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Veröffentlicht: 18.10.2016, 11:00 Uhr

Markenunternehmen „Erst einmal informelle Gespräche führen“

Die Münchner Karriereberaterin Madeleine Leitner über die Perspektiven in der Konsumgüterindustrie und den Einstieg in die Branche.

von Torsten Holler
© privat Die Diplom-Psychologin Madeleine Leitner ist Karriereberaterin in München.

Frau Leitner, was sollten junge Leute für eine Karriere in der Konsumgüterindustrie mitbringen?

Sie sollten auf jeden Fall keine Konsumverächter sein und eine Affinität zum Thema mitbringen. Die Konsumgüterbranche ist auch sehr marketing- und vertriebslastig. Im Vergleich zu anderen Branchen ist sie besonders schnelllebig und teilweise auch oberflächlich. Wer sich eher für die Produktion interessiert, muss von vornherein eine Tätigkeit im Ausland ins Kalkül ziehen, weil fast nur noch dort wirklich produziert wird. Und man muss sich im Klaren sein, dass gerade in der Kosmetikindustrie mit spätestens Mitte 40 das Ende der Karriere in Sicht ist, selbst wenn man es bis dahin in eine Führungsposition geschafft hat. Die Branche lebt von einem besonders „jungen“ Image, selbst wenn man in letzter Zeit den Eindruck hat, dass angesichts der finanzkräftigen älteren Zielgruppe ein Trend in die andere Richtung geht.

Wie kommt man an die begehrten Jobs?

Natürlich kann man eine Bewerbung auf eine Stellenausschreibung schicken. Bewerbungen haben aber den Nachteil, dass man in einem großen Stapel landet und hier nur einer von vielen ist. Initiativbewerbungen sind da schon besser. Am besten ist es, wenn man sich hier als Problemlöser zeigen kann. Dazu sollte man schon Insiderwissen haben und wissen, worauf es bei einer Tätigkeit in der Branche ankommt. Initiativbewerbungen sind eine der Möglichkeiten, einen Job auf dem versteckten Stellenmarkt zu ergattern. Dazu gehören des Weiteren die klassischen Wege wie Praktika, Master- oder Doktorarbeiten, die eine gute Gelegenheit bieten, in die gewünschte Richtung oder ein bestimmtes Unternehmen einzusteigen. Wer erst mal bekannt ist und einen guten Eindruck hinterlassen hat, ist schon mal schneller im Boot, wenn eine neue Stelle besetzt wird. Eine weitere gute Möglichkeit ist, sich mittels informeller Gespräche an die potentiellen Arbeitgeber heranzupirschen. Also beispielsweise bei einem Hifi-Fachhändler oder in einer Parfümerie vorbeizuschauen und möglichst viel Insiderwissen zu bekommen: Wie ist es eigentlich, wenn man in der Branche arbeitet? Was ist in der Branche gefordert? Welche Firmen und Produkte dominieren den Markt? Wie geht es dort zu? Das kann man auch auf Fachmessen und Branchentreffs tun. Wichtig ist bei all diesen Gesprächen, nicht vordergründig und plump nach einem Job zu fragen, sondern vorab erst einmal alle Möglichkeiten und Chancen auszuloten und bewusst möglichst viele Informationen zu sammeln. So haben beispielsweise einige Konzerne eigene Eliteschulen, wo der Nachwuchs rekrutiert wird. Das sollte man im Blick haben. Auf all diesen Wegen kommt man automatisch an die Stellen, die offiziell gar nicht ausgeschrieben werden. Gerade dort tun sich vielleicht interessante Nischen auf. Vor allem bei mittelständischen Unternehmen verbergen sich viele spannende Jobs.

Konzern oder Mittelstand – was eignet sich besser für eine Karriere in der Konsumgüterindustrie?

Die meisten jungen Leute wollen natürlich in die großen namhaften Firmen, obwohl sie da ihre berufliche Karriere eher als kleiner Fisch beginnen und etwa die Hälfte der Zeit mit Firmenpolitik verbringen müssen, um ihre Position innerhalb der Hierarchie zu stärken. Das muss man können und mögen. Aber schlussendlich kommt es auch hier darauf an, was man für ein Typ ist. Will man ein bisschen die Welt verändern, schnell verantwortungsvolle Projekte übernehmen und sich mehr auf inhaltliche Aufgaben konzentrieren, dann ist man sicher bei einem Mittelständler gut aufgehoben. Das ist dann vielleicht nicht der Markenartikler, aber vielleicht ein hochspannender Zulieferer für die Konsumgüterindustrie.

Das Interview führte Torsten Holler. 

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