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Förderpreis Medientechnologie : „Mich hat immer die Technik gereizt“

  • Aktualisiert am

Bild: privat

Carolin Schramm hat mit ihrer Abschlussarbeit an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig den diesjährigen ARD/ZDF-Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ gewonnen. Im Gespräch erzählt sie von ihrer Entscheidung, Medientechnik zu studieren.

          Frau Schramm, haben sich Ihre Erwartungen an Ihr Studienfach Medientechnik erfüllt?

          Ich bin über mein Interesse an der Fotografie auf den Studiengang an der HTWK in Leipzig aufmerksam geworden. Bildbearbeitung hat mir immer schon besonders Spaß gemacht, und mit dem Studiengang sah ich die Möglichkeit, mich hier weiterzuentwickeln. Ich war nie der gestalterische Typ. Ein Fotografie-Studium wäre mir daher zu kreativ und einseitig gewesen. Mich hat immer die Technik gereizt. Die Medientechnik ist sehr vielseitig: Man kann in jeden Technologiezweig Einblick bekommen – in den Audio- und Videobereich, die Programmierung und die Gestaltung von Medien. Es hat sich also bewahrheitet, was ich mir vom Studium erhofft hatte.

          Worauf haben Sie sich in Ihrem Studium thematisch fokussiert?

          Ich habe mich in meinem Studium von Anfang an auf die AV-Technik spezialisiert. In hochschulinternen Angeboten und Praktika konnte ich mein Wissen und meinen Erfahrungsschatz dann sehr erweitern. Zum Beispiel habe ich bei Floid, unserem hochschulinternen Fernsehsender, mitgearbeitet: Kamera, Redaktion, Schnitt. Zeitweise habe ich dort die technische Leitung übernommen. Mein Pflichtpraktikum absolvierte ich in der Veranstaltungstechnik. Zusätzlich habe ich dann noch ein weiteres Praktikum im Bereich 360-Grad-Livestreaming gemacht. So kam ich auch zum Thema meiner Bachelorarbeit.

          Für Ihre Bachelorarbeit haben Sie im September den ersten Preis des ARD/ZDF-Förderpreises „Frauen + Medientechnologie“ gewonnen. Wie kam es dazu?

          Nachdem die Bachelorarbeit sehr gut bewertet wurde und das Thema 360-Grad-Livestreaming im vergangenen Jahr brandaktuell war, habe ich mich einfach beworben. Ich wollte immer eine praxisnahe Arbeit schreiben. Über das Praktikum in einem kleinen Start-up kam ich auf das Thema 360-Grad-Livestreaming. Die Arbeit war spannend – ich hatte im Grunde die Verantwortung für den gesamten Bereich, also für die technische Leitung in der Firma. Das heißt, ich war für die Technik und das Kamerasystem verantwortlich und konnte mit den Systemen ohne Zeitdruck experimentieren. Daraus entstand die Idee für die Bachelorarbeit. Neben der Technik und dem Know-how der Kollegen unterstützte mich eine zweite Firma, die die Kameratechnik zur Verfügung stellte.

          Was haben Sie in Ihrer Arbeit genau herausgefunden?

          In der Arbeit ging es um darum, zu klären, welches Multikamerasystem – die 360-Grad-Perspektive wird aus den Bildern mehrerer Kameras zusammengesetzt – notwendig ist, um bei 360-Grad-Livestreaming das ideale Verhältnis von Qualität und Aufwand zu erreichen. Dabei spielten praxisnahe Kriterien wie Aufbau, Kosten und Probleme mit der Hard- und Software eine Rolle. Durch meine Testreihen mit Systemen aus zwei, drei, sechs und zehn Kameras konnte ich feststellen, dass man das beste Ergebnis, also die beste Bildqualität, mit dem Sechser-System erhält.

          Wo kommt die 360-Grad-Livestreaming-Technik zum Einsatz?

          360-Grad-Livestreaming wird zum Beispiel bei Live-Konzerten verwendet, etwa beim Lollapalooza oder auch bei dem Beatsteaks-Konzert 2015 in Berlin. Man kann zwischen verschiedenen Kameras verlinken. Eine steht dann beispielsweise auf der Bühne, eine im Zuschauerbereich. Herkömmliche 360-Grad-Videos sind aber eigentlich häufiger zu sehen als die Livestreaming-Technik; Youtube oder Facebook sind sehr beliebte Plattformen dafür.

          Beschäftigen Sie sich auch nach Ihrem Berufseinstieg mit dem Thema 360-Grad-Livestreaming?

          Ich arbeite mittlerweile bei Arri, einem großen Unternehmen für Filmtechnik. Als Projektingenieurin konzipiere, plane und baue ich Lichtsysteme für Film- und Fernsehstudios. Das ist also etwas ganz anderes. Für die Einstellung war dann auch weniger das Thema meiner Abschlussarbeit relevant; vielmehr habe ich dort mit meinen praktischen Erfahrungen punkten können.

          Was sind Ihre weiteren beruflichen Pläne?

          Ich bin aktuell sehr zufrieden mit meinen Aufgaben. Oft bin ich unterwegs, aber auch die Arbeit im Büro macht mir sehr viel Spaß. Das Einzige, was ich mir in ferner Zukunft vorstellen könnte, ist, nochmal zu studieren. Das wäre dann der Fall, wenn ich mich fachlich weiter vertiefen möchte. Dann wäre für mich als Master Medientechnologie oder Elektrotechnik interessant. Aber eigentlich braucht man den Master nicht unbedingt. In der Medienbranche zählt die praktische Erfahrung mehr als der Abschluss – der ist fast zweitrangig.

          Das Interview führte Julia Hoscislawski. 

          Quelle: F.A.Z

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