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Zulieferbranche : An der Zukunft schrauben

  • -Aktualisiert am

Bild: Picture alliance/Ulrich Baumgarten

Unsere Mobilität wird sich in Zukunft verändern: erstens durch emissionsarme Antriebe und zweitens durch die stärkere Vernetzung von Fahrzeugen. Fachkräfte, die diese Megatrends vorantreiben, sind in der Zuliefererbranche gesucht.

          „Wer sich für Technik interessiert und zusätzlich IT oder Elektrotechnik beherrscht, wird bei den Autozulieferern einen guten Einstieg haben“, ist sich Eckehart Rotter, Pressesprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA), sicher. Und was spannende Stellen betrifft, haben seine rund 500 Mitgliedsunternehmen aus der Zuliefererindustrie ein sehr attraktives Angebot. Drei der fünf weltweit größten Teilelieferanten kommen aus Deutschland: Bosch, ZF Friedrichshafen und Continental. Schon allein wegen ihrer Bedeutung und der großen Anzahl an Zulieferern kommen technische Absolventen fast nicht um einen Job bei einem Lieferanten oder einem Lieferanten des Lieferanten herum. Die kleineren Unternehmen in der Lieferkette sind sogar meist sehr geschätzt, denn die zu 80 Prozent mittelständischen Unternehmen bieten vielseitige Arbeitsplätze in innovativem Umfeld, einen internationalen Austausch und ordentliche Gehälter.

          Johannes Kern hatte einen schnellen und angenehmen Einstieg in die Autozuliefererwelt. Über den Ingenieurdienstleister Brunel bekam der heute 34-Jährige binnen weniger Wochen den ersten Job als Elektroingenieur. Heute arbeitet der studierte Wirtschaftsingenieur mit Fachrichtung Elektrotechnik bei Messring Systembau. Die Firma plant und baut Anlagen für die Crashtests der Autobauer. Bei einem Projekt, das die Herstellung verschiedener Komponenten automatisieren soll, ist Kern einer der Projektverantwortlichen. „Dabei helfen mir natürlich meine technischen Kenntnisse als Ingenieur und meine Kenntnisse der Elektrotechnik. Aber hier sind auch kaufmännische Fähigkeiten gefragt“, sagt er. So arbeitet Kern mit Kostenkalkulationen und Rechnungen – und vor allem mit vielen Menschen, die Teilaufgaben innerhalb des Projekts durchführen. „Die kommunikative Seite in so einem Job ist nicht zu vernachlässigen“, hat der Ingenieur mit Berufsausbildung zum Energieelektroniker in der Anlagentechnik die Erfahrung gemacht.

          Mit seiner Ausbildung und der Berufserfahrung sowie dem Bachelor im Wirtschaftsingenieurwesen sei es leicht gewesen, eine Stelle zu bekommen. Der junge Mann arbeitet gern für Messring im Auftrag von Brunel. Mit seinem Gehalt ist er, entgegen der Vorurteile gegenüber Zeitarbeitsfirmen, sehr zufrieden. Insgesamt fühlt er sich auch von den Kollegen nicht anders behandelt als ein beim Zulieferer Festangestellter. „Ich schätze auch die Flexibilität, die ich habe. Wenn ich an anderer Stelle Berufserfahrung sammeln möchte, ist der Wechsel sehr unkompliziert“, so Kern. Messring selbst strebt eine langfristige Zusammenarbeit mit ihm an. Die erste Chance auf Übernahme hat Kern spätestens nach einem Jahr. So stehen ihm für die Zukunft alle Wege offen.

          Klassische Innovationsfelder sieht Eckehart Rotter vom VDA in den Bereichen Elektromobilität, Fahrerassistenzsysteme sowie vernetztes und fahrerloses Fahren. „Wer sich in einem dieser Innovationsfelder auskennt, bekommt einen guten Job“, bekräftigt der Sprecher. Dabei seien Arbeitsplätze beim Autobauer direkt nicht unbedingt einer Karriere beim Zulieferer vorzuziehen. Denn die mittelständischen Betriebe punkten mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, schnellen Aufstiegschancen und flachen Hierarchien. „Viele Zulieferer sind ‚Hidden Champions‘ und in ihrem Gebiet Weltmarktführer. Fürs Karrieremachen müssen es nicht immer nur die großen Namen sein“, weiß Rotter. Außerdem sei es seiner Erfahrung nach gang und gäbe, dass sich Fachkräfte innerhalb ihrer rund 40 Jahre Berufstätigkeit auch mal anders orientieren und vom Autobauer zum Lieferanten wechseln. „Schließlich arbeiten beide Parteien sehr eng zusammen und ergänzen sich. Da ergeben sich schnell neue Kontakte und Jobchancen.“

          Umsatz steigt weiter an

          Ausgehend von den Entwicklungen der vergangenen Jahre fällt die Prognose einer Studie des Strategieberaters Berylls für die Autozulieferer im Jahr 2016 positiv aus. Gegenüber 2014 stieg der Umsatz der Zulieferer im vergangenen Jahr um 13,7 Prozent auf 789 Milliarden Euro – der höchste Anstieg seit 2010. Der deutsche Anteil stieg um deutliche 18,8 Prozent auf 175 Milliarden Euro. Die gute Entwicklung ist unter anderem auf Übernahmen zurückzuführen. So konnte sich ZF Friedrichshafen durch die Akquise von TRW von Platz elf 2014 auf Rang sechs im vergangenen Jahr verbessern (Umsatz 2015: 27,4 Milliarden Euro). Und Branchenprimus Bosch konnte sich die Poleposition nicht zuletzt aufgrund der abgeschlossenen Übernahmen von ZF Lenksysteme und dem Batterie-Start-up Seeo sichern.

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