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Veröffentlicht: 18.05.2017, 11:33 Uhr

Promovieren bei Payback „Wenn es im Job ruhiger ist, genieße ich es, an der Promotion zu arbeiten“

Katharina Kurze betreut bei Payback strategische Projekte rund um das Thema Kundendaten. Ihre berufsbegleitende Promotion wird an der Handelshochschule Leipzig (HHL) betreut.

© privat Katharina Kurze, 30, hat einen Internationalen Master in Management an der EADA Business School in Barcelona gemacht (Abschluss 2009) und arbeitet heute als Managerin für Datenprojekte im Bereich Analytics bei Payback, dem Betreiber einer deutschlandweiten Kundenkarte.

Frau Kurze, wann haben Sie sich entschieden, eine berufsbegleitende Promotion zu beginnen? Und warum?

Nach ein paar Jahren im Beruf bin ich 2015 an einen Punkt gekommen, an dem ich mich gefragt habe, wie ich mich grundsätzlich weiterentwickeln möchte. Als Option standen für mich damals nur der Wechsel in eine vergleichbare Funktion oder die Arbeit an einem eigenen Thema zur Wahl – entweder in Form einer Selbständigkeit oder einer nebenberuflichen Promotion. Schlussendlich habe ich mich für die Promotion entschieden, bei der ich mich langfristig in ein neues Fachgebiet einarbeiten kann. Sie bildet einen schönen Gegenpol zu der schnelllebigen Projektarbeit im Job.

Welche Rolle spielte bei der Entscheidung Ihr Arbeitgeber? Werden Sie von ihm unterstützt?

Mein Arbeitgeber hat mein Promotionsvorhaben von Anfang an durch die Möglichkeit einer Teilzeitbeschäftigung unterstützt. Je nach Arbeitsbelastung ist es auch möglich, verschiedene Teilzeitmodelle auszuprobieren: zum Beispiel einen freien Tag in der Woche oder alternativ die wochenweise Freistellung. Durch diese Flexibilität kann ich Promotion und Arbeit fast reibungslos kombinieren.

Welche Qualifikationen waren bei der Bewerbung für die berufsbegleitende Promotion wichtig?

Nach meiner Entscheidung für eine nebenberufliche Promotion habe ich eine Liste meiner Wunschbetreuer angefertigt und Bewerbungen inklusive Zeugnissen und Vorschlägen möglicher Promotionsthemen an die Lehrstühle verschickt. Da ich mich nicht unter Zeitdruck gesetzt habe, konnte ich ruhigen Gewissens ein paar Monate warten, bis ich ein Telefoninterview und später ein persönliches Vorstellungsgespräch bei meinem Wunschdoktorvater hatte. Nach diesem Gespräch, in dem es besonders um den persönlichen Fit und die Vorkenntnisse im Forschungsbereich ging, habe ich in Rücksprache mit meinem Doktorvater mein Forschungsvorhaben formuliert und mich damit, mit meinen Zeugnissen und mit einem Motivationsschreiben formell an der Hochschule eingeschrieben.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag während der Promotion bei Ihnen aus?

Aktuell arbeite ich vier Tage in der Woche. Freitags konzentriere ich mich auf die Dissertation. Im ersten Jahr meines Promotionsstudiums habe ich freitags und samstags die verpflichtenden Blockseminare absolviert. Jetzt im zweiten Jahr nutze ich die freien Tage ausschließlich für das Promotionsthema. Kurz vor Abgabeterminen kann es vorkommen, dass ich das ganze Wochenende oder unter der Woche abends noch zwei Stunden nach der Arbeit an meinem Thema arbeite. In jedem Jahr habe ich mir kleine Auszeiten von bis zu einem Monat eingeplant, in denen ich mich zu 100 Prozent dem Schreiben widmen kann.

Promotion und Job bedeuten eine Doppelbelastung: Was haben Sie sich möglicherweise anders vorgestellt?

Mich überrascht ehrlicherweise immer wieder, wie gut sich das Promotionsstudium und die Arbeit vereinbaren lassen. Natürlich kann die Doppelbelastung zeitweise auch anstrengend sein, im Regelfall kann ich aber meine Freizeit vollends genießen. Auch den positiven Effekt auf die Zufriedenheit bei meiner fachlichen Weiterentwicklung hatte ich so nicht auf dem Plan: Wenn es im Job ruhiger zugeht, genieße ich es verstärkt, an meinem „Langfrist-Projekt“ zu arbeiten. Und umgekehrt freue ich mich auf die schnelllebigen Themen in der Arbeitswelt, wenn sich die Arbeit an der Promotion gerade etwas schwieriger gestaltet.

Was sind Ihre beruflichen Ziele?

Die Arbeit an datenbasierten Dienstleistungen und Produkten und auch meine Schnittstellenfunktion als „Übersetzer“ zwischen verschiedenen Bereichen machen mir viel Spaß. Hier will ich mich unbedingt noch weiterentwickeln. Allerdings versuche ich auch, neben der Arbeit einen Fuß in die Lehre zu bekommen. Seit 2016 habe ich meine eigene Marketingvorlesung an einer Fachhochschule.

Was würden Sie Berufseinsteigern, die über eine berufsbegleitende Promotion nachdenken, raten?

Die Motivation für eine Promotion sollte realistisch sein. Möchte ich einen Doktortitel erlangen, um einen besseren Job und mehr Gehalt zu verhandeln? Dann muss die Promotion in meiner Branche auch wertgeschätzt werden. Möchte ich später die Option haben, in die Lehre zu gehen? Dann sollte man idealerweise kontinuierlich neben der Promotion Lehrerfahrung sammeln. Außerdem empfehle ich jedem Interessenten, sich genau zu informieren, wie sich die Promotion und die Arbeit zeitlich vereinbaren lassen und wo man seine Priorität setzen würde, falls sich die Doppelbelastung doch als zu anstrengend erweist.

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