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Berufseinstieg Banken : Auf der Suche nach IT-affinen Bankern

  • -Aktualisiert am

Bild: Picture alliance / AP Photo

Banken haben derzeit nicht das beste Image, viele Kreditinstitute müssen sparen und bauen Arbeitsplätze ab. Dennoch ergeben sich für Berufseinsteiger viele Jobchancen – vor allem dank der zunehmenden Digitalisierung der Geschäftsmodelle.

          Banken machen derzeit viele Schlagzeilen – vor allem negative. Die beiden größten deutschen Geldhäuser, Deutsche Bank und Commerzbank, schnitten beim jüngsten Stresstest der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA nur mäßig ab, kamen unter 51 Banken nur unter die schwächsten zehn. Die Aktienkurse der beiden Unternehmen sind seit langem auf Talfahrt. Die anhaltend schwache Ertragslage bekommen auch die Mitarbeiter zu spüren, die Deutsche Bank etwa wird in den kommenden Jahren in Deutschland mehr als 180 Filialen schließen und damit ihr Filialnetz hierzulande um rund ein Viertel verringern.

          Kein Wunder, dass das Image der Banken auf dem Arbeitgebermarkt zuletzt gelitten hat: „Es ist spürbar, dass die Finanzbranche für Absolventen nicht mehr so attraktiv ist wie früher“, sagt Anke Kirn, Leiterin Personalgewinnung und -entwicklung der Deutschen Bank. Umso mehr müssen sich die Recruiter ins Zeug legen, neue Mitarbeiter zu finden, die nach dem Studium bei ihnen anheuern wollen.

          Eine der größten Branchen

          Trotz der Probleme haben Banken als Arbeitgeber nach wie vor einiges zu bieten, die Branche zählt mit rund 600.000 Beschäftigten zu den größten des Landes. „Damit ist sie auch als Arbeitgeber attraktiv, denn die Vielfalt der Jobs und Karrierewege ist nach wie vor groß“, sagt Achim Steinhorst, Bankenexperte der Personalberatung Kienbaum. Zumal Berufseinsteiger eine gute Ausgangsposition haben, um über Konditionen zu verhandeln. „Wir haben in der Branche derzeit einen Arbeitnehmermarkt. Der Ruf der Banken hat Schaden genommen, sie müssen um helle Köpfe kämpfen“, sagt Steinhorst. „Personalentwicklungsprogramme sollen dabei helfen, Banken als Arbeitgeber wieder attraktiver zu machen.“

          Die Bankenbranche wandelt sich wie nie zuvor. „Viele externe Faktoren wie ein steigender Wettbewerb, Kostendruck, Technisierung und eine extrem verstärkte Regulierung werden die Branche auf absehbare Zeit prägen und erfordern ein ständiges Anpassen der Strategien der Geldhäuser und damit auch der Beschäftigten selbst“, sagt der Kienbaum-Experte. „Mit diesen Veränderungen müssen Berufseinsteiger bei Banken künftig dauerhaft leben.“

          Vor allem die immer schneller voranschreitende Digitalisierung krempelt die Geschäftsmodelle der Geldhäuser um. Längst erledigen mehr als die Hälfte der Deutschen ihre Finanztransaktionen online, beobachtet der Bundesverband deutscher Banken. Diese Verlagerung der Nutzungswege der Kunden weg von der Filiale hat massive Konsequenzen, viele Kreditinstitute dünnen ihr Filialnetz ebenso wie die Deutsche Bank aus und bauen Stellen ab. Zudem müssen Banken Risiken in ihren Bilanzen reduzieren, strengere Eigenkapitalvorschriften der Finanzaufsichtsbehörden beachten und Kosten senken, weil das aktuelle Niedrigzinsumfeld die Margen in wichtigen Geschäftsfeldern wie Kreditvergabe und Geldanlage schmelzen lässt. Obendrein ist die einstige Paradedisziplin, das Investmentbanking, vor allem bei der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren unter die Räder gekommen. „Die Verdienstmöglichkeiten im Investmentbanking sind zwar nach wie vor sehr gut, aber die meisten Geldhäuser haben in dem Bereich erheblich Stellen abgebaut und werden das fortsetzen“, sagt Steinhorst.

          Der klassische Banker wird abgelöst

          Der Wandel in der Bankenlandschaft bietet jungen Mitarbeitern aber auch Chancen: „Im Banking findet gerade eine Industrialisierung der Geschäftsprozesse statt, die Geldhäuser automatisieren vielerorts Abläufe und Dienstleistungen“, beobachtet Steinhorst. „Diese stark zunehmende Technisierung bietet viele spannende Jobs. Vor allem im Vertriebsmanagement, in IT, Service und Beratung, im Kundenmanagement und in der Prozessoptimierung schaffen die Banken neue Stellen“, sagt der Bankenexperte. Allerdings müssten sich Bewerber für viele dieser neuen Jobs von der Vorstellung des klassischen Bankers lösen, der ausschließlich BWL und Finanzen beherrscht. „Wirtschaftsinformatiker haben gute Chancen, aber auch Wirtschaftspsychologen sind gefragt“, sagt Steinhorst.

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