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Gastkommentar : Marktfähige Produkte spielerisch entwickeln

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Dr. Sebastian Schäfer ist Managing Director des Tech Quartier, dem Gründerzentrum für junge Fintech- und Insurtech-Start-ups in Frankfurt am Main. Hier arbeiten sie gemeinsam mit traditionellen Banken an den Technologien und Geschäftsmodellen der Finanzbranche von morgen. Davor leitete Schäfer den Unibator, das Gründerzentrum der Goethe-Universität Frankfurt. Dr. Thomas Funke ist Co-Director des Tech Quartier. Zuvor leitete er beim RKW Kompetenzzentrum, einem Thinktank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, den Bereich Gründung und Innovation und war Assistenzprofessor an der WU Wien. Bild: Sylvia Wolf

Gastkommentar von Dr. Sebastian Schäfer und Dr. Thomas Funke, Tech Quartier Frankfurt

          Start-ups sollten in der heutigen Zeit mehr als nur ein „Plan B“ für junge Jobsuchende sein. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen der Arbeit in einem Start-up und der Arbeit in einem etablierten Unternehmen? Einen plakativen Erklärungsansatz bietet der Vergleich zwischen einem Kind und einem Erwachsenen: Das Kind spielt, der Erwachsene arbeitet. Der wesentliche Unterschied dabei: Das kindliche Spiel weise kein fertiges Endprodukt vor und sei auf ständiges Ausprobieren und Experimentieren ausgelegt, so der bekannte Kinderarzt Remo H. Largo über die frühkindliche Entwicklung. Ähnlich gestaltet sich der Vergleich zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen: Etablierte Unternehmen „arbeiten“, das heißt, sie führen ein bestehendes und funktionierendes Geschäftsmodell aus, wohingegen Start-ups „ausprobieren“: Das Produkt ist noch nicht final, der Markt noch nicht erschlossen. Vielmehr geht es vor allem zu Beginn darum, sich auf die Suche nach Kundenbedürfnissen zu begeben, um diese dann in ein marktfähiges Produkt zu überführen. Diese Fähigkeit, sich spielerisch, neugierig und ergebnisoffen noch unbekannten Dingen zu nähern, ist jedem angeboren, wird aber im Laufe der Zeit systematisch abtrainiert. Erfolgreiche Start-ups schaffen es, sich das Spielerische zu bewahren und trotzdem zur richtigen Zeit Entscheidungen zu treffen.

          Für Start-ups gilt daher eines ganz besonders: In den meisten Fällen existieren noch keine festen Strukturen. Zwar gibt es eine grobe Einteilung in verschiedene Abteilungen, aber aufgrund der flachen Hierarchien packt jeder bei anfallender Arbeit mit an. Hands-on-Mentalität ist hier gelebte Praxis. Dazu zählen dann auch die Aufgabenvielfalt und eine steile Lernkurve für jeden Einzelnen. Wenn ein Projekt scheitert, ist das normal. Innerhalb großer Unternehmen hingegen ist ein gescheitertes Projekt meist ein Rückschlag. Dort werden Projekte nach strengen Prozessen durchgeführt. Der Blick ist immer darauf gerichtet, am Ende der Projektlaufzeit innerhalb des definierten Budgets das gesetzte Projektziel zu erreichen. Ein Job bei einem Start-up führt also dazu, dass viele Erfahrungen gemacht werden, die bei einem großen Unternehmen in dieser Form kaum möglich sind. Allerdings muss auch gesagt sein: Selbständiges Arbeiten verlangt ein hohes Maß an Eigeninitiative und Motivationsfähigkeit sowie die Freude am Ungewissen. Der Gewinn: wertvolle Erfahrungen und tiefe Einblicke in die neue, digitale Welt.

          Wer etwas verändern möchte und sich einbringen will, für den ist ein Job in einem Start-up das Richtige. Das ist mittlerweile auch im Herzen von Frankfurt am Main möglich – im neugegründeten Tech Quartier: einem Ort zum Experimentieren und Ausprobieren.

          Quelle: F.A.Z

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