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Karrierepfade, Teil 5 : Interview | Wie wird man Vorstand bei Lufthansa Technik, Herr Schulthess?

  • -Aktualisiert am

Karriere bei Lufthansa Technik: Antonio Carlo Schulthess ist seit April 2015 Personalvorstand der Lufthansa Tochter. Bild: Lufthansa Technik

Der sprichwörtliche „rote Faden“ im Lebenslauf findet sich bei Antonio Schulthess nicht. Als Personalvorstand macht er trotzdem Karriere bei Lufthansa Technik – oder gerade deswegen.

          „Zielstrebigkeit, Selbstdisziplin, Offenheit.“ Diese drei Eigenschaften nennt Antonio Carlo Schulthess, Vorstand für Personal, Aircraft Systems und VIP Services bei Lufthansa Technik, auf die Frage nach seinen persönlichen Stärken. Und was der gebürtige Schweizer als das wohl wichtigste Prinzip seiner Karriere erachtet: „Es kommt auf die eigene – positive – Grundhaltung an.“

          Was zunächst klingt wie die Aneinanderreihung leerer Worthülsen, von denen so manch ein Personaler inflationär Gebrauch macht, könnte in Schulthess’ Fall tatsächlich Sinn ergeben, denn: Der Mann hat Betriebswirtschaftslehre studiert, ist ausgebildeter Softwareingenieur und war Militärpilot. Und das geht nur mit Zielstrebigkeit, Selbstdisziplin und Offenheit für Neues.

           

          Karriere bei Lufthansa Technik: Personaler über Quereinstieg

          Den einen, roten Faden im Lebenslauf, den so viele Studierende krampfhaft in der eigenen Vita zu fassen versuchen, den sucht man bei Schulthess allerdings zunächst vergebens.

          „Ich wuchs als jüngstes von fünf Kindern auf und wollte meinen Eltern nach der Schulzeit nicht länger auf der Tasche liegen“, erzählt der Lufthansa-Technik-Vorstand. Nach der Matura, dem Schweizer Äquivalent zum Abitur, absolvierte Schulthess deswegen zunächst eine Ausbildung zum Programmierer – und stieg mit knapp 19 Jahren voll ins Berufsleben ein. Parallel zum Beruf als Softwareingenieur beim Schweizer Handelsunternehmen Migros ließ er sich außerdem für zwei Jahre zum Jet-Piloten beim Schweizer Militär ausbilden. „Die größten Herausforderungen waren für mich immer Schritte in Tätigkeiten, die mir völlig unbekannt waren und die ich mir per ‚Learning by doing‘ erschließen musste.“ Dass er für solche Herausforderungen auch der Typ ist, dafür spricht die Tatsache, dass er nach acht Jahren in der IT-Abteilung von Migros in die dortige Personalabteilung wechselte. „Das war ein totaler Querwechsel“, erinnert sich Schulthess. Aber kein unüberwindbares Hindernis. „In meiner Kindheit sind wir oft umgezogen, deswegen habe ich häufig die Schule gewechselt. Das hat mich geprägt und mir immer wieder gezeigt, dass Hindernisse mit positiver Grundhaltung und gesundem Selbstbewusstsein überwunden werden können.“

          Karriere bei Lufthansa Technik: BWL-Studium über Umwege

          Doch so sehr sich Offenheit für Neues als charakterliche Stärke beschreiben lässt – sie birgt auch Risiken. Zu große Begeisterungsfähigkeit berge die Gefahr, emotional und physisch aus der Balance zu geraten, sagt er. Ob es das Engagement an zu vielen Fronten oder einfach der Wunsch nach einer Auszeit – nach 15 Jahren im Beruf – waren, die den heutigen Personalvorstand dazu bewegten, trotz guter Karriereaussichten bei Migros im Alter von 32 Jahren ein einjähriges Sabbatical einzulegen, verrät er nicht. Es sei damals eine wichtige, persönliche Entscheidung gewesen, sagt er heute. Und der Wegweiser für sein anschließendes BWL-Studium an der Universität St. Gallen.

