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Elektronikbranche : International und interdisziplinär

  • -Aktualisiert am

Bild: Getty Images Daniel Ingold

Die Elektronikindustrie gehört zu den umsatzstärksten Branchen in Deutschland. Von Berufseinsteigern erwartet sie IT-Kenntnisse, Flexibilität und Kreativität.

          Für Maximilian Zeiss bleibt nach der Arbeit aktuell regelmäßig Zeit, regionales tschechisches Bier auszuprobieren. Das bietet sich an – der 27-jährige Wirtschaftsingenieur verbringt die dritte Station seines Traineeprogramms bei der Bosch-Gruppe im tschechischen Budweis. Nach den Einblicken in die Fertigungsplanung einer neuen Montagelinie für Automatisierungstechnik bei Bosch Rexroth in Stuttgart und in den Bereich Corporate Re­search auf dem Bosch-Forschungscamp in Renningen bei Stuttgart beschäftigt sich Zeiss in Budweis – im Sinne der datengesteuerten Fabrik – mit der Datenanalyse für verschiedene Fertigungsbereiche. Er soll so das Qualitätsmanagement weiter verbessern.

          Das „Junior Managers Program“ der Bosch-Gruppe läuft insgesamt über zwei Jahre, im Fall von Zeiss an fünf unterschiedlichen Orten. Es ist straff organisiert und umfasst alles, was das Berufsbild eines Ingenieurs in der Elektronikindustrie im Zeitalter von Industrie 4.0 erfordert. Auf Station vier wird Zeiss die Arbeit im Vertrieb für autonome Transportfahrzeuge bei Bosch Rexroth kennenlernen. Das Programm endet dann mit der Station in der Strategieabteilung der Stuttgarter Bosch-Zentrale. „Danach erfolgt der Übergang auf eine Anschlussstelle mit größerer Verantwortung – im Idealfall die Übernahme einer Team- oder Projektleitung“, freut sich Zeiss auf die Zeit nach dem Traineeprogramm.

          Branchenübergreifende Vernetzung

          In demselben Maße, mit dem sich die Profile der Elektronikunternehmen durch die branchenübergreifende Vernetzung, etwa mit dem Maschinenbau oder der Automobilzulieferindustrie, wandeln, verändern sich natürlich auch die Berufsprofile für Absolventen und Berufseinsteiger: „Hybride Profile gewinnen in unserer Branche sowohl in technischen als auch kaufmännischen Funktionen mehr und mehr an Bedeutung. Das bedeutet beispielsweise, dass der klassische Elektroingenieur immer noch gefragt ist, aber von ihm zunehmend auch IT- und Digitalisierungskenntnisse verlangt werden. Umgekehrt sind bei uns heute auch Informatiker gefragt, die über ein gutes technisches Grundverständnis verfügen“, erklärt Dirk Deuster, Leiter Personal- und Sozialwesen bei Bosch Rexroth.

          Christian Markmann, Leiter Personal, Vertrieb und Administration beim Familienkonzern Miele in Gütersloh, sieht hingegen, dass die Branche nicht nur Bedarf an Ingenieuren und IT-Fachkräften hat, sondern auch an Spezia­listen für die kaufmännischen Bereiche – von Marketing- über Controllingexperten bis hin zu Unternehmensjuristen. Markmann beobachtet, wie sich in allen Bereichen die Berufsbilder verändern. „Ein Elektrotechniker sollte sich auch mit Digitalisierungsthemen auskennen. Wichtig ist zudem die Fähigkeit zum interdisziplinären Arbeiten, auch über Ländergrenzen hinweg und in verschiedenen Kulturkreisen.“ Um sich der Analyse künftiger Kundenbedürfnisse und digitaler Trends noch intensiver zu widmen, hat der Haushaltsgerätehersteller 2016 einen eigenen Geschäftsbereich Smart Home gegründet und forciert die Zusammenarbeit mit Start-ups. „Entsprechend groß ist auch hier unser Bedarf an passenden Absolventen“, so Markmann.

          Globale Projekte oder innovative Start-ups

          Doch in Zeiten des Fachkräftemangels gilt es vor allem auch, Mitarbeiter zu binden. Bei der Euroengineering AG in Düsseldorf, einem Tochterunternehmen der schweizerischen Adecco Group, die als einer der größten Personaldienstleister bekannt ist, legt man besonderen Wert auf die Bindung der Mitarbeiter. „Nur so können wir die Stärken und Schwächen in der Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und Kunden identifizieren und gezielt nutzen“, sagt Robert Wolf, Leiter des Fachbereichs Automation und Robotik und einer der Regionaldirektoren Ost. „Trotzdem kommt es auch vor, dass Mitarbeiter im Rahmen eines erfolgreichen Projekts direkt von unseren Kunden angeworben werden. Das ist durchaus verständlich, da unsere Fachkräfte mit ihrem Spezialwissen einen engen Kontakt zu diesen aufbauen. Wir haben aber auch einen Mitarbeiterstamm, der seit vielen Jahren bei uns tätig ist, darunter finden sich Spezialisten und Generalisten.“

          Wolf verantwortet mehrere Standorte und Competence Center und beschäftigt sich mit der Gestaltung und dem Ausbau des fachlichen Portfolios. Berufseinsteigern bietet sich eine ganze Palette von Möglichkeiten bei Euroengineering – vom Einsatz in großen globalen Projekten in der Automobilindustrie bis hin zu innovativen Start-ups. Während größere Projekte sich teilweise über mehrere Jahre erstrecken, gibt es auch kürzere, überschaubare Einsätze, wie etwa die dreimonatige Anpassung einer bestehenden Visualisierungssoftware.

          Zeitarbeit für Unentschiedene

          Der Einsatz in einer Zeitarbeitsvermittlung bietet sich für diejenigen an, die noch nicht sicher sind, ob sie als Ingenieur in einem Konzern oder einem mittelständischen Unternehmen arbeiten wollen, oder für diejenigen, die zunächst einmal unter einer Vielzahl von Projekten auswählen möchten.

          Ob bei Miele, Bosch Rexroth oder anderen Unternehmen der Branche: Absolventen können sich ihre künftigen Arbeitgeber aussuchen – eigene Flexibilität, Kreativität und auch unternehmerisches Denken vorausgesetzt. Das honorieren die Unternehmen mit umfänglichen Weiterbildungs- und Traineeprogrammen und allem, was noch so dazugehört: von Teilzeitangeboten bis hin zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance.

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