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Karrierepfade, Teil 1 : Interview | Wie wird man Vorstand bei PwC, Herr Scholich?

  • -Aktualisiert am

Martin Scholich, Vorstandsmitglied bei PricewaterhouseCoopers AG Bild: PwC

Wie wird man richtig erfolgreich? Wir haben bei den Führungskräften in Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport nachgefragt: Welcher Entwicklungspfad hat bei ihnen an die Spitze geführt? Was braucht es, um nach ganz oben zu kommen? Den Auftakt zu dieser neuen Serie macht Martin Scholich, Vorstand für Advisory bei Deutschlands größter Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

          Der Großvater war einer der ersten Wirtschaftsprüfer Deutschlands, der Onkel hatte eine eigene kleine Wirtschaftsprüfung – da war klar, was Martin Scholich schon als Zehnjähriger werden wollte: Arzt. So wie der Vater. Doch er merkte rasch, dass er Blut nicht sehen kann. Also lieber in die Fußstapfen des Onkels treten? Scholich hatte anderes im Sinn: „Mein Herz schlägt für die Beratung.“ Daher ging er während seines BWL-Studiums in Köln für ein Auslandsstudium zur Eastern Illinois University, um dort einen MBA-Abschluss in General Management zu machen. Dieses Jahr brachte ihm mit seinen Fallstudien deutlich mehr Praxisnähe. „Beides im Studium gelernt zu haben – die gründliche, systematische Problemanalyse in Deutschland, die lösungsorientierte Praxis in den USA –, war sicherlich ein Schlüssel zum beruflichen Erfolg“, sagt Scholich heute. Dabei sah er sich darin bestätigt, dass ihn die Unternehmensberatung mehr faszinierte als die Prüfung. Dennoch hörte er auf seinen Verstand, die mögliche Unternehmensnachfolge des Onkels im Kopf, und legte sein Examen 1990 in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftsprüfung, Steuerrecht und Steuerlehre ab.

          Die Anfangsjahre in der Beratung hatten ihn so fasziniert, dass er sich gegen die Unternehmensnachfolge beim Onkel und für PwC entschied. Dort hatte er trotz seiner kurzen Berufstätigkeit spannende Aufgaben: So arbeitete er bei Deutschlands erster feindlicher Übernahme mit – der von Hoesch durch Krupp – und war an der ersten Gebührenordnung des Grünen Punkts beteiligt. Das heute längst etablierte Thema Corporate Finance steckte Anfang der Neunzigerjahre, als Scholich bei der PwC-Vorgängergesellschaft Treuhandvereinigung einstieg, noch in den Kinderschuhen. Zehn Mitarbeiter waren sie damals, und der Chef träumte von einer Verfünffachung. Heute arbeiten bei PwC über 2.000 Beraterinnen und Berater. Scholich profitierte von der erstaunlichen Karriere des Corporate Finance und wurde innerhalb von sechs Jahren zum Partner ernannt – rund zwei bis vier Jahre früher als üblich. Und als er keine fünf Jahre später in den PwC-Vorstand berufen wurde, war der damals 37-jährige der mit Abstand Jüngste in der Runde.

          Ein Wunderkind? Ein gnadenloser Karrierist? Scholich, der trotz seiner steilen Karriere nahbar, freundlich und bescheiden im Gespräch ist, sieht vor allem zwei Gründe für seinen bemerkenswerten Erfolg: Eine hohe intrinsische Motivation. „Was ich mache, mache ich gerne. Daran hat sich in all den Jahren nichts verändert. Und sonst hätte ich auch nicht 23 Jahre lang ein Pensum von 60 bis 80 Wochenstunden durchgehalten.“ Und zweitens rät er: „Schauen Sie sich ganz genau das Geschäftsmodell Ihres Arbeitgebers an. Ist es nachhaltig erfolgreich? Dann stehen die Chancen gut, dass auch Sie Erfolg haben werden. Oder andersrum: Wenn das Geschäftsmodell Ihres Arbeitsgebers nicht funktioniert, können Sie noch so viel und so gut arbeiten, Sie werden es sehr schwer haben, nach oben zu kommen.“

          Doch es war nicht nur die Freude an der Unternehmensberatung, die Scholich antrieb. Auch der Wunsch, schon früh Dinge verändern zu wollen, war groß. „Es ist nirgendwo perfekt, wo man arbeitet. Aber Sie haben zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: Entweder zu lamentieren oder es selbst zu verändern.“ Darin war Scholich offenbar gut: Kritik so anzusprechen, dass sie zwar erhört, aber nicht verübelt wurde. Verändern kann aber dauerhaft nur, wer auch selbst Verantwortung übernimmt. Die hat Scholich nie gescheut, und so ließ er sich gern mit einer weiteren Beförderung von seinen Plänen nach räumlicher Veränderung abbringen. Sie wollen nach Osteuropa? Nicht so gut, und wir haben hier ja auch was mit Ihnen vor, Herr Scholich. Weg von der Zentrale? Auch nicht gut, wir wollten Sie ja gerade befördern.

          „Man merkt, dass man protegiert wird“, sagt Scholich. Anders als im streng hierarchisch geführten Konzern musste er aber weniger fürchten, von einem vielleicht verglühenden Leitstern ebenso ins Abseits zu geraten. „Das ist in einer Partnerschaft anders, da gibt es keine echten Zöglinge. Mentorenschaft hingegen ist bei uns Teil der Unternehmensstruktur.“ Und es gibt Messungen, die objektive Argumente in die Hand geben: 360°-Feedbacks, Upward-Feedback und schnelle Feedback-Schleifen stellen sicher, dass jemand in Führungsposition nicht einfach nur „Liebling“ ist, sondern einen guten Job macht. Führung fiel ihm nicht so furchtbar schwer, sagt Scholich. „Sie sollten schon gerne mit Menschen zusammenarbeiten, wenn Sie in einem Unternehmen sind, dessen einziges und damit wichtigstes Asset die Mitarbeiter sind.“

          Klingt das nicht alles ein bisschen arg geradlinig? „Höhen und Tiefen gibt es immer.“ Scholich erinnert sich noch gut an die Zeit, als er vor Jahren in das globale Führungsgremium aufgenommen wurde – die Runde der versiertesten Führungskräfte. Mit einem enormen Erfahrungsschatz. „Da spürte ich meine Grenzen anfangs ganz deutlich.“ Noch immer sucht er den intensiven Austausch mit denen, die besser sind als er, erarbeitet sich so Stück für Stück deren Wissensstand. „Das ist eine stark bewusstseinserweiternde Zeit.“

          Martin Scholichs Karrieretipps:

          • Eine breite Ausbildung ist die Grundlage von allem. Eine Verbindung von Theoriestärke und Praxisnähe hilft sehr.
          • Prüfen Sie das Geschäftsmodell Ihres Arbeitgebers. Ohne erfolgreiches Geschäft wird Karriere sehr schwierig.
          • Zeigen Sie, dass Sie Verantwortung übernehmen wollen und gerne über den Tellerrand schauen.
          • Machen Sie das, was Sie machen, gerne. Aber vergessen Sie nicht, dass Sie neben der Arbeit auch noch ein Privatleben haben mit Hobbys, Familie und Freunden. Lassen Sie sich helfen, wenn Sie an Grenzen stoßen. Dann erfahren Sie auch, ob Sie das Potential haben, die Grenzen zu überwinden. Andernfalls drohen Ihnen Frustration und Burn-out.
          • Wer in einer Dienstleistungsbranche arbeitet, sollte unbedingt Freude am Umgang mit Menschen haben.

          Quelle: F.A.Z.

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