http://www.faz.net/-i7g-8yuxi

Stellenanzeigen verstehen : Von A wie Anzeigenformat bis Z wie Zwischen den Zeilen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Was man beim Lesen von Stellenanzeigen beachten sollte.

          Anzeigenformat

          Eine Viertelseite in einer großen Print-Tageszeitung kostet ein mittleres Vermögen, entsprechend hochkarätig ist vermutlich auch die ausgeschriebene Stelle. Dafür erwartet man vom Bewerber einschlägige Erfahrung und Führungsqualitäten. Umgekehrt bedeutet das natürlich auch: Hinter einem Zweizeiler – egal, ob Online oder Print – versteckt sich niemals eine hochbezahlte Führungsposition, garantiert! Extrem kleine Anzeigen, die mit ausnehmend attraktiven Bedingungen locken, sollte man daher mit gesunder Skepsis lesen.

          Befristung

          Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum eine Arbeitsstelle auf ein oder zwei Jahre befristet sein kann, zum Beispiel weil es sich um eine Schwangerschaftsvertretung handelt. In kleinen Unternehmen bedeutet das oft, dass nach Ablauf der Befristung keine alternative Position frei wird, egal, wie gut man sich am Arbeitsplatz bewährt hat. In der Wissenschaft und Forschung sind Stellen hier und da an Fördergelder geknüpft. Laufen diese aus – aus Gründen, die weder der Arbeitgeber noch der Arbeitnehmer beeinflussen können –, ist auch der Arbeitsplatz weg

          Duzen

          Du oder Sie? Das hat nicht nur mit der Altersklasse, sondern auch mit der Firmenkultur zu tun. Das Du wirkt irgendwie nett und klingt zugegebenermaßen nach flachen Hierarchien und lockerer Kleiderordnung, aber leider nicht nach Topverdienst.

          Englische Berufsbezeichnungen

          Auf Englisch klingen Jobtitel gleich doppelt so wichtig: Aus dem Hausmeister wird so der Maintenance Manager, und die Bedienung im Café macht als Service Specialist auch viel mehr her. Auch der Executive Assistant entspricht nicht unbedingt einem Führungsposten, sondern auch mal dem Bürogehilfen. Im Gastgewerbe arbeitet man seit langem mit demselben Trick, allerdings auf Französisch. Der Commis de Rang klingt weitaus weniger nach Plattfüßen und heißem Fett als der Jungkellner. Kurzum, bei fremdsprachigen Worthülsen lohnt es sich noch ein bisschen mehr, auf die Tätigkeitsbeschreibung zu achten.

          Floskeln

          Genauso wie sich Bewerber gern als belastbar, flexibel und kommunikationsstark bezeichnen, greifen auch Arbeitgeber bei der Kreation von Stellenanzeigen zu Floskeln. Werden Selbstverständlichkeiten wie ein angenehmes Betriebsklima, interessante Aufgaben oder das nette Team stark betont, dann fehlte es dem Texter an Phantasie – oder gibt es vielleicht zu wenig Positives über die Stelle zu sagen?

          Internationales Umfeld

          Das internationale Umfeld umweht ein Hauch von Weltgewandtheit und spannender Arbeit. Allerdings sollte man sich vorher erkundigen, welches kulturelle Umfeld genau gemeint ist. Es macht durchaus einen Unterschied, ob man für eine französische oder japanische Firma arbeitet. Und dies nicht nur in kultureller Hinsicht: Konkret kann das nämlich auch bedeuten, dass man freitags bis 22 Uhr bleiben muss, weil sonst der Kunde in den Vereinigten Staaten nicht erreichbar ist. Frühaufsteher sind besser in Firmen mit Asien-Kontakt aufgehoben, denn dank der Zeitverschiebung finden internationale Meetings am deutschen Vormittag statt.

          Plus-Eigenschaften

          Neben den Grundvoraussetzungen, die wirklich nicht verhandelbar sind, geben potentielle Arbeitgeber gern auch all jene Eigenschaften und Fähigkeiten an, die der ideale Bewerber haben sollte. Davon muss man sich nicht verrückt machen lassen, denn niemand hat mit 25 Jahren einen MBA, bereits zehn Jahre Berufserfahrung, spricht drei Fremdsprachen perfekt und hat nebenbei auch noch zwei Praktika bei internationalen Organisationen absolviert. Wenn man über rund drei Viertel der geforderten Plus-Eigenschaften und Kenntnisse verfügt, sollte man sich trotzdem bewerben.

          Zwischen den Zeilen

          Improvisation, Organisationstalent, Belastbarkeit, Flexibilität, eigenverantwortliches Arbeiten, leistungsorientiert … Das sind alles rundum positive Begriffe. Tauchen sie allerdings gehäuft in einer Stellenanzeige auf, dann handelt es sich entweder um eine Position mit ausgesprochen viel Eigenverantwortung oder um einen unorganisierten Betrieb, der dringend mal auf Vordermann gebracht werden müsste. Vom neuen Mitarbeiter natürlich.

          Quelle: F.A.Z

          Topmeldungen

          Suche nach U-Boot : Flugzeug entdeckt Objekt auf Meeresgrund

          Bei der Suche nach dem vermissten argentinischen U-Boot sind die Retter laut Medienberichten auf eine Wärmequelle in 70 Metern Tiefe gestoßen. Wegen des Sauerstoffmangels spricht die Marine von einer „kritischen Phase“.

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Der Jeep des Überläufers bleibt stecken.

          Korea-Konflikt : Video zeigt Jagd auf nordkoreanischen Soldaten

          Das Kommando der Vereinten Nationen in Südkorea wirft dem Norden vor, bei der Jagd auf einen Überläufer den Waffenstillstand gebrochen zu haben. Zum Beweis veröffentlicht es Videoaufnahmen, die an einen Actionfilm erinnern.
          Die Runde von Sandra Maischberger

          Talk-Kritiken : Im Beichtstuhl des Bundespräsidenten

          Nach dem vorläufigen Scheitern von Jamaika ist der Bundespräsident Herr des Verfahrens. Die Debatten in Talkshows zeigen: Auf das Staatsoberhaupt wartet keine leichte Aufgabe.