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Konvergenz der Märkte : Telekommunikation und IT-Welt verschmelzen

  • -Aktualisiert am

Internettelefonie ist heute schon Standard in vielen Unternehmen. Mitarbeiter können so flexibler agieren. Bild: Picture alliance

Reine Unternehmen der Telekommunikation wird es in Zukunft immer weniger geben. Denn der Markt bereinigt sich, und viele kleinere Firmen verschwinden. Der Grund: Heute sind Komplettanbieter gefragt, die nicht nur gute Telefon- und Internetleitungen, sondern auch Cloud-Services, Programmierdienste und die passende Software anbieten.

          „Dienstleister bieten ihren Kunden heute Komplettlösungen. Dafür brauchen sie Fachleute mit verschiedenster Ausrichtung“, weiß Juliane Petrich, Arbeitsmarktexpertin beim Branchenverband Bitkom. Wer also die neue Telefonanlage beim Mittelständler einrichtet, ist oft auch Ansprechpartner, wenn es um Netzwerkfragen, Webspace oder gar mobile Anwendungen geht. Jan Krämer, Professor an der Uni Passau, nennt dieses Phänomen die „Konvergenz der Märkte“: „Telekommunikation ist heute ohne das technische Fundament, auf dem sie steht, und die sozialen Medien, die sich des Internets bedienen, nicht mehr denkbar“, sagt der Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Internet- und Telekommunikationswirtschaft. Er gibt seinen Studenten eine generalistische Ausbildung mit fundiertem Wirtschaftswissen sowie technischem und juristischem Background mit.

          Wer in der Telekommunikationsbranche arbeiten will, muss heute Wissen aus mehreren Welten mitbringen. Nicht nur weil heute Full Service gefragt ist, sondern auch weil sich die Kompetenzbereiche von Telekommunikation und Informatik mehr und mehr annähern: Telefoniert wird per Voice over IP –also Internettelefonie –, und ein Login zum Firmenserver muss heute auch mobil, via Mobilfunkstandard UMTS, möglich sein.

          Weil die Ansprüche an Dienstleister der Bereiche Telefon, Internet und Informationstechnologie (IT) steigen, müssen sich diese entsprechend aufstellen. Oder sie gehen unter. „Die Welt der Informations- und Telekommunikationstechnik professionalisiert und spezialisiert sich zunehmend“, sagt Petrich. Was also Professor Krämer an seiner Hochschule als interdisziplinäre Sichtweise lehrt, ist nicht nur Theorie, sondern auf dem Arbeitsmarkt längst Realität.

          Große Player teilen den Markt unter sich auf

          Die gute Nachricht ist: Wer ein Hochschulstudium im Bereich Informationstechnik mitbringt, wird sich um einen Job keine Sorgen machen müssen. Fachkräfte sind begehrt, und es herrscht insgesamt ein Überangebot an Telefon- und Internetanbietern. Den Markt teilen die großen Firmen wie Telekom, Telefónica und Vodafone unter sich auf. „Ich rate meinen Bachelorabsolventen immer zu einem Masterstudium mit einem starken Fokus auf Telekommunikation. Dann stehen die Chancen am besten, auf einer anspruchsvollen Stelle einzusteigen“, erläutert Krämer, der selbst am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) studiert hat.

          Eine solche Stelle sieht der 36-jährige Wissenschaftler beispielsweise in der spezialisierten Beratung: bei einem Consultingunternehmen etwa oder bei einem Institut wie dem Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK). Diese beraten Unternehmen, Behörden oder gar die Bundesregierung, wie die Telekommunikationsinfrastruktur in Deutschland unter ökonomischen Gesichtspunkten gestaltet werden kann „Die Telekommunikation ist kein normaler Markt. Hier trifft gesetzliche Regulierung auf ökonomisch orientierte Firmen. Außerdem gibt es da noch den Bedarf der Nutzer.“ Dafür brauchen die Consultants tiefgehendes Wissen über technische Möglichkeiten und die entsprechende Gesetzgebung.

          Gefragt sind auch Softwareentwickler und IT-Sicherheitsexperten. Wer sich innerhalb seines Informatikstudiums in Sachen Telekommunikation oder Wirtschaft weiterqualifiziert, macht alles richtig. Gleichzeitig sind profunde Englischkenntnisse, unternehmerisches Denken und kommunikative Fähigkeiten gefragt. Denn wer beispielsweise benutzerfreundliche Tools entwickeln will, muss nicht nur zukünftige Nutzer befragen, sondern seine Ideen auch präsentieren können.

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