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Der Bewerbungscoach : „Wie bekomme ich meine Bewerbungsmappe zurück?“

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Bild: Sylvia Wolf

Jochen Mai ist Karriereberater und Autor zahlreicher Bücher. Im Hochschulanzeiger nimmt er sich in jeder Ausgabe einer Bewerbungsfrage an.

          „Herr Mai, vor einiger Zeit habe ich mich auf eine Stellenanzeige beworben. Inzwischen erhielt ich allerdings von der Personalabteilung des Unternehmens eine Absage. Obwohl ich daraufhin per E-Mail um eine Rücksendung meiner Bewerbungsmappe bat, habe ich diese bis heute nicht erhalten. Was kann ich tun, um sie tatsächlich wiederzubekommen?“, fragt Boris B.

          Zunächst können Sie dankbar sein, überhaupt eine Absage erhalten zu haben. Immer mehr Bewerber hören – leider – nie wieder etwas von den Arbeitgebern. Das ist eine zunehmende Unsitte. Aber natürlich haben Sie einen Anspruch darauf, Ihre Unterlagen zurückzubekommen. Das Bundesdatenschutzgesetz (§ 35 Abs. 2 Nr. 3) sagt klar, dass personenbezogene Daten zu löschen sind, sobald der Zweck dafür entfällt. Da Sie nun abgelehnt wurden, entfällt auch der Zweck.

          Einzig aus dem Grund, sich vor einer möglichen Diskriminierungsklage zu schützen, dürfen die Unternehmen eine Mappe rund drei Monate aufbewahren. Denn abgelehnte Bewerber müssen mögliche Ansprüche, die auf dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) beruhen, spätestens nach zwei Monaten geltend machen. Für eine Speicherung darüber hinaus benötigen die Unternehmen die schriftliche Einwilligung des Betroffenen. Liegt diese nicht vor oder antworten sie auf ein Schreiben wie Ihre E-Mail nicht, müssen die Bewerbungsunterlagen gelöscht oder – wie es so schön heißt – „zu unserer Entlastung“ zurückgesandt werden.

          Sie könnten jetzt also die rund drei Monate abwarten oder erneut um Rücksendung bitten und sich dabei auf das Bundesdatenschutzgesetz berufen. Ich empfehle aber, dies stets diplomatisch und freundlich zu tun. Die Unterlagen können Sie ohnehin nicht wieder verwenden, da Anschreiben und Lebenslauf stets individuell verfasst und auf die jeweilige Stelle zugeschnitten werden sollten. Abgegriffene Mappen sehen auch nicht gerade wertig aus. Und wer weiß, vielleicht wollen Sie sich in ein paar Jahren doch noch mal hier bewerben. Besser, wenn man Sie dann in guter Erinnerung hat.

          Jochen Mai ist Karriereberater, Autor zahlreicher Bücher sowie Gründer und Chefredakteur der Karriereplattform karrierebibel.de. Im Hochschulanzeiger nimmt er sich in jeder Ausgabe einer Bewerbungsfrage an.

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          Quelle: F.A.Z

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