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Mit Marketing mittendrin : Große Marke, viel dahinter?

  • -Aktualisiert am

Cannes, 2012. Jean-Paul Gaultier wirbt für Coca-Cola: Als Mitarbeiter im Marketing entwickelt man die entsprechenden Werbekampagnen mit und lernt dabei auch schon mal einen Star persönlich kennen. Bild: Picture alliance /Photoshot

Am Flughafen auf eine Werbewand blicken, an deren Entwicklung man selbst mitgearbeitet hat. Der Traum vieler Uniabsolventen. Wer im Marketing eines bekannten Konsumgüterkonzerns landet, kann von solch besonderen Momenten erzählen.

          Ruben Schmidt hat bei seiner Arbeit ständig mit süßen Nachspeisen zu tun: Apfeltaschen, Eis und Schokolinsen. Schmidt bereitet sie nicht zu, sondern wirbt für sie. Er arbeitet im Marketing der Schnellrestaurantkette McDonald's – und ist für die Dessert-Werbung verantwortlich. Wenn er in Städten unterwegs ist oder zu Hause auf dem Sofa fernsieht, entdeckt er immer wieder die Ergebnisse seiner Arbeit. „In solchen Situationen ist es toll zu wissen, dass ich für einen Teil der McDonald’s-Werbung verantwortlich bin“, sagt Schmidt.

          Viele Uniabsolventen träumen davon, wie Schmidt im Marketing eines großen Unternehmens mit einer bekannten Marke zu arbeiten. Sie wollen am Flughafen oder am Bahnhof auf Plakatwände mit Werbung blicken, an deren Entwicklung sie mitgearbeitet haben. Sie wollen Freunden stolz davon erzählen, wie vielseitig und glamourös die Arbeit für einen Konzern ist, dessen Produkte jeder kennt. Dabei ist ein Job im Marketing eines Konsumgüterherstellers oft genauso harte Arbeit wie in kleineren Unternehmen oder anderen Unternehmensfunktionen. „Trotzdem gibt es viele gute Gründe, sich im Marketing eines großen Unternehmens zu bewerben“, sagt Manfred Krafft, Marketingprofessor an der Universität Münster. „Viele der Unternehmen sind attraktive Arbeitgeber und bieten jungen Mitarbeitern gute Entwicklungsmöglichkeiten.“

          Marketing bedeutet nicht gleich Jetset-Leben

          Wer sich auf einen Marketingjob bei einem großen Unternehmen bewirbt, sollte jedoch unbedingt realistische Erwartungen haben, rät Krafft. Zwar sei die Arbeit für McDonald’s, Coca-Cola oder Adidas oft abwechslungsreich. Und in der Anfangszeit ist es für viele junge Mitarbeiter ein bewegendes Erlebnis, die öffentliche Wirkung von Marketingkampagnen zu erleben, an denen sie selbst mitgearbeitet haben. Aber: Auch der eindrucksvollste Werbeclip wurde an einem Schreibtisch entworfen. Dort hat jemand Ideen aufgeschrieben, Konzepte entwickelt und Telefonate mit Dienstleistern geführt. Und all das geschieht nicht nur in Paris, Tokio oder New York, sondern auch in Ingolstadt. „Man darf sich unter dem Arbeitsalltag eines Marketingmitarbeiters kein Jetset-Leben vorstellen“, sagt Krafft. Das gelte besonders für junge Mitarbeiter, die zwar oft wohlklingende Titel wie Brand Manager trügen, aber zunächst nicht viel zu sagen haben.

          Je mehr Erfahrung Marketingexperten sammeln, desto mehr Verantwortung können sie übernehmen. Das ist auch bei McDonald’s so. Marketingmanager Schmidt ist seit eineinhalb Jahren im Unternehmen. Im Radio, im Fernsehen und in den sozialen Medien kann er die Arbeitsergebnisse seines Teams sehen. „Bei uns entstehen riesige Kampagnen“, sagt er. „Wir haben einen 360-Grad-Marketingmix für verschiedene Kanäle.“ So kann Schmidt nicht nur viel Wissen anwenden, das er im Studium erworben hat, sondern lernt ständig Neues dazu.

          Direkteinstieg bei McDonald’s

          Ein klassisches Traineeprogramm für zukünftige Marketingmanager gibt es bei McDonald’s nicht, neue Mitarbeiter steigen direkt in die Abteilung ein. Schmidt hat nach seinem Studium zunächst für eine Werbeagentur gearbeitet, die als Dienstleister für McDonald’s tätig war. Viele andere Mitarbeiter in der Marketingabteilung haben in einem Praktikum erste Kontakte zu dem Fastfoodkonzern geknüpft. „Wer als Praktikant sein Können unter Beweis stellt, hat gute Chancen, später einen Job bei uns zu bekommen“, sagt Schmidt. Gesucht seien kreative Köpfe, die sich für das Thema Essen begeistern können.

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