsicherheit, sich auf unterschiedlichen Terrains souverän bewegen zu können – vom Kamingespräch über die Kajaktour bis zur Kurzpräsentation.

          Wie findet man die Veranstaltungen? Und wie bewirbt man sich dafür in der Regel?

          Eine gute Anlaufstelle ist das Portal squeaker.net, das renommierte Unternehmen und High Potentials vernetzt. Vergleichsweise „gewöhnliche“ Brunchtermine und Firmenbesuche listen zum Beispiel auch e-fellows.net und access.de. Außerdem lohnt sich ein gezielter Blick auf die Websites und Xing-Profile von BCG, McKinsey und Co. Der Bewerbungsprozess gestaltet sich oft ähnlich wie bei regulären Stellenausschreibungen.

          Was haben Studenten/Absolventen von der Teilnahme an einem solchen Event?

          An Bord eines Segelschiffs, auf die Skihütte und ins Survival-Camp darf nicht jeder. Wer den Auswahlprozess erfolgreich meistert und eingeladen wird, hat schon mal einen Fuß in der Tür im Hinblick auf Praktika und Einstiegsjobs. Und eine Station, die sich gut im Lebenslauf macht – selbst wenn es einen später doch in eine andere Branche zieht. Beim Event können Teilnehmer Stallgeruch schnuppern und erahnen, welche Ansprüche ein Beratungsjob an sie stellt, wie Kollegen in spe und die Arbeitsbelastung aussehen. Die Erfahrung ist sicher intensiver, der Einblick in die Branche tiefer als bei einem Businesslunch oder einer Messe.

          Worauf sollten Teilnehmer achten, wenn sie sich in ein gutes Licht rücken wollen?

          Bewerber sollten versuchen, bei sich zu bleiben. Das Umfeld macht es leicht, in einen Vergleichsmodus zu kommen und neidvoll auf die Lebensläufe und Talente der anderen zu schauen. Deswegen hilft es, sich selbst treu zu bleiben, nicht konfrontativer, lauter oder witziger als sonst sein zu wollen, sondern den echten Menschen zu zeigen. Schließlich stellt sich die Zufriedenheit im Consultingjob auch nur dann ein, wenn er wirklich zur eigenen Persönlichkeit und den individuellen Fähigkeiten passt.

          Das Interview führte Lara Sogorski

          Quelle: F.A.Z

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