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Fintechs im Fokus : Berlin bewegt am meisten

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Hubraum Berlin: Der dort regelmäßig stattfindende Fintech-Stammtisch hat sich als Netzwerktreffen etabliert. Bild: Mike Auerbach

Die deutsche Fintech-Branche wächst – nicht nur in der Hauptstadt. Doch dort entstehen noch immer die meisten Gründungen. Ein Einblick in den digitalen Finanzsektor, dem junge, innovative Mitarbeiter willkommen sind.

          Am Anfang waren es gerade einmal 20 Leute, die sich im Berliner Hubraum – dem Start-up-Laboratorium der Deutschen Telekom – zu einem speziellen Stammtisch trafen, den Susanne Krehl, Marketingchefin von Barzahlen.de, und Juliane Wolff von Mastercard organisiert hatten. Es ging um Fintech-Themen; darum, wie die neue digitale Welt mit den etablierten Finanzprodukten zusammenwachsen kann. Heute, vier Jahre später, sitzt dichtgedrängt die sechsfache Zahl an Teilnehmern im Saal. Der Fintech-Stammtisch gilt als Netzwerktreffen, auf dem man sich nicht nur über die neuesten Trends austauscht, sondern auch zahlreiche Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern in der Branche anbahnt. Dabei ist es nicht gerade ermutigend, was die beiden Referenten Andreas Haupt und Clas Beese erzählen: Sie berichten vom Scheitern ihrer Fintech-Start-ups Yapital und Finmar. Andreas Haupt etwa wollte mit Yapital einen Angriff auf den Platzhirsch der elektronischen Bezahlsysteme, Paypal, starten, was gründlich schiefging. Der Neugier der Teilnehmer tut dies keinen Abbruch: Längst haben die beiden Entrepreneure neue Fintech-Start-ups gegründet, das Scheitern als neue Chance begriffen und damit den Jobmotor Fintech weiter angetrieben.

          Dynamik vor allem in den Metropolen

          Die digitale Revolution im internationalen Finanzwesen begann zwischen 2006 und 2008 mit dem Thema Crowdfunding. Viele kleine Anleger finanzierten Projekte, Start-ups und Unternehmen erfolgsabhängig gegen einen gewissen Zinssatz oder eine Courtage – ganz ohne Bank, nur im Netz. Es war der Beweis, dass mit dieser Technologie Massenmärkte bedient werden konnten. London ist nach wie vor das Herz der Finanzbranche – auch in Zeiten der Digitalisierung – und bietet die besten Karrierechancen, weil dort sowohl die Behörden als auch die Finanzindustrie die Chancen für eine Verjüngung des Finanzplatzes gesehen und den kreativen Gründern keine Steine in den Weg gelegt haben. Hinter London folgen Skandinavien und Paris, dann die Finanzplätze Zürich und Genf, das Silicon Valley und erst danach Berlin als der erste deutsche Standort. Doch der holt weiter auf. Ende 2016 gab es laut einer Studie der Comdirect-Bank über 540 Fintech-Start-ups in Deutschland. Mit rund 180 Start-ups in der Fintech-Branche rangiert Berlin unangefochten auf Platz eins, danach folgen München, Hamburg und Frankfurt am Main. „Berlin spielt, was Fintech-Gründungen angeht, im Vergleich zu anderen deutschen Städten in einer anderen Liga“, sagt Arno Walter, CEO von Comdirect. „Doch in Zukunft sollte man auch mit den anderen Metropolen rechnen, da herrscht viel Bewegung.“ Insbesondere die Bankenmetropole Frankfurt am Main weist die größte Wachstumsdynamik aller deutschen Standorte auf. Die neue Dynamik hat ihren Hintergrund in der Finanzkrise. „Nach dem Lehman-Zusammenbruch war die gesamte Branche mit anderen Dingen beschäftigt, insbesondere mit dem Aufstocken der Kapitalpuffer und mit regulatorischen Themen“, sagt Markus Becker-Melching vom Bundesverband deutscher Banken. „Für Innovationen blieben bei den Aufräumarbeiten zunächst nur wenig Luft und Zeit.“

          Sektoren
          Anzahl der aktiven Start-ups im Fintech-Bereich nach Kategorien
          Quelle: comdirect.com, 2016
          Fintechs in Zahlen
          Laut einer Studie der Comdirect-Bank gab es Ende 2016 rund 540 Fintech-Start-ups in Deutschland.

          Die meisten davon, 145, waren im Bereich Proptech angesiedelt, boten also Dienstleistungen rund um die Immobilienbewertung und -finanzierung an. Weitere 130 Start-ups beschäftigten sich mit Finanzierungsthemen.

          52 Start-ups waren im Bereich Insurtech tätig, also in der Versicherungswirtschaft. Seit 2012 flossen über eine Milliarde Euro Venture Capital in Fintechs.
          Standorte in Deutschland
          Anzahl der Start-ups im Fintech-Bereich nach Standorten
          Quelle: comdirect.com, 2016

          Umso mehr geben die Großbanken jetzt Gas: Im vergangenen Jahr eröffnete die Deutsche Bank ein eigenes Entwicklungszentrum für digitale Bankprodukte. In der Digitalfabrik in Frankfurt am Main arbeiten derzeit 400 Softwareentwickler, IT-Spezialisten und Finanzfachleute. Weitere 50 Arbeitsplätze kommen von Fintech-Start-ups, die sich dort angesiedelt haben. „Bis 2018 wollen wir hier die Kapazität auf 800 Mitarbeiter ausbauen“, so Christian Sewing, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bank. Der Branchenprimus steht unter Druck: „Die Zahl erfolgreicher Anbieter im Bankgeschäft wird kleiner, die schnellsten unter ihnen werden Marktanteile gewinnen“, sagt Sewing. Auch die Deutsche Börse zieht nach: Seit April 2016 stellt sie im Rahmen ihrer Plattform Venture Network Start-ups kostenlos Räume zur Umsetzung ihrer digitalen Ideen zur Verfügung.

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