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Karrierenetzwerke : Sehen und gesehen werden

  • -Aktualisiert am

Viele Personaler suchen heute das Netz nach Informationen über Bewerber ab. Doch die gezielte Suche nach dem Privatleben ist rechtlich verboten. Bild: Benjamin Courtault/Sepia

Immer mehr Personaler suchen Online nach Informationen über Bewerber. Rechtlich gesehen muss Privates dabei außen vor bleiben. Doch das klappt nicht immer.

          Fotos von feuchtfröhlichen Partygelagen mit Freunden, von wilden Clubnächten oder dem Kater danach – dank sozialer Netzwerke wie Facebook kann heute die ganze Welt daran teilhaben, da reicht in vielen Fällen ein einfacher Klick auf die Profilseite der Benutzer. Was viele nicht bedenken: Die Freizügigkeit kann zum Verhängnis werden, insbesondere wenn es um den Job geht, für den man sich vielleicht gerade erst beworben hat.

          Denn viele Personaler suchen schon heute das Netz sehr genau nach Informationen über Bewerber ab. Tendenz steigend. So wollen sie sich ein besseres Bild von den Kandidaten machen und prüfen, wer wirklich zum Unternehmen passt. „Immer mehr Unternehmen und Beratungen professionalisieren ihren Recruitingbereich in Richtung eines Active Sourcings. Das heißt, Bewerber müssen sich darauf einstellen, dass Personaler sich zukünftig nach zusätzlichen Infos in sozialen Netzwerken oder Businessnetzwerken umschauen“, bestätigt Jörg Breiski, Personalberater und Vice President bei Kienbaum in München. Man könne zudem davon ausgehen, dass in Zukunft digitale Lösungen zum Einsatz kommen, mit denen man sozusagen auf Knopfdruck eine Vielzahl von Informationen über eine Person gewinnt. Eine gute Nachricht für Bewerber: Von Rechts wegen her dürfen Personaler nicht wahllos nach Informationen im Netz suchen. Und wer auf seine Postings achtet und seine virtuellen Profile gerade in Berufsnetzwerken gut pflegt, kann davon am Ende sogar profitieren.

          Unternehmen informieren sich über Karrierenetzwerke

          Etwa jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) nimmt heute laut einer Bitkom-Umfrage Bewerberseiten im Netz unter die Lupe. Dabei spielten für die Befragten berufliche Netzwerke wie Xing oder LinkedIn eine größere Rolle als Facebook oder Twitter. Teilweise hatte die Recherche direkte Konsequenzen, und Bewerber wurden gar nicht erst zum persönlichen Gespräch eingeladen. Als Grund gaben 90 Prozent der Personalentscheider Widersprüche zu den Bewerbungsunterlagen an. Jeder Dritte berichtete von inkompetenten fachlichen Äußerungen der Kandidaten. „Sinnvoll sind Informationen aus dem Netz, wenn sie Hinweise darauf geben, ob ein Bewerber zum Unternehmen und zur Stelle passt“, erläutert Breiski. Man schaue also zum Beispiel nach fachlichen Kommentaren, allgemeinen Einstellungen und Sichtweisen. So fallen auch bei Kienbaum Bewerber frühzeitig durch das Raster, wenn es im Onlinecheck Unstimmigkeiten gibt.

          Bei Henkel beispielsweise nutzen die Recruiter nach eigenen Angaben ausschließlich Karrierenetzwerke. „Das Internet ist für uns eine ergänzende Möglichkeit, um mehr Informationen über Bewerber zu erhalten und nach bestimmten Profilen zu suchen“, sagt Lena Christiaans, Leiterin Employer-Branding und Recruitment bei dem Familienunternehmen. Auch wenn dort oftmals ähnliche Informationen wie im Lebenslauf im Rahmen der Bewerbung zu finden seien, würden die Berufsnetzwerke trotzdem einen ergänzenden Eindruck des Bewerbers geben. „Wie stellt er sich selbst dar? Hat er vielleicht Interessen und Hobbys angegeben, die in seinem Lebenslauf und Bewerbungsschreiben nicht auftauchen? Aber auch, wie sorgfältig und aussagekräftig ist sein Profil?“ Auch bei General Electric (GE) gehört die Recherche auf Xing und LinkedIn zur täglichen Arbeit, wie Erwin Lebon, Senior Human Resources Manager GE Europe, berichtet. „Private soziale Netzwerke wie Facebook schauen wir uns in der Regel nicht an, aber es kann natürlich vorkommen, dass man mal über Informationen von dort stolpert. Deshalb sollten Bewerber grundsätzlich darauf achten, wie hemmungslos sie sich hier präsentieren wollen“, so Lebon.

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