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Markenunternehmen : Mit Leidenschaft fürs Detail

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Blick in die Abteilung Komplikationen: Eine Gangreserveanzeige, ein Datum oder die Anzeige der Zeit, die an anderen Orten der Erdkugel gilt, nennt man „Kleine Komplikationen“. In solchen Uhren steckt noch mehr Ingenieurs- und Uhrmacherleistung als ohnehin. Bild: Nomos Glashütte

Steakreaktor, Designeruhren oder Kosmetikartikel: Markenunternehmen punkten mit ihren Qualitätsversprechen. Welche Eigenschaften wünschen sie sich wiederum von jungen Talenten?

          Eigentlich wollte der Berliner Internetunternehmer Peter Chaljawski sein Steak einmal so wie im Steakhouse zu Hause brutzeln. Doch die handelsüblichen Herdmodelle waren nur im Freien zugelassen und darüber hinaus kompliziert anzuheizen. Also machte Chaljawski das, was er in den vergangenen Jahren immer getan hatte: Er stellte ein Team zusammen, aus Ingenieuren, Produktentwicklern und Marketingfachleuten, nahezu allesamt frischgebackene Hochschulabsolventen, und entwickelte kurzerhand einen Steakreaktor, der sich seither in deutschen Küchen einer zunehmenden Beliebtheit erfreut.

          Faible für Ingenieurskunst

          Das Geschäftsmodell von Peter Chaljawski, Audiotechnik, Küchengeräte und anderes Home-Equipment neu zu entwickeln oder weiter zu verbessern, in China produzieren zu lassen und als eigene Marke in diversen Onlineshops zu vertreiben, hat sich als Erfolg erwiesen: Im vergangenen Jahr knackte die Chal-Tec GmbH die Marke von 100 Millionen Euro Umsatz. „Das wird das Modell der Zukunft im E-Commerce sein: Nicht nur Vertrieb, sondern auch die Entwicklung und die Produktion eigener Produkte werden mit auf der Agenda stehen“, ist sich Peter Chaljawski sicher. Dafür braucht es qualifizierte Hochschulabsolventen: mit einer Affinität zu den neuen elektronischen Medien, gepaart mit einem Faible für die gute alte deutsche Ingenieurskunst. „Wir suchen anders als noch vor einigen Jahren Ingenieure für die Produktentwicklung mit der Leidenschaft fürs Detail“, so Chaljawski. „Man kann zwar das Rad nicht zweimal erfinden, aber immerhin permanent verbessern.“

          Gute Hochschulabsolventen mit der Liebe zum Detail sucht auch Roland Schwertner. Im sächsischen Osterzgebirge lässt der Unternehmer in der traditionsreichen Uhrmacherstadt Glashütte mit 260 Beschäftigten die Uhrenmarke „Nomos Glashütte“ fertigen, eine Marke, die, sagt Schwertner, sich an eine anspruchsvolle Zielgruppe richtet, die bestes Uhrmacherhandwerk und klares Design schätzt. An diejenigen, die sich eine mechanische Uhr und damit eine Wertanlage zulegen möchten. „Nomos-Uhren, die wir vor über 15 Jahren gefertigt haben, bringen heute auf Ebay immer noch mindestens den Neupreis“, so Schwertner. In dem stark wachsenden Unternehmen werden junge, hungrige Absolventen gesucht, die sich in Design und Kommunikation auskennen, Fremdsprachen beherrschen, ein Faible für Uhren besitzen und bei dem mittelständischen Uhrenhersteller mit dabei sein wollen, wenn es darum geht, zukünftig die Nomos-Uhren rund um den Globus ans Handgelenk der Kunden zu bringen. Dafür unterhält Schwertner im Berliner Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg ein eigenes Büro mit knapp 40 Mitarbeitern, um den kreativen Uhren-Experten optimale Arbeitsbedingungen am Puls der Zielgruppe zu bieten, während im sächsischen Glashütte vor allem die klassischen Uhrmacher, Ingenieure und Feinwerktechniker zu Hause sind. „Wir müssen global denken und handeln“, ist Schwertners Philosophie.

          Fertigung vor allem in Fernost

          Wer in der Konsumgüterindustrie beruflich einsteigen will, kommt in eine Branche, die derzeit in einem tiefgreifenden Umbruch steckt. Vorbei die Zeiten, da ein Wettstreit von Marken wie Saba, Nordmende, Grundig oder Loewe in der Unterhaltungselektronik mit riesigen Anzeigenbudgets geführt wurde. Heute sind die Marken entweder vom Markt verschwunden oder haben nur einen geringen Teil der Wertschöpfungskette in Deutschland – produziert wird zumeist in Billiglohnländern in Fernost. Kreative Köpfe wie Peter Chaljawski, die auf Innovationen im Konsumgüterbereich setzen und so auf den Spuren eines Max Grundig wandeln, sind in der heutigen Zeit eher selten geworden. Bei Uhren geben die Schweizer den Trend der Zeit an und lassen wenigstens teilweise noch in Deutschland fertigen. Auch die Kosmetikindustrie wird eher von Frankreich aus dominiert. Wo in Deutschland produziert wird, etwa beim Notebookhersteller Fujitsu in Augsburg oder beim börsennotierten Kosmetikkonzern Beiersdorf in Hamburg, da sind auch noch die klassischen Karrieren mit speziellen Traineeprogrammen und gezielter Nachwuchsförderung möglich. Bei Fujitsu sind die Grenzen zwischen Konsumgüterprodukten und Industrielösungen fließend: Zwar erfreuen sich die Notebooks auch großer Beliebtheit bei den Endverbrauchern, doch macht das Gros der Produktion vor allem die Herstellung von IT-Systemlösungen aus.

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