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Veröffentlicht: 24.02.2017, 15:53 Uhr

CDO vs. CIO „Digitalisierung muss Chefsache sein“

Julia Dous, Kienbaum Consultants International in Berlin, spricht über die neuen Herausforderungen für die obersten IT- und Digitalisierungsmanager.

© Kienbaum Julia Dous ist Senior-Consultant Executive-Search bei Kienbaum Consultants International.

Frau Dous, die Themen IT und Digitalisierung wandern zunehmend auf die Vorstandsebene. Wie weit ist Deutschland bei dieser Entwicklung?

Viele unserer deutschen Kunden gehen zur Validierung ihrer Prototypen und neuen Geschäftsmodelle ins Ausland. Die Gründe reichen von fehlender digitaler Kompetenz und notwendigen Rahmenbedingungen bis zur Bewahrer-Mentalität in etablierten Strukturen. Das sollte uns zu denken geben: In Deutschland stehen wir am Anfang der Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung bietet. Die spannende Gründerszene in unseren Metropolen ist hierbei Vorreiter. Mittelständler und Großkonzerne schauen aufmerksam auf Start-ups. Sie wissen um den Handlungsbedarf, die Umsetzung braucht jedoch noch mehr Mut und Konsequenz.

Welche Branchen haben verstanden, dass das wichtig ist? Wo gibt es Nachholbedarf?

Die technologieaffinen Branchen sind von Natur aus routinierter mit kürzeren Entwicklungszyklen und agilen Ansätzen. Dazu gehören die Banken, aber auch die deutsche Automobilindustrie, die im Bereich des autonomen Fahrens auf einem hohen Entwicklungsstand ist, dabei allerdings an gesellschaftliche und politische Grenzen stößt. Gleiches gilt für das Gesundheitssystem, wo sich zudem eine starke Lobby gegen ärztliche Online-Konsultationen und das Rezept per Mausklick wehrt. Nachholbedarf gibt es beispielsweise in der Baubranche und dem Handwerk.

Für die neuen Herausforderungen muss man die richtigen Leute finden. Was muss ein Chief Digital Officer (CDO) heute können, was ein Chief Information Officer (CIO)?

Ein CDO ist Unternehmer und steht für Kunden- statt Produktorientierung. Diese setzt er in Wachstumsstrategien mit digitalen Geschäftsmodellen um. Der CDO verantwortet die digitalen Vertriebskanäle, Content, CRM, Social Media und Multi-Channel-Management. Er ist nicht zuletzt Impulsgeber für den digitalen Wandel des Gesamtunternehmens und damit Projekt- und Changemanager in einer Schnittstellenfunktion. Der CIO hingegen ist für das Aufsetzen zukunftsfähiger IT-Prozesse und moderner IT-Architekturen, das Sicherstellen aller technischen Voraussetzungen für leistungsfähige Anwendungen und Plattformen sowie für die stetige Weiterentwicklung der Systeme zuständig. In seiner Verantwortung liegt das Einführen neuer Engineering-Ansätze wie Agility und Scrum. Die Top-IT-Ingenieure dafür zu gewinnen ist nicht zuletzt seine Aufgabe.

Einige Experten sagen, ein guter CIO muss auch die Aufgaben eines CDO erfüllen können, sich also intensiv mit der Digitalisierung von Prozessen und Vertriebsstrukturen auskennen. Andere halten einen zusätzlichen CDO für unverzichtbar. Wie sehen Sie das?

Digitalisierung ist vielfältig verortet – in der IT, als bereichsübergreifendes Projekt oder im Fachbereich. Aus meiner Sicht ist aber nur die Verankerung eines CDO auf Geschäftsführungs- oder Vorstandsebene nachhaltig. Um digitale Geschäftsmodelle und die konsequente Nutzerzentrierung durchzusetzen, sind eigene Ressourcen im geschützten Raum, Budgets und absoluter Rückhalt auf C-Level, also auf der Ebene der Chief Officers, erforderlich. Digitalisierung muss Chefsache sein.

Mit welchem Gehalt können Professionals auf diesem Level rechnen?

C-Level-Positionen mit Digitalisierung als Kernaufgabe verdienen durchschnittlich 250.000 Euro plus. Interessant jedoch ist, dass die Unternehmertypen mit Digitalkompetenz im Alter zwischen 30 und 40 Jahren nicht rein monetär gesteuert sind. Gestaltungsanspruch, Nachhaltigkeit und Flexibilität von Arbeit werden zunehmend wichtiger.

Das Interview führte Julia Bröder. 

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