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Stellenanzeigen : Mein Traumjob: So funktionieren Stellenanzeigen

  • -Aktualisiert am

Stellenanzeigen: Welche Anforderungen gilt es zu erfüllen, um den Job zu bekommen? Bild: Creatas Images/Creatas/Getty Images

Einsatzbereitschaft, Flexibilität, Teamfähigkeit, Kundenorientierung, Mobilität – was bedeuten diese Formulierungen in Stellenanzeigen? Und lohnt sich eine Bewerbung, wenn nicht alle Anforderungen erfüllt werden? Unser Ratgeber: So liest man Stellenanzeigen richtig.

          Stellenanzeigen lesen sich immer als Konglomerat schier unerfüllbarer Anforderungen, gewünschter Eigenschaften und Fähigkeiten des Bewerbers. Das mag manchen abschrecken, aber auf den zweiten Blick zeigt sich dann doch deutlich: alles halb so wild. Zwar gibt es Ansprüche des Arbeitgebers, die man als Muss-Anforderungen erfüllen sollte; es gibt aber auch die „Nice to have“-Kriterien. Das sind Punkte, die ein Bewerber nicht vorweisen muss, sondern die verhandelbar sind.

          Anforderungen in Stellenanzeigen richtig deuten

          Prinzipiell gilt: „Was ganz oben auf der Liste an Erwartungen in der Stellenanzeige steht, ist das Wichtigste. Das muss man vorweisen“, sagt Thomas Hoffmann, Berater bei der Personalvermittlung Robert Half. Einige Beispiele: Verlangt ein international tätiges Unternehmen Englischkenntnisse, ist das ein klares Muss. Wer im IT-Bereich arbeitet und keine Programmiersprache vorweisen kann, hat kaum Chancen auf den Job. Formulierungen wie „zwingend vorausgesetzt“ oder „mindestens“ sind Hinweise auf Anforderungen, bei denen Personaler kaum mit sich diskutieren lassen werden. Etwa wenn laut Anzeige „mindestens drei Jahre Berufserfahrung“ vorausgesetzt werden. „Da macht es überhaupt keinen Sinn, sich ausschließlich mit Praktikaerfahrung zu bewerben“, sagt Hoffmann.

          Optionale Anforderungen sind dagegen zumeist mit der Wortwahl „wünschenswert“, „idealerweise“, „gerne“ oder „von Vorteil“ verbunden. Hoffnungen, dass sich Personaler bei den Anforderungen auf einen Handel einlassen, machen sich Bewerber aber umsonst. „Wer fünf ‚Nice to have‘-Voraussetzungen erfüllt, sich aber für einen Job in einem internationalen Unternehmen ohne Englischkenntnisse bewerben möchte, wird eher nicht eingestellt“, sagt Hoffmann. Der Trost: Letztendlich schaffe es kaum jemand, alle Punkte der Stellenanzeige erfüllen. „Wer 70 Prozent der Anforderungen erfüllt, kann sich in jedem Fall bewerben“, sagt er. 

          Stellenanzeigen: Gibt es einen Code?

          Uneins sind sich Karriereexperten, ob hinter den Formulierungen einer Stellenanzeige ähnlich wie bei Arbeitszeugnissen eine Art Code steckt. Bedeutet die vom Arbeitgeber geforderte „Einsatzbereitschaft“ wirklich, quasi rund um die Uhr für das Unternehmen da zu sein und sein Privatleben zu opfern? Heißt Selbständigkeit, dass man sich seine Aufgaben selbst organisieren muss, weil sich eigentlich niemand für die Einarbeitung zuständig fühlt? Und steckt hinter „Kundenorientierung“, dass man stets auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen habe? Berater Hoffmann rät davon ab, in diese Begriffe zu viel zu interpretieren: „In Anzeigen werden viele Sätze oft als Textbausteine von Personalern übernommen, ohne dass sie sich groß Gedanken machen, was das konkret bedeutet“, weiß er. Das sollte man deshalb nicht überbewerten. So müsse niemand zwingend Überstunden machen, nur weil das Unternehmen laut Jobannonce „Belastbarkeit“ erwarte. Aber natürlich bedeute „Mobilität“ auch, dass der Beschäftigte nicht den gesamten Monat am Schreibtisch sitzen werde. Wer mehr über das künftige Unternehmen erfahren wolle, empfiehlt Hoffmann, könne auf Internetportalen zur Bewertung von Unternehmen auch nach Erfahrungsberichten recherchieren, wie der Arbeitsalltag beim potentiellen Arbeitgeber aussieht.

          Auf Stellenanzeigen schnell reagieren

          Viele Formulierungen in den Stellenanzeigen werden von den Unternehmen auch oft unterschiedlich gehandhabt. „Gutes Englisch“ bedeutet für die einen, dass der Bewerber mit einem Kunden in England verhandeln können müsse; für die anderen, dass er lediglich eine Mail fehlerfrei in englischer Sprache verfassen soll. Hoffmann rät bei Unklarheiten zum Hörer zu greifen. „In einem Telefonat lässt sich klären, was das Unternehmen zum Beispiel genau unter Mobilität versteht, wie viele Tage pro Woche man also unterwegs ist“, sagt er. Hinzu kommt, dass Jobinteressenten mit einem netten Gespräch mit dem zuständigen Vorgesetzten schon mal ein paar Pluspunkte im Bewerbungsrennen sammeln können.

          Für ein aktives Handeln plädiert der Experte auch beim Verschicken der Bewerbungsunterlagen. „Wenn man die Stellenanzeige sieht, kann man sofort die Bewerbung schreiben und verschicken“, sagt er. Eine rasche Reaktion sei weder ein Schnellschuss noch deute es auf eine nachlässige Recherche hin, sondern zeige vielmehr, dass der Bewerber schnell geschaltet habe. „Über eine solche Entschlusskraft freut sich doch jeder Personaler“, sagt er.

          Quelle: F.A.Z.

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