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Karriere im Consulting : Bewerbungsverfahren im Consulting – ein Erfahrungsbericht

  • -Aktualisiert am

Suzan Erbil hat das Auswahlverfahren bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman erfolgreich absolviert. Bild: Oliver Wyman

Ob Case-Study, Brainteaser oder Analytiktest – der HOCHSCHULANZEIGER zeigt, wie der Interviewprozess bei den Consultingfirmen abläuft und gibt nützliche Tipps für das erfolgreiche Bestehen. Im ersten Teil unseres Themen-Specials „Karriere im Consulting“ berichtet Suzan Erbil aus ihrem Auswahlverfahren bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

          Ich wusste bereits während meines Studiums, dass ich bei einer Beratung arbeiten möchte. Dementsprechend früh habe ich auch begonnen, mich mit den Bewerbungsverfahren im Consulting zu beschäftigen. Im Internet kursieren viele beispielhafte Aufgaben zu Fallstudien und Brainteasern. Außerdem habe ich mich über die speziellen Auswahlverfahren der Firmen informiert. So wusste ich schon vor dem Absenden meiner schriftlichen Bewerbungen, was im Falle einer Einladung in den Interviews auf mich zukommen kann. Bei Oliver Wyman habe ich mich zunächst für einen mehrtägigen Workshop beworben, um das Unternehmen und die Berater besser kennenzulernen. Danach kam die Einladung zum Auswahltag, dem sogenannten Super Friday. Ich wusste, dass mir an diesem Tag mehrere Interview­runden bevorstehen, in denen neben der Beantwortung von Fragen zum bisherigen Werdegang und zur Motivation auch Fallstudien im Gespräch gelöst werden sollten. Auf die Interviews habe ich mich zusammen mit Freunden vorbereitet. Im Gespräch haben wir gemeinsam Fallstudien gelöst und so die Interviews simuliert. In den Fallstudien geht es nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern vor allem darum, gelassen mit der Interviewsituation umzugehen und den Lösungsweg strukturiert darzulegen. In den letzten Tagen vor dem Auswahltag habe ich täglich selbst Case-Studys gelöst und auch meinen Freunden einige gestellt. Es war dabei sehr hilfreich, auch die Seite des Interviewers einzunehmen.

          Bewerbungsverfahren im Consulting – der berüchtigte Brainteaser

          Am Auswahltag selbst war ich trotz all der Vorbereitung nervös und aufgeregt, aber auch neugierig auf die Stimmung im Unternehmen sowie die Berater und Partner. Zu Beginn des Auswahltages gab es ein Booklet, in dem alle Interviewer vorgestellt wurden. Meine Nervosität hat sich recht schnell gelegt, als ich gesehen habe, dass die Gesprächspartner aufgeschlossene Menschen mit bodenständigen Hobbys sind – nur die wenigsten spielen in ihrer Freizeit tatsächlich Golf. Der Auswahltag gliederte sich in zwei Runden. Die erste Runde bestand aus drei einstündigen Einzelgesprächen. Jeweils die Hälfte der Zeit standen Persönlichkeit und Erfahrungen der Bewerber im Vordergrund. In der anderen Hälfte wurden Fallstudien bearbeitet. Wer die erste Runde überstanden hatte, wurde in die zweite Runde des Auswahltages eingeladen. Hier standen drei Gespräche à 45 Minuten mit Partnern und Principals der Firma, ebenfalls mit Fallstudien, an. „Sie fahren auf der Strecke von Stuttgart nach München mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h. Nun müssen Sie eine Vollbremsung hinlegen. Wie lang ist Ihr Bremsweg?“ Das war die erste Frage in meinem zweiten Gespräch mit einem der Partner. Meine Führerscheinprüfung ist schon eine Weile her – die Bremswegformel hatte ich nicht mehr parat. Ich hatte aber noch im Hinterkopf, dass der Bremsweg in etwa die Hälfte der Geschwindigkeit in Metern sein müsste und habe so erst einmal eine Tendenz abgegeben. Die richtige Antwort wäre 72 Meter gewesen, das heißt die potenzierte Geschwindigkeit durch 200. Die Frage hat mich zwar überrumpelt, aber ich wusste, dass es nicht darum ging, sofort eine perfekte Lösung parat zu haben, sondern eine plausible und strukturierte Antwort zu liefern.“

          Über den Interviewpartner: Suzan Erbil, 25, ist seit dem 1. Januar 2015 Senior Consultant bei Oliver Wyman. Zuvor studierte sie International Management im  Bachelor an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar sowie im Master an der Northeastern University in Boston, USA.

          Fünf Tipps von Karrierecoach Johannes Stärk für Case-Study, Brainteaser & Co

          • Gut zuhören - Aufmerksam zuhören und wichtige Informationen sondieren.
          • Die Situation zusammenfassen - Das Gehörte ruhig noch einmal zusammenzufassen und die Informationen offen strukturieren.
          • Rückfragen stellen - Die Informationen sind oft sehr knapp oder unvollständig. Trauen Sie sich, Rückfragen zu stellen.
          • Laut denken - Die Herangehensweise verbalisieren und den Gesprächspartner am Lösungsprozess teilhaben lassen.
          • Schlussfolgerung - Sich auf ein Ergebnis festlegen und die Lösung noch einmal begründen.

          Quelle: F.A.Z.

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