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Gastkommentar : Globale Unternehmen brauchen globale Denker

  • -Aktualisiert am

Rosa Lee ist Senior Vice President Corporate Human Resources bei Bosch. Zuvor leitete sie fünf Jahre lang den Personalbereich von Bosch in China. Sie hat einen MBA der Kellogg Business School/North Western University, USA, und der Hong Kong University of Science and Technology. Bild: Sylvia Wolf

Studenten sind heute so international aufgewachsen wie keine Generation davor. Das biete Chancen, sagt Rosa Lee, Senior Vice President Corporate Human Resources bei Bosch in Stuttgart.

          Denken Sie an das erste Handy, das Sie in der Hand hielten. Bei jedem Zweiten von Ihnen wird das vor zehn Jahren ein Nokia gewesen sein. Heute nutzen Sie wahrscheinlich ein iPhone oder ein Samsung-Gerät. Nokia hingegen spielt keine Rolle mehr. Der Smartphone-Markt führt vor Augen, welche Chancen Unternehmen durch Innovationen und immer kürzere Entwicklungszeiten nutzen können – und müssen.

          Megatrends wie Digitalisierung und Vernetzung sind für diese Dynamik verantwortlich. Globale Unternehmen benötigen Flexibilität, wenn sie auf neue Entwicklungen schnell reagieren wollen. Nur wer sich aus festgefahrenen Strukturen löst, löst auch die Innovationsbremse. „Radical collaboration“ ist notwendig: Abteilungsgrenzen werden aufgebrochen, Teams flexibel zusammengesetzt. Um Produkte schnell entwickeln und zur Marktreife bringen zu können, arbeiten Unternehmensbereiche wie Forschung, Produktentwicklung, Vertrieb und Marketing auf neue Art zusammen. Die Ausrichtung auf den Kunden und das bestmögliche Produkt sind entscheidend, nicht gelernte Zuständigkeiten. Auch Ländergrenzen werden dabei konsequent überschritten, denn internationale Zusammenarbeit vereint nicht nur die besten Spezialisten für ein Projekt, sie schärft auch den Blick für die Kun-denbedürfnisse in unterschiedlichen Märkten.

          Entscheidend sind also die Köpfe hinter den Projekten. Menschen, die Kundenbedürfnisse richtig einschätzen und die bereit sind, über alle Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Sie als Studierende und Berufseinsteiger haben beste Voraussetzungen, solche Schlüsselpositionen zu besetzen. Keine Generation ist internationaler aufgewachsen oder hatte umfangreichere weltweite Austauschprogramme zur Verfügung.

          Auch nach Ihrem Berufseinstieg können Sie Ihren Erfahrungshorizont ständig erweitern. Unternehmen, die international denken und agil handeln, brauchen Führungspersonen, die das können. Gezielte Auslandsentsendungen sind ein wichtiges Instrument, um diese Kompetenzen aufzubauen: Mitarbeiter wechseln als Expatriates für eine befristete Zeit an einem ausländischen Standort ihres Unternehmens. Sie arbeiten in einem internationalen Team, lernen den regionalen Markt und eine andere Kultur kennen. Sie bringen ihr Knowhow dort ein und können nach ihrer Rückkehr neu Gelerntes in ihrem Heimatland anwenden.

           Je mehr internationale Erfahrungen Sie sammeln, je mehr Geschäftsbereiche Sie kennenlernen und in je mehr Kulturen Sie sich wohl fühlen, desto besser werden Sie für die Herausforderungen der digitalen Transformation gerüstet sein. Auch ich habe zunächst in China und der Region Asien-Pazifik gearbeitet. Diese Perspektiven kann ich nun in meine aktuelle Aufgabe am Hauptsitz von Bosch in Deutschland einbringen. Ich bin mir sicher: In Zukunft werden wir bei Unternehmen, die den digitalen Wandel erfolgreich gestalten, mehr international besetzte Leitungsebenen und Vorstände sehen. Fach- und Führungskräfte werden von lokalen Positionen in die globalen Steuerungsfunktionen einer Unternehmenszentrale wechseln. Nutzen Sie diese Chancen für Ihre Karriere und sammeln Sie Erfahrung im Ausland – Sie werden so gefragt sein wie nie zuvor.

          Quelle: F.A.Z

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