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Einstieg in der Medizintechnik : Zum Wohle der Patienten

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Bild: Picture alliance/AP Photo

Die Menschen werden immer älter, und damit wachsen auch die Aufgaben für die Medizintechnikbranche. Um Absolventen schon frühzeitig zu binden, locken die Unternehmen mit Extras und guten Gehältern.

          Dominic Liebschers Fußballherz schlägt ohne Kompromisse für den 1. FC Nürnberg. Wenn der 31-jährige Medizinprodukteberater bei Siemens Healthineers auch vom FC Bayern München schwärmt, muss das einen besonderen Grund haben. Und so ist es: Der FC Bayern München ließ sich von Liebschers Beratung überzeugen und orderte eine Vielzahl an Ultraschallgeräten für die Ausstattung der medizinischen Abteilung des Clubs. Seit Juli 2017 arbeiten der deutsche Rekordmeister und die Medizintechniksparte von Siemens zusammen. Mit den mobilen Geräten kann unmittelbar nach der Verletzung eines Spielers sehr genau die Art der Blessur diagnostiziert werden. „Für jeden Fußballinteressierten ist das ein spannender Kunde“, sagt Liebscher. Die medizinischen Hightech-Geräte befinden sich im Stadion, im Nachwuchsleistungszentrum sowie am Trainingsgelände und werden sogar ins Trainingslager mitgenommen. Für die Gespräche mit dem FC Bayern war nicht unbedingt ein Studium erforderlich. Liebscher startete nach seiner kaufmännischen Ausbildung berufsbegleitend eine duale Ausbildung zum Medizinprodukteberater und spezialisierte sich auf Ultraschallgeräte. Heute arbeitet er in diesem Bereich als Deutschland-Manager.

          Deutschland in der Medizin­technik an dritter Stelle

          Ob kardiologische Implantate oder hochmoderne Hörgeräte – die Medizintechnikbranche wächst seit Jahren zum Wohle der Patienten. Für Aufwind und Wachstum sorgt der demographische Wandel, der dazu führt, dass die Menschen immer älter werden, unter Umständen allerdings auch den Preis eingeschränkter Mobilität bezahlen müssen. In diesen Fällen hilft die Branche, bis ins hohe Alter eine zufriedenstellende Lebensqualität zu gewährleisten.

          Nach Angaben des Bundesverbandes Medizintechnik (BVMed e.V.) lag der Jahresumsatz von medizintechnischen Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten 2016 bei 29,2 Milliarden Euro. Die Exportquote war mit 64 Prozent sehr hoch, Mitte der neunziger Jahre waren es gerade einmal 40 Prozent. Betrachtet man die weltweite Produktion von Medizintechnik, die 2015 ein Volumen von 320 Milliarden Euro aufwies, liegt Deutschland mit einem Anteil von 9,2 Prozent an dritter Stelle. Rund 133.000 Mitarbeiter arbeiten in über 1.200 Betrieben. Hinzu kommen knapp 81.000 Mitarbeiter in über 11.000 Kleinunternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten.

          Die Medizintechnikbranche ist eine hoch-innovative Branche. Die forschenden Medizintechnikunternehmen stecken rund neun Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung und liegen mit dieser Quote weit vor der Chemieindustrie und der verarbeitenden Industrie. Rund 15 Prozent der Beschäftigten sind im Bereich Forschung und Endwicklung tätig – Tendenz laut Aussage des BVMed weiter steigend.

          „Die Berufsaussichten in der Medizintechnologiebranche sind für Ingenieure und Medizintechniker, aber auch für Marketingspezialisten im Allgemeinen ausgezeichnet“, sagt Manfred Beeres, Sprecher des BVMed. „Gut ausgebildetes Personal sucht die Medizintechnikindustrie vor allem für Forschung und Entwicklung, aber auch für Zulassungsfragestellungen. Medizinprodukte und ihr Weg von der Idee zum Markt werden zunehmend komplexer, so dass das Knowhow und die personellen Ressourcen in den Unternehmen ständig verbessert werden müssen.“ Gesucht werden laut BVMed vor allem Ingenieure (38 Prozent), Medizintechniker (32 Prozent) und Wirtschaftswissenschaftler (24 Prozent). 88 Prozent der Unternehmen gaben in einer aktuellen Umfrage des Verbands an, offene Stellen zu haben. Das entspricht gegenüber dem Jahr 2016 einer erneuten Steigerung. An der Spitze der offenen Stellen stehen Positionen im Vertrieb (61 Prozent), gefolgt von Stellen in Marketing und Kommunikation (36 Prozent), im Key-Account-Management (28 Prozent), in Regulatory Affairs (22 Prozent) sowie Produktion (21 Prozent).

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