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Gastkommentar : Leidenschaft für MINT zahlt sich aus

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Claudia Nemat studierte Physik an der Universität zu Köln, wo sie auch am Institut für Theoretische Physik und Mathematik unterrichtete. Vor ihrem Wechsel zur Deutschen Telekom arbeitete sie 17 Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey. Bild: Sylvia Wolf

Claudia Nemat (47) ist seit Oktober 2011 Mitglied des Vorstandes der Deutschen Telekom AG und verantwortlich für den Geschäftsbereich Europa und Technik.

          Warum rund um den Erdball so oft über den Begriff „5G“ gesprochen wird? Weil dieser kommende Kommunikationsstandard neue Geschäftsmodelle möglich und alte viel komfortabler und besser machen wird. Er bringt eine neue Technik mit sich: Mobilfunk und Festnetz sind so nicht länger getrennt, sondern bilden eine große, gemeinsame Netzinfrastruktur. Ein Netz, das Mensch und Maschine unterschiedlichste Eigenschaften bieten kann – extrem schnell, ausdauernd und auf jeden Fall sicher. Viele Länder sehen 5G deshalb als Chance, die eigene Wirtschaft anzukurbeln. Auch Deutschland. Doch die Hoffnung wird getrübt vom strukturellen Fachkräftemangel. Gerade Nachwuchskräfte mit Stärken in Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik waren, sind und bleiben rar – zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

          2020 soll es offiziell losgehen mit 5G. Und Produkte, die von diesem weltweiten Standard profitieren, werden bereits jetzt entwickelt. Die Möglichkeiten für starke Denker und Umsetzer sind also riesig. Deutlich mehr Köpfe, die sich mit frischen Ideen dieser Herausforderung, dieser neuen Welt stellen, wären gut. In den vergangenen elf Jahren ist die Zahl der Studienanfänger zwar um ein Viertel gestiegen, leider brechen aber noch zu viele das Studium wieder ab. Dazu kommt, dass der Anteil der Studentinnen und Studenten in den Fachrichtungen, die sich um die Entwicklung von technischen Innovationen kümmern, traditionell ohnehin zu gering ist. Vom Anteil der Absolventinnen spreche ich lieber erst gar nicht. Die Zuwanderung von Akademikern aus Drittstaaten wie Indien kann dies nur begrenzt beheben.

          Viele engagierte Menschen helfen in Initiativen mit, die Fachkräftelücke zu schließen, und engagieren sich, mehr junge Menschen für einen technischen Beruf zu begeistern. Aber der Bedarf wächst einfach schneller, als etwa die Wirkung von solchen Rollenvorbildern den Mangel zu lindern vermag. Frischen Wind bringt die „Maker“-Bewegung nach Europa. So entstehen derzeit in Deutschland die sogenannten Maker-Garagen. Das sind Orte, an denen der Geist der so dringend benötigten Macher gelebt wird. Sie treffen sich in alten Fabrikräumen, Lernlaboren, auf Abenteuerspielplätzen oder in Schulen. Coachen statt Lehren ist dabei oberstes Gebot, denn es geht um das Anpacken und eben „Machen“.

          Ehrenamtliche vermitteln die Grundlagen von Technik oder zeigen, wie man mit Werkzeug umgeht, sich selbst helfen und Dinge reparieren kann. Auch Experimente stehen auf dem Programm. Mal ist es der Hochschulprofessor im Ruhestand, der sein Wissen einbringt, mal der Elektroingenieur in seiner Freizeit. Immer geht es um „Learning by doing“. Viele Teilnehmer haben zum ersten Mal überhaupt Werkzeug in der Hand, und nicht wenige finden dabei heraus, dass Talent in ihnen schlummert. Gut so. Auch so kann der Funke überspringen und der Wunsch wachsen, die neue Leidenschaft zum Beruf zu machen. Glaubt mir, wir brauchen euch! 5G ruft!

          Quelle: F.A.Z

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