          Mit 33 Jahren, einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Jet-Pilot und mit 15 Jahren Berufserfahrung erfüllte sich Antonio Schulthess den Traum vom Studium. „Den Austausch mit meinen wesentlich jüngeren Studienkollegen und die Möglichkeit, stundenlang in der Bibliothek zu sitzen und zu lesen, empfand ich als riesiges Privileg.“ Obwohl Schulthess zugibt, sich auch aus Effizienzgründen für ein Studium an der Universität St. Gallen entschieden zu haben („Ein Abschluss war in vier Jahren möglich – wenn man sich reinhängte“), ließ er sich nach dem Arbeitsalltag auch von den anderen Vorzügen des Studiums begeistern. „Die Möglichkeit, an einem sonnigen Nachmittag nicht in die Vorlesung, sondern zum Bergsteigen ins Appenzellerland zu gehen, habe ich genossen.“

          Karriere bei Lufthansa Technik: Der Weg zur Fluggesellschaft

          Das BWL-Studium absolvierte er tatsächlich innerhalb von vier Jahren. Danach stieg er bei der Schweizer Fluggesellschaft Swiss International Air Lines – wieder in der Human-Resources-Abteilung – ein. Dabei wollte er diesen Job anfangs eigentlich überhaupt nicht. „Nach dem Studium habe ich den Job zunächst nur aus der Not heraus angetreten. Ich wollte nicht noch einmal das Gleiche machen.“ Die beruflichen Möglichkeiten, die sich daraus entwickelten, seien jedoch fantastisch gewesen – und niemals planbar.

          In die HR-Abteilung der Lufthansa wechselte der Schweizer 2011. Innerhalb von vier Jahren schaffte er es in den Vorstand des Tochterunternehmens Lufthansa Technik. Seit April 2015 ist Antonio Schulthess Personalvorstand der Lufthansa-Tochter und gleichzeitig verantwortlich für die beiden Geschäftsbereiche „VIP“ und „Aircraft Systems“. Das ist zwar Neuland für den Mann mit den drei Muttersprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch). Doch: Es gelinge, sich auf Neues einzulassen, solange man es positiv und angstfrei angehe, verrät er. Und die wachsende Lebenserfahrung helfe dabei, die Balance nicht zu verlieren. Diese positive Grundhaltung habe ihn während Schule, Studium und Beruf immer gestützt.

          Es stimmt also: Zielstrebigkeit, Selbstdisziplin und Offenheit sind tatsächlich Eigenschaften, mit denen sich Antonio Schulthess’ Karriere und auch sein Lebenslauf beschreiben lassen. „Ich bin überzeugt davon, dass Menschen durch eine positive Grundhaltung über sich selbst hinauswachsen und viel mehr leisten können, als sie sich selbst zutrauen.“

          Schulthess’ Karrieretipps

          • Vertrauen Sie auf Ihre Lernfähigkeiten. Gehen Sie selbstbewusst, neugierig, offen und mit Leistungsanspruch und Bodenhaftung an jede Aufgabe heran. Lernen Sie von anderen und geben Sie Ihr eigenes Wissen weiter.
          • Suchen Sie nicht den kürzesten Weg nach oben. Interessante und unkonventionelle Kombinationen von fachlichen und kulturellen Erfahrungen sowie (vermeintlich) berufliche Umwege können die Karriere beschleunigen.
          • Bringen Sie die Dinge zu Ende. Beweisen Sie Durchhaltevermögen und lassen Sie sich Zeit, um Erfahrungen zu sammeln. Zu schnelles Job-Hopping führt oft zu oberflächlichem Wissen – gefragt sind aber meist tiefgehende Kenntnisse.

          Quelle: F.A.Z.

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