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E-Commerce auf dem Vormarsch : Vernetzung über alle Kanäle hinweg

  • -Aktualisiert am

Der Online-Handel konnte 2015 seinen Umsatz um 9,6 Prozent zum Vorjahr steigern. 2016 wird der Umsatz laut Prognosen noch weiter wachsen. Bild: gpointstudio/iStock/thinkstock

Die Vertriebskanäle im Handel verschwimmen zunehmend. Das bietet Chancen für die Branche und erweitert die beruflichen Perspektiven von Hochschulabsolventen.

          Warenkorb auf, Produkte hinein, und mit einem Klick kommt der Einkauf nach Hause. In den vergangenen Jahren erlebte der Online-Handel einen enormen Aufschwung. Laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V. legte der Umsatz im Jahr 2015 um 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu auf 49,6 Milliarden Euro. Tendenz weiter steigend. Doch während manches traditionelle Handelsunternehmen die Herausforderung Digitalisierung noch nicht angepackt hat, beginnen Online-Händler wiederum mit dem Aufbau stationärer Ladengeschäfte. Die Branche ist in Bewegung.

          „Die Zukunft des Handels liegt in der engen Vernetzung von Online- und stationärem Handel. Die Grenzen zwischen den Kanälen werden verschwimmen“, sagt Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Managementlehre und Handel, an der Hochschule Niederrhein. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung hat dabei besonders das Kundenverhalten. Denn, so Dirk Spannaus, Geschäftsführer der IT-Beratung Twenty Zen: „Der Kunde will dort abgeholt werden, wo er sich aufhält. Und das ist immer häufiger im Internet.“ Viele Menschen informieren sich heute online, bevor sie zum Einkauf ins Geschäft gehen. Google nennt das den „Zero Moment of Truth“. Wenn stationäre Händler nicht bereits im Netz präsent sind, ist es unwahrscheinlich, dass der Kunde in den Laden kommt.

          Wie steht es angesichts dieser Entwicklungen um den Bedarf an Hochschulabsolventen in der Handelsbranche? Unternehmen suchen laut Wilfried Malcher vom Handelsverband Deutschland dringend nach Bewerbern mit akademischem Abschluss. „Der Handel ist ein Bereich mit großem Wachstumspotential, der auch Beschäftigungsstabilität bietet“, sagt Malcher, der als bildungspolitischer Experte für den Verband tätig ist. Fast drei Millionen Beschäftigte arbeiten in dieser Branche. Professor Heinemann weiß allerdings, dass der Handel – abgesehen vom Bereich E-Commerce – für Akademiker nicht immer attraktiv genug ist. „Dafür müssen einige Unternehmen in Zukunft mehr tun“, fordert er. Viele klassische Handelsgrößen müssten sich innovativer aufstellen und ihr Berufsimage aufbessern.

          Persönlichkeit zählt

          Beim Traditionsunternehmen Galeria Kaufhof sind Akademiker gerngesehen. „Sie denken meist übergreifend und haben eine strategische Herangehensweise“, sagt Gundula Pabst, Leiterin HR-Marketing und Recruiting. Dass aber theoretisches Wissen nicht alles ist, sollte Wirtschaftswissenschaftlern schon während ihres Studiums bewusst sein. Es komme vielmehr darauf an, die Kenntnisse in die Praxis zu transferieren. Den Bewerbern stehen dann Stellen in der Filialleitung, der Unternehmensentwicklung, dem Personalbereich oder auch dem Marketing offen – je nachdem, welche Schwerpunkte sich der Einzelne im Studium gesetzt hat.

          Doch darüber hinaus ist dem Unternehmen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern besonders die Persönlichkeit wichtig. Gundula Pabst nennt dabei Eigenschaften wie Motivation, Eigeninitiative und Kommunikationsfähigkeit. Und auch Berufserfahrung spielt eine Rolle. „Wir brauchen Leute, die Leidenschaft für ihren Beruf mitbringen und schon Erfahrungen in dieser Branche haben.“ Denn wer bisher nur studiert und keine Praxis im Handel gesammelt hat, wird sich langsamer in seiner neuen Tätigkeit zurechtfinden.

          Bei Amazon Deutschland sucht man laut Justin Schwade, Leiter der Talent-Acquisition, gezielt nach Akademikern aus allen Fachrichtungen. „Wir brauchen die größten Talente und die klügsten Köpfe“, sagt er. Neben dem Fachwissen sollten die Bewerber auch hier einige persönliche Voraussetzungen erfüllen. „Unsere Mitarbeiter brauchen analytische Fähigkeiten, eine innovative Denkweise, eine inspirierende Art und müssen auch mal zupacken können“, so Schwade weiter.

          Berufserfahrung gehört ebenfalls zu den Anforderungen, die der Online-Händler an Bewerber stellt. Zukünftige Mitarbeiter sollten vor allem in der Lage sein, aufgrund ihrer Lebenserfahrung und ihres Wissens lösungsorientiert zu handeln. „Amazonians müssen immer den Kunden im Blick haben, damit dieser am Ende ein gutes Einkaufserlebnis bekommt“, sagt Schwade.

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