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Gehaltsverhandlungen : Aus dem Nähkästchen

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration Sylvia Wolf

Wer in ein Bewerbungsgespräch geht, sollte sich auch mit der Gehaltsfrage auseinandersetzen. Doch wie gehen Unternehmen bei Gehaltsverhandlungen vor? Und wovon hängen die Einstiegsgehälter ab?

          „Du darfst nicht zu schüchtern sein“, „trete selbstbewusst auf“, „verlang nicht zu viel, sonst bist du sofort raus“ – fragt man Familie und Freunde, wie man sich im Bewerbungsgespräch beim Punkt Gehalt verhalten soll, bekommt man oft viele unterschiedliche Meinungen zu hören. Wirklich schlauer ist man davon am Ende selten. Vielleicht ist die Gehaltsfrage auch deshalb für viele Bewerber ein rotes Tuch. Klar ist, irgendwann müssen sie dazu Stellung beziehen – mancher Arbeitgeber will sogar schon mit dem Bewerbungsanschreiben wissen, welcher Verdienst den Kandidaten vorschwebt. Bewerber fahren daher am besten, wenn sie sich in jedem Fall von Anfang an mit dem Thema Gehalt auseinandersetzen.

          Doch wovon hängt es ab, wie hoch das Einstiegsgehalt ausfällt? Lässt sich darüber noch verhandeln? Oder macht man sich damit eher unbeliebt? Die besten Antworten auf diese Fragen können wohl nur die Personaler und Recruiter selbst geben. Doch fragt man bei Unternehmen und HR-Verantwortlichen nach, wollen die wenigsten aus dem Nähkästchen plaudern. Einen Blick hinter die Kulissen gibt unter anderem Tilo Scherf, heute selbständiger Personalberater und früher viele Jahre Führungskraft bei verschiedenen Bausparkassen. „Es ist immer ein Gesamtpaket an Faktoren, die das Gehalt bestimmen, wie das Verdienstverhältnis unter den verschiedenen Hierarchieebenen im Unternehmen, welche besonderen Fähigkeiten der Bewerber mitbringt, aber auch, wie viele gute Bewerber zur Auswahl stehen“, so der Experte.

          Arbeitsmarktsituation beeinflusst Gehaltshöhe

          Hinzu kommt der Einfluss des Arbeitsmarktes. Da es für viele Unternehmen schon heute schwierig ist, die richtigen Fachkräfte zu finden und eine Reihe von Firmen damit um wenige Talente kämpft, haben Bewerber mehr Spielraum bei der Höhe des Gehalts, weiß Scherf. Zu diesem Schluss kommt auch die aktuelle Arbeitsmarkt-Studie von Robert Half. Die positive Situation auf dem Arbeitsmarkt, der Fachkräftemangel in einigen Branchen und diverse andere Einflussfaktoren führen dazu, dass Bewerber aktuell höhere Gehälter fordern können, heißt es darin. Entsprechend seien die befragten 200 HR-Manager in Deutschland bei Gehaltsverhandlungen mit Topkandidaten auch etwas (56 Prozent) oder sogar sehr viel (9 Prozent) entgegenkommender als noch vor einem Jahr.

          Das heißt allerdings immer noch nicht, dass Bewerber sich ihren Verdienst selbst wählen können. Zum einen zeigt eine Umfrage der Uni Koblenz, dass es Personaler nicht gern sehen, wenn Kandidaten mit überzogenen Gehaltsvorstellungen in die Gespräche kommen. „Wer schon in seinem Anschreiben einen zu hohen Wunschbetrag angibt“, sagt Karriereberaterin Kathrin Südmeyer, „kann Pech haben und vielleicht sogar gar nicht erst zum persönlichen Treffen eingeladen werden.“ Hier komme es immer auf den einzelnen Personaler an. Manche würden auch erst einmal großzügig darüber hinwegschauen, wenn der Lebenslauf interessant klinge. Zum anderen wollen HR-Verantwortliche ungern schlechte Stimmung unter den Teamkollegen entfachen, wenn der Neue zum Beispiel schon mehr verdient als ein langjähriger Angestellter. „Irgendwie kommt das ja immer raus“, weiß Südmeyer.

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