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Rechte im Praktikum : Welche Rechte haben Praktikanten?

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Rechte im Praktikum: „Der Ausbildungszweck steht im Vordergrund“, sagt Arbeitsrechtsanwalt Volker Vogt. Bild: Goodluz/iStock/Getty Images

Im Praktikum gibt es Rechte und Pflichten, an die sich Arbeitgeber und Praktikanten halten müssen. Welche sind das? Und welche Unterschiede gibt es zwischen freiwilligen und Pflichtpraktika?

          Der Praktikumsplatz ist gesichert, der erste Arbeitstag rückt näher – und damit kommen viele Fragen auf. Praktikanten stehen in einem Arbeitsverhältnis der besonderen Art. Denn so etwas wie ein Praktikumsgesetz gibt es in Deutschland nicht. Trotzdem gelten Praktika offiziell als berufliche Tätigkeit, die der Berufsfindung und Berufsbildung dient. Und damit gehen natürlich auch bestimmte Rechte und Pflichten für Praktikanten – und Arbeitgeber – einher.

          „Beim Praktikumsverhältnis steht der Ausbildungszweck und nicht die Erbringung von Arbeitsleistungen im Vordergrund“, erklärt Arbeitsrechtsanwalt Volker Vogt aus Hamburg. Unternehmen und Organisationen verpflichten sich also, Praktikanten die Gelegenheit zu geben, sich Wissen und Erfahrung anzueignen. Kaffee kochen, kopieren und andere Hiwi-Jobs sind damit nicht gemeint. 

          Rechte im Praktikum: Unterscheidung zwischen freiwilligen und Pflichtpraktika

          Es muss jedoch zwischen freiwilligen und Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums oder der Ausbildung unterschieden werden. „Während bei Pflichtpraktika in der Regel weder ein Ausbildungs- noch ein Arbeitsverhältnis mit dem Unternehmen zustande kommt, ergeben sich die Rechte und Pflichten bei einem freiwilligen Praktikum entweder aus dem Praktikumsvertrag oder mit Einschränkungen aus dem Berufsausbildungsgesetz“, so Vogt. Und: Pflichtpraktikanten müssen auch nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns nicht bezahlt werden. Wenn sie doch ein Gehalt bekommen, müssen daraus aber keine Beiträge zur Sozialversicherung gezahlt werden – und im Krankheitsfall muss der Arbeitgeber das Gehalt auch nicht fortzahlen.

          Anders ist das bei freiwilligen Praktika. Sie gelten als normale Arbeitsverhältnisse, fallen unter die Regelung zum gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde, und es müssen Rentenversicherungs- und weitere Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden. Freiwillige Praktikanten haben außerdem Anspruch auf Urlaub, Lohnfortzahlung bei Krankheit und ein qualifiziertes Zeugnis, genau wie andere Arbeitnehmer auch.

          Auch wenn ein Praktikum als normales Arbeitsverhältnis eingestuft wird, dürfen Praktikanten von Unternehmen nicht ausgenutzt werden. Das bedeutet, die Arbeitszeit darf grundsätzlich acht Stunden am Tag nicht überschreiten. Praktikanten, die beispielweise in Krankenhäusern, beim Rundfunk, der Feuerwehr oder im Gastronomiebereich auch am Wochenende eingesetzt werden, haben einen Anspruch auf einen Ausgleichstag unter der Woche.

          Rechte im Praktikum: Zur Sicherheit ein Vertrag

          Weder für Pflichtpraktika noch für freiwillige Praktika ist ein schriftlicher Vertrag vorgeschrieben. Das Bundesarbeitsministerium rät Praktikanten aber dazu, einen solchen mit ihrem Praktikumsgeber abzuschließen. So können Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit, Aufgabenbereiche, erwartete Leistungen und Entlohnung festgehalten werden. Bei Pflichtpraktika ist die Art der Tätigkeit oft im Rahmen der Studienordnung geregelt. Trotzdem kann ein Vertrag hilfreich sein.

          Das hilft vor allem dann, wenn das Praktikum sich als etwas anderes entpuppt, als vorher abgesprochen war. Wenn Praktikanten das Gefühl haben, nicht wirklich etwas zu lernen, sondern als Arbeitskraft missbraucht zu werden, dann widerspricht das dem Vertrag. Rechtsexperte Vogt spricht hier von einem „Scheinpraktikum“ und warnt: „Das kann neben einer möglichen Ungültigkeit des Vertrages finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen, beispielsweise die Nachzahlung von Vergütungsansprüchen. Der Arbeitgeber trägt dann die Beweislast dafür, dass der Ausbildungszweck des ‚Praktikums‘ deutlich überwiegt und der Praktikant nicht als Arbeitnehmer eingesetzt wird.“

          Praktikanten haben aber auch Pflichten gegenüber ihrem Arbeitgeber: Sie sind beispielsweise verpflichtet, die Treue zu halten, also keine Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse auszuplaudern – auch wenn das Praktikum beendet ist. Zudem verhindert die Schweigepflicht, dass Praktikanten personenbezogene Daten weitergeben. Ein Verstoß kann sogar strafrechtliche Folgen haben.

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