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Neue Wege in der Pharmabranche : Computergestützte Forschung

  • -Aktualisiert am

Bild: Picture alliance/BSIP

Die Digitalisierung verändert die Medikamentenforschung und -entwicklung radikal. Wer in der Pharmabranche arbeiten will, braucht völlig andere Kompetenzen als noch vor einigen Jahren.

          Wenn Sophia Schade im Labor die Wirksamkeit eines neuen Medikaments erforscht, braucht die junge Wissenschaftlerin dazu keine Laborratte. Sie forscht und entwickelt mit Hilfe eines virtuellen Patienten. Er heißt Mod-Cell und ist eine Simulation, die auf dem Computer läuft – basierend auf genetischen Informationen eines realen Patienten. Das System wurde vom Pharmaunternehmen Alacris Theranostics in Berlin entwickelt, bei dem Schade arbeitet. Wo früher Tierversuche oder jahrzehntelange Testläufe nötig waren, reichen heute ein Computer und das nötige Fachwissen. Doch das muss gelernt sein. „Fundierte Informatikkenntnisse werden immer wichtiger in der Forschung und Entwicklung“, sagt Schade. Die 32-Jährige hat Biologie an der Universität Potsdam studiert und anschließend an der Freien Universität Berlin promoviert. „Während meiner Doktorarbeit habe ich mir dann die nötigen IT-Kompetenzen angeeignet.“ So ist Schade heute nicht nur in der Lage, Wirkstoffe per Software zu testen, sondern sie hilft sogar, die Testsoftware weiterzuentwickeln.

          Das Beispiel zeigt: Um in der Pharmabranche Karriere zu machen, reicht fachbezogenes Wissen allein nicht mehr aus. In der Forschung und Entwicklung kommen heute neue Anforderungen auf Bewerber zu. Deshalb sollten sich Nachwuchskräfte bereits während des Studiums entsprechend qualifizieren. Und das gilt nicht nur für die Arbeit bei spezialisierten Mittelständlern und kleinen Unternehmen. Auch bei Branchengrößen wie Bayer, Merck und Fresenius werden Datenauswertung und -integration immer wichtiger. „Nachwuchskräfte mit Zusatzqualifikationen in Informatik haben deshalb sehr gute Chancen“, bestätigt Pablo Serrano vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). Neben Informatikkenntnissen stehen auch weiche Faktoren wie Teamfähigkeit verstärkt im Fokus: Für die Forschung wird die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen immer wichtiger. Teamfähigkeit bekommt so eine größere Bedeutung in der Pharmaindustrie. Viele deutsche Unternehmen kooperieren heute außerdem mit Firmen auf der ganzen Welt. „In der Pharmabranche passiert heute viel mehr durch Zusammenarbeit auf internationaler Ebene“, sagt Serrano. Auf all das müssten sich Studenten bereits in der Ausbildung vorbereiten, um in Zukunft mithalten zu können.

          Umgang mit großen Datenmengen

          In der Forschung haben es die Mitarbeiter von Pharmaunternehmen oft mit unüberschaubar großen Datenmengen zu tun. Per Big-Data-Analyse müssen sie diese Daten sortieren und analysieren, damit die Informationen in Produkte und neue Wirkstoffe einfließen können. Gerade in der Krebsforschung und bei der Entwicklung und Anwendung personalisierter Medikamente ist das wichtig. Informatikkenntnisse sind deshalb heute bedeutender denn je. Studenten haben die Möglichkeit, sich während ihres Studiums entsprechend zu qualifizieren. Dafür eigneten sich am besten Fächer wie Bioinformatik, sagt Serrano. „Unternehmen brauchen dringend mehr IT-Experten in der Forschung.“ Der Bedarf an sogenannten Data-Scientists werde in Zukunft noch weiter zunehmen. Deshalb empfiehlt der Biotechnologe auch Pharmazie- und Medizinstudenten, die noch nicht kurz vor dem Abschluss stehen, Informatikfächer in ihr naturwissenschaftliches Studium zu integrieren.

          Beliebteste Chemie- und Pharmaunternehmen unter Führungskräften
          Die Interessenvertretung für Führungskräfte der chemischen Industrie (VAA) führt jährlich eine Befindlichkeitsumfrage durch, die Arbeitsbedingungen und Personalstrategien in den Chemie- und Pharmaunternehmen analysiert.
          *Covestro ist ein Unternehmen der Bayer AG und wurde im Herbst 2015 gegründet.
          Quelle: VAA, 2016

          Eine Alternative dazu: Studenten eignen sich Informatikkenntnisse in Eigeninitiative an. So hat es Sophia Schade gemacht. Während ihrer Forschungsarbeit am Max-Planck-Institut wurde sie erstmals darauf aufmerksam, wie wichtig IT-Kenntnisse sind. Sie bemerkte: Ohne IT kann man heute nicht mehr in der Forschung arbeiten. „Generell wird Wissen über das eigene Fach hinaus immer wichtiger für Firmen im Life-Science-Bereich.“ Insbesondere Programmiersprachen wie R und Python seien wichtig in der Forschung, sagt die Wissenschaftlerin. Kurse dazu können Studenten an ihrer Universität oder an einer Volkshochschule belegen. Schade nahm zusätzlich an Online-Workshops teil und schaute sich Online-Tutorials an. „Die meisten sind sogar kostenlos.“ Eine gute Hilfe ist hier auch die Internetplattform Stack Overflow. Hier erhalten Studenten Expertenrat zu Fragen rund ums Programmieren.

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