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Wiwis gesucht : Logistik für Akademiker

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Die Logistikbranche wächst: Dabei dreht sich vieles um weltweite Lieferketten, passgenaue Anlieferung ans Montageband und immer speziellere Prozesse. Bild: Ingram Publishing/Thinkstock/GettyImages

Logistik ist mehr als über Landstraßen rumpelnde Lkws. Die Branche wächst weiter und bietet spannende Arbeitsfelder.

          „Die Logistik wird täglich intelligenter und steigt immer tiefer in die Prozesse der produzierenden Betriebe ein“, erläutert Harald Seifert, Regionalgruppensprecher bei der Bundesvereinigung Logistik. Immer passgenauer muss die Anlieferung sein, und die Aufgaben, die Automobilzulieferer, Chemie- und Pharmafirmen sowie Lebensmittelproduzenten an ihre Dienstleister übergeben, werden komplexer. „Aufgaben wie Motoren montieren, Verpackungsarbeiten und die minutengenaue Anlieferung an Fertigungsbänder müssen natürlich zuverlässig und flexibel durchgeführt werden“, fasst Seifert die Herausforderungen an moderne Logistikbetriebe zusammen.

          Um weltweite Lieferketten zu managen und Termine einzuhalten, bedarf es akribischer Planung, moderner IT und immer wieder: Kommunikation. „Noch vor wenigen Jahren war ein Hochschulabschluss in der Logistik überhaupt nicht wichtig. Heute suchen die Dienstleistungsunternehmen Mitarbeiter, die die Wirtschaft verstehen und hochkomplexe Transportvorgänge organisieren können“, weiß Seifert. Schließlich sind es ja die Dienstleistungsunternehmen, die in kürzester Zeit auf die Veränderungen und Bedürfnisse ihrer Partnerfirmen reagieren müssen.

          Weltweit kommunizieren

          Einer dieser Transportkettenmanager ist Bastian Eppel. Der 31-jährige Wirtschaftswissenschaftler betreut seit knapp drei Jahren einen Großkunden aus der Medizin- und Pharmabranche beim Konfektionierungsdienstleister Erdt. Sein Arbeitgeber verpackt und versendet medizinische Produkte für Kunden weltweit. „Hier gelten hohe Qualitätsstandards, beispielsweise bei der Hygiene“, erläutert Eppel. Zu seinen Aufgaben gehört es, Preise zu kalkulieren und neue Aufträge zu generieren. „Ich übersetze die Anforderungen des Kunden in unsere logistischen Prozesse“, sagt der Key-Account-Manager. Kommunikation sei dafür besonders wichtig: Die Fachabteilungen müssen informiert und neue Aufträge in das operative Geschäft eingespielt werden. Dafür hat er mit allen internationalen Niederlassungen des Auftraggebers zu tun. Zurzeit konferiere er mit Menschen in ganz Europa und im arabischen Raum. „Ich sehe auch den Bedarf des Kunden, bevor er entsteht, und kann so proaktiv passende Angebote erstellen“, weiß der Hesse.

          Für Bastian Eppel spielt Kommunikation mit Kunden und den Fachabteilungen eine wichtige Rolle. Aktuell konferiert er häufig mit Kunden aus Nahost.
          Für Bastian Eppel spielt Kommunikation mit Kunden und den Fachabteilungen eine wichtige Rolle. Aktuell konferiert er häufig mit Kunden aus Nahost. : Bild: privat

          Über sein Gehalt will Eppel nicht sprechen, dem Vorurteil, in der Logistik sei die Bezahlung schlecht, kann er aber widersprechen. „Ich bin zufrieden mit meinem Gehalt, und die ehemaligen Kommilitonen verdienen ähnlich.“

          Sein Diplom der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Logistik und Marketing absolvierte Eppel an der Universität Mannheim. Nach dem Abschluss und einem Praktikum in der Transportlogistik bei Daimler fand er 2013 eine Anstellung bei Erdt. „Ich finde alles rund um die Supply-Chain sehr spannend. Besonders zufrieden bin ich bei einem mittelständischen Arbeitgeber, wo ich eigene Ideen einbringen kann“, freut sich der junge Mann. In der Logistik angekommen fühlt sich Eppel auch, weil hier die Aufgaben abwechslungsreich und die Hierarchien flach sind. „Ich wollte nicht nur am Computer sitzen. In meinen ersten Monaten bei Erdt habe ich beispielsweise die gesamte Abteilung durchlaufen und auch beim Konfektionieren voll mitgearbeitet“, sagt der kommunikative Diplom-Kaufmann, der organisatorisch direkt unter dem Geschäftsführer angeordnet ist.

          „Auch durch den E-Commerce und die Digitalisierung verändert sich die Logistik als Wirtschaftszweig“, sagt Verbandsmann Harald Seifert. Heute müssen Unternehmen innerhalb der Wertschöpfungskette digital gut vernetzt sein und mit den Bedürfnissen des E-Commerce mithalten können. Das heißt moderne IT, elektronische Warenwirtschaftssysteme und chaotische Lagerhaltung, bei der nur der Computer weiß, wo welche Dinge gelagert werden. Doch wer kauft solche Systeme ein, kennt ihre Bedeutung für nachgelagerte Prozesse oder implementiert aktuelle EDV-Infrastruktur? „Das sind neben IT-Mitarbeitern oft die BWLer“, weiß Seifert.

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