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Blick in die Automobilbranche : Automobile Zeitenwende

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Der Elektrobulli BUDD-e von VW: Die Entwicklung von Elektroautos wird vor allem durch die Konkurrenz aus Amerika gepusht. Bild: picture alliance / AP Images

Die Entwicklung von Elektroautos wird gepusht. Das autonom fahrende Auto macht Fahrer zu Nutzern und Hersteller zu Mobilitätsdienstleistern.

          Nun ist sie also da, die Kaufprämie. Seit Mai bekommen Neuwagenkäufer in Deutschland 4.000 Euro Zuschuss, wenn sie sich für ein Elektroauto entscheiden. Bund und Hersteller füllen den Fördertopf je zur Hälfte; Kritikern stößt die Subventionierung der Autobranche sauer auf. Zeitgleich mit Bekanntgabe der Kaufprämie gab die Regierung ihr Ziel auf, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen. Für die hiesige Automobilindustrie ist der Stotterstart der Stromer kein Ruhmesblatt.

          Deutschland will Leitmarkt für E-Mobilität sein. Die deutsche Autobranche sieht sich als Leitanbieter für Elektroautos. Doch der attraktivste Stromer kommt derzeit aus dem Silicon Valley. Mit dem Model S hat der kalifornische Autobauer Tesla schon 2012 ein Traumauto auf die Räder gestellt. Das Design und die Leistung sind beeindruckend: Reichweite, Qualität und Sicherheitsmerkmale können sich sehen lassen. Damit entkräftet Tesla Vorurteile, mit denen Elektroautos hierzulande kämpfen. Mehr noch: Die Konnektivität des Model S ist zukunftsweisend. Es mag aktuell noch ein Nischenmodell mit Schwächen sein. Aber Tesla-Chef und Visionär Elon Musk hat damit gezeigt, was schon machbar ist, wenn man denn will. Tesla will – und hat kurzerhand begonnen, ein eigenes Netz aus Schnellladestationen zu bauen. Mut und Risikofreude der Kalifornier taugen für die deutschen Hersteller zum Vorbild. Denn was 130 Jahre, nachdem Carl Benz das erste Automobil gebaut hat, auf die erfolgsverwöhnten deutschen Autobauer zurollt, wird die Branche umkrempeln.

          Die deutschen Hersteller fahren durchaus auch elektrisch – aber mit angezogener Handbremse. E-Modelle anzubieten, schien bisher eher eine Pflichtübung zu sein. Halbherzig wurde manchem Modell ein elektrischer Antriebsstrang implantiert. Nur der i3 von BMW mit Karbonkarosserie wurde komplett als Elektrofahrzeug konzipiert. Bislang scheuten die deutschen Autobauer diese kostspielige, aber notwendige Entwicklungsarbeit. Jahrelang wurde vor allem darauf gewartet, dass von anderer Seite Infrastruktur oder Kaufanreize geschaffen werden. Leitanbieter? Bedingt. Leitmarkt? Nein.

          Glänzende Umsatzzahlen bei den Autobauern

          Aktuell steht die deutsche Autoindustrie glänzend da. Volkswagen war im ersten Quartal 2016 größter Autobauer der Welt, Daimler verkaufte 2015 mehr Autos denn je, BMW fuhr seinen bisher höchsten Gewinn ein, Audi vermeldete einen Absatzrekord und das einstige Sorgenkind Opel nimmt wieder Kurs auf die Gewinnzone. Die Umsatzmarke von 400 Milliarden Euro wurde geknackt. Drei von vier in Deutschland produzierten Autos gingen 2015 ins Ausland: mehr als 4,4 Millionen. Für die deutsche Wirtschaft hat die Autobranche überragende Bedeutung, bot 2015 fast 800.000 Menschen Arbeit.

          Doch es gibt Probleme. Seit Herbst 2015 schwelt der Abgasskandal. Längst sind nicht nur VW, Audi und Porsche betroffen, sondern auch Mercedes und Opel. Abgesehen vom finanziellen Schaden kostet das Reputation und Vertrauen. Was noch Ausreizen rechtlicher Grauzonen, und was bereits Manipulation ist, dürfte in der öffentlichen Wahrnehmung letztlich zweitrangig sein. Im Gedächtnis bleibt: Die Autobauer haben zum Nachteil der Kunden gehandelt.

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