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Was ist Active Sourcing? : „Wie wär’s mit einem Job?“

  • -Aktualisiert am

Bild: Sylvia Wolf

Immer mehr Unternehmen suchen heute im Internet nach den richtigen Kandidaten und sprechen sie dort auf Jobmöglichkeiten an. „Active Sourcing“ heißt die Methode. Was steckt dahinter, und wie reagiert man auf Anfragen richtig?

          Es scheint ganz klar: Wer einen Job will, muss zunächst mit seiner Bewerbung bei einem potentiellen neuen Arbeitgeber vorstellig werden. Nicht so bei Daniel Freitag, im Gegenteil: Sein aktueller Arbeitgeber, der Pharma- und Chemiekonzern Bayer, schrieb zuerst ihn an, um ihm eine Mitarbeit im Unternehmen schmackhaft zu machen. So arbeitet der 31-Jährige mittlerweile seit Oktober 2015 als Laborleiter in der Abteilung Disease Genomics des Konzerns und forscht an Präparaten zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Davor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universtität in Cambridge, an der er als Biomediziner auch seinen Doktor gemacht hatte.

          Zustande kam der Kontakt über das Businessnetzwerk Linkedin. Freitag besitzt bei der Online-Plattform schon länger ein Profil, das alle seine bisherigen Stationen während des Studiums auflistet. „Ich hatte immer gehofft, dass mich irgendwann ein Unternehmen über das Netzwerk mit einem interessanten Jobangebot ansprechen würde“, berichtet Freitag. Anfragen von verschiedenen Firmen bekam er dabei immer wieder, wirklich interessant fand er bis zur Anfrage von Bayer aber keine. „Was mir die Bayer-Recruiterin in ihrer Nachricht schrieb, klang dagegen tatsächlich spannend, auch weil es genau zu meinem Schwerpunkt der Kreislaufforschung passte.“

          Viele Unternehmen sprechen heute die richtigen Fach- und Nachwuchskräfte direkt an. Firmeneigene Personaler und externe Recruiter werden losgeschickt, um im Internet nach Kandidaten zu suchen. „Active Sourcing“ heißt die Methode im Fachjargon. Grund für die Vorgehensweise ist unter anderem der Fachkräftemangel. Dadurch sind die guten Leute meist auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr verfügbar, und von selbst schauen sich die wenigsten nach anderen Arbeitsangeboten um. „Gerade im Ingenieurs-, Elektronik- und Medizinbereich werden deshalb häufig schon junge Leute noch während ihres Studiums von Firmen angeschrieben, ob sie nicht Interesse an einer Stelle haben“, weiß Peer Bieber, Geschäftsführer des Recruitingunternehmens Arbeitgebergold. Für Studenten und Uniabsolventen heißt das: Wer sich auf mögliche Anfragen richtig vorbereitet, hat gegenüber Mitbewerbern einen deutlichen Vorteil, wenn es um den schnellen Berufseinstieg geht.

          Schlüsselwörter im Profil nennen

          Wichtigster Schritt dahin ist, Präsenz in den zwei großen Businessnetzwerken Xing und Linkedin zu zeigen, denn diese gelten heute als Hauptschauplätze für suchende Recruiter und Personaler. Xing wird dabei vor allem für Jobs im Inland genutzt, während es auf Linkedin meist um internationale Stellen geht. Sein Profil hier in englischer Sprache einzustellen ist deshalb durchaus sinnvoll. Anfragen über Facebook gelten dagegen in den wenigsten Fällen als seriös.

          Um interessante Leute zu finden, filtern Active Sourcer die Mitgliederlisten in den Netzwerken in der Regel zunächst nach Schlüsselwörtern. Entsprechend dem Jobangebot können dazu Fachgebiete, Methodenkenntnisse und Fremdsprachen zählen. Wer sich beim Benennen der richtigen Keywords für sein Profil schwertut, kann Stellenausschreibungen zu Hilfe nehmen, auf die man sich bewerben würde, raten Karriereexperten. Denn unter den geforderten Kompetenzen ließen sich in der Regel genau die Hard Skills finden, die auch für die Online-Suche genutzt werden.

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